Thüringen hilft: Ein neuer Lift hilft Roy aus Emleben an der Treppe

Emleben. Das Tückische steckt im Detail. Roy Wachsmuth kommt mit dem Einstieg nur schwer zurecht. Dabei hat es Markus Lips gerade gut gemeint.

Roy Wachsmuth (32) testet gemeinsam mit Markus Lips von der Firma Lift Support aus Geraberg den neuen Fahrstuhl an der Treppe. Foto: Ute Rang

Foto: zgt

Er hat aus seinem Bestand einen Lift ausgesucht, bei dem der Sitz und die beiden Armstützen gleichzeitig nach oben gehen. Das ist eigentlich sehr bequem.

Nur eben ist Roy Wachsmuth daran gewöhnt, beim Umstieg vom und zum Rollstuhl nur eine Armlehne hochzuklappen, um dann zur Stange zu greifen. Das sind eingespielte Abläufe nach vielen Jahren, die den Beeinträchtigungen entsprechen.

Das wird sich ändern. Markus Lips wechselt den Sitz aus, und dann ist alles gerichtet. Endlich. Wie ein weißes Band zieht sich die Stange elegant und parallel zur engen Treppe hinauf in das Obergeschoss. Tadellos läuft der Lift hinauf und herunter. Zu hören ist nur, wenn er oben oder unten piepst. Das heißt, er ist nicht richtig eingerastet und kann nicht geladen werden. Es ist eine nützliche Erinnerung.

Familie Wachsmuth wollte schon nicht mehr daran glauben. Seit Wochen gab es Schwierigkeiten mit dem alten Treppenlift. Der hat in mehr als zwanzig Jahren fleißig für Roy gearbeitet. Nun war er erledigt. "Wenn er hochfährt, laufe ich immer mit", sagte Gabi Wachsmuth, "wenn er stehen bleibt, schiebe ich ihn an. Streikt er komplett, muss Roy rutschen."

Das konnte aber keine Lösung sein. In dem kleinen Haus in Emleben (Kreis Gotha) ist das Bad im Erdgeschoss. Roy muss also regelmäßig hinunter, auch wenn er morgens zur Arbeit auf den Bodelschwingh- Hof in Mechterstädt abgeholt wird. Vom Haus in den Hof muss er noch einmal einen Höhenunterschied überwinden. Dafür wurde ein Außenlift angebaut. Den bezahlte die zuständige Bahn-BKK-Pflegekasse.

Hilfe kam von vielen Seiten

Beim Lift im Haus gab es Probleme wegen des Geldes, aber Roy braucht einen Lift. Er kam zehn Wochen zu früh auf die Welt und blieb lange ein Sorgenkind. Gabi Wachsmuth erinnert sich: "Die Ärzte vermuteten vieles. Einmal wurde gesagt, der Junge wird keine 20 Jahre alt."

Mit sechs Jahren kam Roy in das Marienstift nach Arnstadt. "Von da an ging es aufwärts", sagt seine Mutter. Die Erkrankung ihres Sohnes heißt infantile Tetraparese. Ein frühkindlicher Hirnschaden vor, während oder nach der Geburt verursacht eine Bewegungsstörung.

Ein neuer Lift kostet 8000 bis 10.000 Euro. Diese Auskunft bekamen auch wir, als wir uns für Roy bei der Firma Lifta erkundigten. Die freundliche Dame am Telefon wies darauf hin, dass wir immerhin bei Mercedes unter den Liften anrufen würden. Der musste es nicht sein, aber taugen sollte er schon.

Wir sprachen noch einmal mit der Bahn-BKK Pflegekasse, die eine Kann-Bestimmung ausschöpfte. Vom Bundespräsidenten, an den Gabi Wachsmuth schrieb, kamen 1000 Euro.

Wir suchten weiter und fanden mit der Hilfe von Ruth Scheer in Waltershausen die Firma Lift Support in Geraberg. Sie gehört Sandra und Markus Lips. Die Firma kauft je nach Bedarf Treppenlifte zurück und repariert auch. Außerdem verzichten Sandra und Markus Lips einmal im Jahr bei einer Montage des Treppenlifts auf ihren Arbeitslohn, um helfen zu können.

Das haben sie für Roy Wachsmuth getan. Die noch nötigen 900 Euro kamen von der Diakonie in Thüringen als Partner der Aktion "Thüringen hilft" in unserer Zeitung.

Es ist also vollbracht - und der Zufall will es, dass aus dem Bestand der Firma Lift Support nicht irgendein Fahrstuhl nach Emleben kam. Es ist ein Lifta.

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