Thüringen benötigt mehr als 40.000 neue Wohnungen

Erfurt  Regierungsbericht:­ In Städten droht nochmals Preisanstieg. Gleichzeitig nimmt in einigen Regionen der Leerstand zu.

In Städten wie Erfurt, Weimar oder Gotha werden in Zukunft viel mehr Wohnungen benötigt.

In Städten wie Erfurt, Weimar oder Gotha werden in Zukunft viel mehr Wohnungen benötigt.

Foto: Alexander Volkmann

Steigende Mieten hier, leer stehende Häuser dort: Der Wohnungsmarkt in Thüringen droht sich im nächsten Jahrzehnt noch stärker auseinander zu entwickeln. So werden bis zum Jahr 2030 in Erfurt, Weimar oder Gotha, aber auch im Ilm-Kreis, im Kreis Hildburghausen oder im Eichsfeld insgesamt mehr als 40.000 neue Wohnungen gebraucht.

Gleichzeitig dürften in einigen ländlichen Regionen wie im Unstrut-Hainich-Kreis, aber auch in Städten wie in Gera, Eisenach, Suhl oder Sömmerda zunehmend Wohnungen leer stehen. Ihre Zahl soll sich binnen der nächsten zehn Jahre auf mehr als 44.000 summieren.

Diese „Gleichzeitigkeit von Überhängen und Neubedarfen“ folge aus der regional sehr unterschiedlichen Bevölkerungsentwicklung, heißt es im aktuellen Thüringer Wohnungsmarktbericht von Infrastrukturministerin Birgit Keller (Linke). Das 116-seitige Papier wird vom Landeskabinett nächste Woche beraten und liegt unserer Zeitung vor.

Wo Wohnen in Thüringen deutlich teurer wird

Die Entwicklung folgt dabei vor allem der Marktlogik: In Städten und Kreisen, die prosperieren und Menschen hinziehen, steigt die Nachfrage – und treibt die Preise. Insbesondere in Jena, Weimar und Erfurt werden deshalb nochmals die Mieten kräftig steigen.

Dabei zeichneten sich diese Städte schon jetzt durch „ein hohes Niveau der Wohnkosten im Vergleich zu den Haushaltseinkommen“ aus, heißt es in dem Bericht. „Dies trifft nicht nur kleine Haushalte, etwa von Senioren oder Studierenden, sondern auch Familien mit Kindern und hier insbesondere die Alleinerziehenden.“

Doch auch in Gebieten mit einer schrumpfenden Bevölkerung führt der demografische Wandel zu Problemen. Das größte Dilemma: Obwohl es hier zu viele Wohnungen gibt, erfüllen sie nicht die nötigen Anforderungen.

Der Bericht verweist darauf, dass der Anteil der Älteren auf dem Land besonders stark steigt. Laut Bevölkerungsprognose könnte hier bald die Hälfte der Einwohner über 60 sein. Gleichzeitig seien die dort dominierenden Ein- und Zweifamilienhäuser in der Regel nicht altersgerecht – und ließen sich nur unter erheblichem Aufwand umbauen. Wenn aber ältere Haushalte ihr zu groß oder zu pflegeaufwendig gewordenes Eigenheim verlassen wollten, heißt es, werde „dies aufgrund mangelnder geeigneter Wohnungsangebote oftmals nicht ohne Weiteres möglich sein“.

Auch innerhalb der Regionen wird sich die Unwucht verstärken. Zwischen den lokalen Zentren wie den Kreisstädten und ihrem oftmals ländlichen Umfeld zeigen sich laut der Studie zunehmend „deutliche Unterschiede“.

Der Bericht empfiehlt deshalb, vor allem in Klein- und Mittelstädten zu fördern und dabei den bestehenden Wohnraum zu modernisieren und ausbauen. Vor allem in den größeren Städten mit einer langfristig positiven Bevölkerungsentwicklung sollten Neubauten gefördert werden.

Thüringer Wohnungsprognose bis 2030

Kreis/Stadt> Kreis/Stadt Neubedarf> Neubedarf Überhang> Überhang
Stadt Erfurt 13.140 -
Stadt Gera 212 1012
Stadt Jena 699 654
Stadt Suhl 76 4086
Stadt Weimar 1725 142
Stadt Eisenach 47 1349
Kreis Eichsfeld 2517 1324
Kreis Nordhausen 1725 2467
Wartburgkreis 1755 1537
Unstrut-Hainich-Kreis  282 4495
Kyffhäuserkreis 1269 1391
Schmalkalden-M. 1097 2463
Kreis Gotha 3529 428
Kreis Sömmerda 313 3333
Hildburghausen 1343 311
Ilm-Kreis 2801 514
Weimarer Land 3001
Kreis Sonneberg 650 2227
Saalfeld-Rudolstadt 1663 2261
Saale-Holzland-Kreis 469 3502
Saale-Orla-Kreis 439 3994
Landkreis Greiz 943 2280
Altenburger Land 312 4442
Thüringen 40.008 44.212