Theater in der Schule: Ein Fach, in dem es keinen Punktabzug gibt

Gera  Eine Lehrerin erzählt, was dieser Unterricht leisten kann und warum „Darstellung Gestalten“ ein besonderes Fach im Schulalltag ist.

Ein Szenenfoto des Stücks "o_die_see", mit dem die "Anonymem Exzentriker" vom Geraer Osterlandgymnasium an den Schultheatertagen der Länder in Erfurt teilnehmen. Foto: Björn Schorr

Ein Szenenfoto des Stücks "o_die_see", mit dem die "Anonymem Exzentriker" vom Geraer Osterlandgymnasium an den Schultheatertagen der Länder in Erfurt teilnehmen. Foto: Björn Schorr

Foto: zgt

Theater als Unterrichtsfach an ihrer Schule – als Katrin Zabel zum ersten Mal davon erfuhr, war sie skeptisch. Vom Wert des Theaterspiels an der Schule musste sie niemand überzeugen. Die Lehrerin für Deutsch und Französisch leitet seit 15 Jahren das Schultheater am Geraer Oberlandgymnasium. Von den Schülern wird es gut angenommen – so gut, dass sie Interessierte schon mal mit einer Wartezeit vertrösten muss. Mit dem Stück "o_die_see" nimmt die Truppe an den Deutschen Schultheatertagen teil, die derzeit in Erfurt stattfinden. Sie erzählt von der gemeinsamen Erarbeitungsphase, von den Gesprächen mit Flüchtlingen, die sie dafür führten und wie sehr diese Erfahrung über das Stück hinaus wirkt.

Doch ein Wahlpflichtfach, dessen Leistungen dann auch zu bewerten sind, ist etwas anderes.

Die Skepsis liegt jetzt fünf Jahre zurück. Inzwischen ist sie vom Fach mehr als überzeugt, auch wenn sie mit dem Namen "Darstellen und Gestalten" fremdelt. Es gibt, sagt sie, durchaus Kriterien, die bewertbar sind. Und: Es ist kein "Blümchenfach", wo man mit wenig Mühe zu zusätzlichen Punkten für das Abitur kommt. Die Schüler müssen sich Theatergeschichte, Theatertheorie befassen, sie haben eine Hausarbeit zu erstellen mit dem Schwerpunkt Dramaturgie, müssen also auch selber inszenieren, 2015 zum Beispiel zum Thema Asyl.

Seit 1999 gibt es "Darstellen und Gestalten" als Wahlpflichtfach an Thüringer Schulen. Kein Novum in der deutschen Schullandschaft. Aber Thüringen ist das einzige Bundesland, wo es für dieses Fach einen Lehrplan gibt, bemerkt Martin Seelig, stellvertretender Leiter des Thüringer Instituts für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (Thillm). Das Institut hat inzwischen etwa 300 Lehrer als Spielleiter ausgebildet. Zwei Jahre dauert die Weiterbildung , die Lehrer befähigt, an Schulen DuG zu unterrichten. Das Interesse daran, so Martin Seelig, sei anhaltend groß.

Katrin Zabel überrascht das nicht. Es geht ja nicht um die Ausbildung künftiger Schauspieler und Regisseure. Am Ende steht immer zwar immer ein Stück, aber genauso wertvoll ist der Weg dorthin. Kritikfähigkeit, Teamgeist, Selbstreflexion, Umgang mit Medien, die Fähigkeit zur Meinungsbildung – Kompetenzen, die bei einer Arbeit am Stück gefördert werden, weil es ohne sie nicht geht.

Das Fach ist aus vielen Gründen für Zabel etwas Besonderes. Die Rolle des Lehrers ist eine andere. Er tritt eher als Mentor auf, ist als Spielleiter auch Teil eines Teams. Für mich, sagt sie, eine wertvolle Erfahrung. Als Lehrer erlebt man Schüler von einer neuen Seite. Und umgekehrt erfordert eine Bewertung gerade in diesem fach eine größtmögliche Transparenz.

In diesem Fach ist ein anderer Umgang mit Fehlern möglich. Unser Schulsystem, erklärt sie, bestrafe Fehler mit einer schlechteren Zensur. Wenn man mit der Truppe ein Stück erarbeitet, sind Fehler Bausteine auf einem Weg. Man muss sich auch mal um eine Idee streiten, und verwerfen können.

Schüler haben weniger Angst, Schwächen zu zeigen, sie wachsen daran. Viele ihrer DuG-Schüler spielen im Schultheater mit. Sie erzählt von jenem Schüler, der wegen seines Sprachfehlers Hemmungen in öffentlichem Auftritt zeigte und den sie genau deshalb gefragt hatte, ob er nicht Lust auf Schultheater habe. Bei der Aufführung zu den Deutschen Schultheatertagen in Erfurt spielte er die Hauptrolle.

Zu den Kommentaren