Tauziehen um Planung für den Bau eines Pflegedorfes in Walschleben

Walschleben (Landkreis Sömmerda). Die Planungen der Gemeinde Walschleben für ein Pflegedorf "Am kleinen Teich" mit voraussichtlich 90 Plätzen sorgen für Ärger.

An dieser Stelle der Ortsdurchfahrt Walschleben soll das Pflegedorf entstehen. Foto: A. Reiser-Fischer

An dieser Stelle der Ortsdurchfahrt Walschleben soll das Pflegedorf entstehen. Foto: A. Reiser-Fischer

Foto: zgt

Noch kurz vor Weihnachten hat die Gemeinde an den Investor das rund 8000 Quadratmeter große Areal an der Ortsdurchfahrtsstraße gegenüber der Schmiede dafür verkauft. Im Januar soll der Bauantrag beim Landratsamt in Sömmerda für das Acht-Millionen-Projekt eingereicht werden. Der Vertrag zwischen Gemeinde und Investor ist geschlossen. Doch ob das Pflegedorf tatsächlich gebaut wird, ist derzeit völlig offen.

Baubeginn soll im nächsten Jahr sein

Entstehen soll ein Pflegedorf für Menschen mit den Pflegestufen I bis III, mit einer Cafeteria, Dienstleistungseinrichtungen wie Friseur und Fußpflege, 70 Arbeitsplätzen und Kinderbetreuung für Kinder der Beschäftigten. "Der Gemeinderat und Bürger im Ort stehen voll dahinter", sagt Bürgermeister Manfred Weiß (CDU). Er rechnet in diesem Jahr, also 2015, mit einem Baubeginn und einer Bauzeit von voraussichtlich eineinhalb Jahren. Errichtet werden soll das Pflegedorf von einer Firma, die unter anderem in Gotha ansässig ist und bereits die Pflegeheime in Weißensee und Wutha-Farnroda gebaut hat.

Zwar haben die Nachbarorte signalisiert, dass sie derzeit eine solche Einrichtung bei sich nicht ansiedeln könnten und das Projekt unterstützen. Ringleben bemängelte, es fehle eine Analyse des aktuellen Bedarfs. Doch es gibt auch richtig heftigen Gegenwind, unter anderem vom Landratsamt Sömmerda, dem in Weimar ansässigen Landesverwaltungsamt, der Grünen Liga Thüringen, Kirchgemeinden...

Streit gibt es zu nahezu allen Punkten des Bebauungsplanes. Landratsamt und Landesverwaltungsamt verlangen Überarbeitung und eine geringere Anzahl von Plätzen. "Insgesamt scheint die Kapazität des Vorhabens für Walschleben überzogen", heißt es vom Landratsamt in einer Stellungnahme. Kirchgemeinden und Diakonieeinrichtungen der Umgebung befürchten eine Überkapazität an Pflegeplätzen und einen noch weiter steigenden Mangel an Pflegekräften in der Region.

Das Landesverwaltungsamt bemängelt zudem die Ansiedlung "in einem nichtzentralen Ort im südwestlichen Randbereich des Landkreises."

Das kritisiert auch die Grüne Liga Thüringen: "Mit den geplanten 90 Plätzen wird eine überörtlich bedeutsame soziale Infrastruktur in einer Gemeinde geschaffen, die weder als zentraler Ort ausgewiesen ist noch zentralörtliche Aufgaben übernimmt." Die Zahl der Pflegeplätze übersteige den Bedarf in der Gemeinde deutlich.

Kritik: Von Geschosszahl bis zum Friseursalon

Auch der Standort findet keine Billigung. Er sei, heißt es vom Landratsamt, "für (ältere) Angehörige und Besucher schwer erreichbar." Es fehle ein Fußweg zum Standort. Auch würden Größe, Kubatur und Gestaltung des Gebäudes nicht in die umliegende Bebauung passen.

Die Grüne Liga verlangt statt des viergeschossigen Gebäudes ein ein- bis zweigeschossiges und die Überarbeitung des Entwurfs. Mehrere Behörden fürchten Lärmbelästigung.

Der Walschlebener Gemeinderat hat nahezu alle Bedenken abgewiesen.

Der Fußweg an der Ortsdurchfahrtsstraße könne problemlos verlängert werden, hieß es als Zugeständnis lediglich.

Bürgermeister Weiß zählt Vorteile des Projektes auf: "Das Heim wäre über die neue B 4 gut erreichbar und fast mitten im Ort. 70 Arbeitsplätze würden im Ort entstehen. Da wir kein Gewerbegebiet haben, wäre dies für den Ort sehr wichtig. Das Objekt könnte gebaut werden ohne jede finanzielle Beteiligung der Gemeinde. Der Bedarf ist da, zumal viele ältere pflegebedürftige Menschen nicht nach Erfurt in ein Heim möchten."

Fazit: An Konzept und Bebauungsplan werde nichts geändert. Der Gemeinderat habe einstimmig dafür votiert.

In den kommenden Wochen werden alle Behörden und Gremien, die sich geäußert haben, informiert.

Danach wird der Bebauungsplan umgehend in der Bauverwaltung des Landratsamtes in Sömmerda eingereicht.

"Wir werden alles tun, damit es gebaut wird", sagt Bürgermeister Weiß.

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