Thüringens berühmter Ostereierbaum steht vor dem Aus

Saalfeld. Dieser schmucke Baum hat Fans bis nach Übersee. Seit Wochen ist das Rentner-Ehepaar Christa und Volker Kraft auf den Beinen, um ihn mit liebevoll bemalten, umhäkelten und mit Mosaiken oder Bernsteinsplittern beklebten Ostereiern zu schmücken. Und das alle Jahre wieder.

Die Saalfelder Christa und Volker Kraft auf einer Bank vor ihrem Ostereierbaum. Geschmückt ist er mit 10.000 liebevoll verzierten Eiern. Der Baum kann noch bis Ostermontag bewundert werden, bis dahin öffnen die Krafts täglich ihren Garten für Gäste. Foto: Martin Schutt/dpa

Die Saalfelder Christa und Volker Kraft auf einer Bank vor ihrem Ostereierbaum. Geschmückt ist er mit 10.000 liebevoll verzierten Eiern. Der Baum kann noch bis Ostermontag bewundert werden, bis dahin öffnen die Krafts täglich ihren Garten für Gäste. Foto: Martin Schutt/dpa

Foto: zgt

10.000 Eier hängen nun an dem ausladenden Apfelbaum, jedes ein Unikat. Doch dieses Jahr öffnen die Krafts zum letzten Mal ihr Gartentor. "Es ist Wehmut dabei, aber auch Freude, dass der Stress vorbei ist", bekennt der 78-Jährige. Denn aus Altersgründen gibt er auf.

Am Wochenende zog es trotz teilweise ungemütlichen Wetters zahlreiche Neugierige zu Thüringens "wohl spektakulärstem Ostereierbaum", wie ihn die Thüringer Tourismus GmbH bezeichnete. Aufs Ei gekommen ist Volker Kraft schon als Kind. Auf dem Schulweg habe es einen Fliederstrauch gegeben, der zu Ostern toll geschmückt gewesen sei, erinnert er sich. Als der gelernte Maschinenschlosser selbst Vater wurde, sollten seine Kinder auch so einen Baum bekommen - mit 18 Plastik-Eiern fing es an.

Japaner hätten den Baum gern ausgegraben

Doch das Apfelbäumchen wurde zum Baum und damit wuchs jedes Jahr der Bedarf an Eiern. Die wurden ausgeblasen und verziert, denn Eier aus Plastik kommen für die Krafts nicht mehr infrage. Mitte der 90-er Jahre waren es schon mehr als 1000, vor drei Jahren wurde die 10.000er-Marke geknackt.

Den Weltrekord können die Krafts zwar nicht für sich verbuchen. Den bescheinigt das Guinness-Buch einem Baum im Rostocker Zoo, der 2007 in einer einmaligen Aktion mit fast 76.600 Ostereiern geschmückt wurde. Doch als Baum der Herzen gingen die Bilder aus Saalfeld um die Welt - bis nach Bangkok, Kuwait und in die USA.

Selbst Besucher aus Übersee machten immer wieder einen Abstecher nach Saalfeld, um die österliche Augenweide zu sehen. "Es waren mal Japaner hier, die hätten den Baum am liebsten ausgegraben und mitgenommen", erzählt Kraft.

Und ein Besucher aus den USA habe ihnen ein Holz-Ei mit den Signaturen von Bill und Hillary Clinton mitgebracht. Doch nun wird den Krafts der Aufwand und der Rummel zu viel. Jeweils mehr als 10.000 Besucher aus allen Teilen Deutschlands seien in den vergangenen Jahren in den Garten geströmt. "Und die Leitern werden von Jahr zu Jahr schwerer", sagt der 78-Jährige.

Das Land verliert damit eine Tradition

Rund zwei Monate dauere die Vorbereitung, der Auf- und Abbau sowie die zweiwöchige Öffnungszeit. Hinzu kommt, dass jedes Jahr 200 bis 500 kaputte Eier ersetzt und neu verziert werden müssen. Für die eigenen Kinder sei der Aufwand neben der Arbeit nicht zu schaffen. Und im Frühling 2016 werde er 80, erzählt Kraft. "Da will ich mal ganz in Ruhe feiern."

Anfragen, die Tradition des Ostereierbaumes fortzuführen, gebe es bereits aus anderen Regionen Deutschlands, erklärt der Rentner. Doch darüber will er sich erst nach Ostern Gedanken machen. Die Chefin der Thüringer Tourismus GmbH, Bärbel Grönegres, würde es bedauern, wenn das Land diese Attraktion verlöre. "Der Ostereierbaum ist in Thüringen zu einer liebgewonnenen Tradition während der Osterzeit geworden", sagt sie. "Vielleicht findet sich ja in Zukunft eine Initiative, die die Tradition der Familie aus Saalfeld fortführt."

Christa Kraft ist da skeptisch. "Ich glaube, so Verrückte gibt es nicht noch einmal", sagt sie. Ihr Mann gibt sich da zuversichtlicher: "Ich bin gespannt, wo wir nächstes Jahr hinfahren, um den Eierbaum zu sehen." Bis dahin steht aber nochmals ihr Gartentor offen.

! Bis 6. April ist der Garten täglich von 10 bis 18 Uhr offen. Der Eintritt ist frei.

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