Thüringer Kultusministerin verspricht: Lehrer sollen verbeamtet werden

Erfurt. Unterschiedliche Anstellungsbedingungen bringt Thüringen im Werben um junge Lehrer ins Hintertreffen.

Thüringen läuft Gefahr, im Wettbewerb um junge Lehrer abgehängt zu werden. Verbeamtung ist nicht das alleinige, aber ein gewichtiges Argument für mögliche Bewerber. Archiv-Foto: Patrick Pleul/dpa

Thüringen läuft Gefahr, im Wettbewerb um junge Lehrer abgehängt zu werden. Verbeamtung ist nicht das alleinige, aber ein gewichtiges Argument für mögliche Bewerber. Archiv-Foto: Patrick Pleul/dpa

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Ein so gut wie unkündbarer Arbeitsplatz, bessere Bezahlung, eine gute Pension im Alter - eine Beamtenlaufbahn hat Vorteile. Man könnte solche Aussichten auch einen handfesten Standortvorteil nennen.

Zum Beispiel bei Lehrern. In Thüringen wurde die Verbeamtung von Pädagogen 2008 ausgesetzt. Doch inzwischen muss Thüringen vor allem für Naturwissenschaften und Fremdsprachen außerhalb der Landesgrenzen werben, weil geeignete Bewerber fehlen und in den Lehrerzimmern die Alterspyramide droht.

Noch unter der Vorgänger-Regierung versuchte Ex-Bildungsminister Christoph Matschie (SPD) einen Vorstoß, der wurde von Kabinettskollege und Finanzminister Wolfgang Voß (CDU) abgeschmettert. Nun steht das Thema wieder auf der Agenda, sprich im Koalitionsvertrag. Doch kommt sie wirklich, die Lehrer-Verbeamtung? Und wenn ja, wann? Und unter welchen Bedingungen? Wird sie nur für die Neuanstellungen ab Tag X gelten oder für alle jungen Kräfte, die das wünschen?

Fragen über Fragen, auf die es allerdings derzeit an Antworten mangelt. Dabei wollen sie es irgendwie alle. Erst am Dienstag verwies Kultusministerin Birgit Klaubert (Linke) darauf, dass man sich in der Koalition auf eine künftige Verbeamtung verständigt habe.

In der SPD betonte die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion, Marion Rosin, die Notwendigkeit. Nur mit attraktiven Einstellungsbedingungen könne Thüringen im sich verschärfenden Länderwettbewerb um gut ausgebildete Nachwuchslehrer bestehen. Und auch bei den Grünen, die das in der vergangenen Legislatur noch anders sahen, herrscht Zustimmung. Vor drei Jahren verwiesen sie auf immense Folgekosten wegen der Pensionslasten.

Die Skepsis behält man bei, doch inzwischen scheint die Kraft des Faktischen stärker. Man werde wohl ohne die Verbeamtung nicht auskommen, um überhaupt eine Chance im bundesweiten Wettbewerb um die besten Lehrkräfte zu haben, so die bildungspolitische Sprecherin Astrid Rothe-Beinlich.

Und sogar aus der Opposition kommt Zustimmung. Die habe es auch schon in der vorherigen Legislatur gegeben, so Christian Tischner, bildungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. Allerdings nur, wenn es eine solide finanzielle Absicherung gebe. Das Geld ist ein Argument. Das weiß man auch im Kultusministerium. Dort habe man, erinnert Sprecher Gerd Schwinger, noch unter der Vorgänger-Regierung gerechnet und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass die Rechnung aufgehen könnte und zwar ohne finanziellen Mehraufwand.

Eine lange Rechnung mit Unbekannten

Im Finanzministerium hatte man auch gerechnet, kam allerdings zu anderen Ergebnissen. Das sei, so Gerd Schwinger, nicht nur eine Frage von Zahlen. Es geht um deren Auslegung, um Prioritäten, um Aussichten. Schließlich hat eine Verbeamtung Auswirkungen auf Jahrzehnte, spätestens dann, wenn die Pensionen für die heutigen Berufsanfänger fällig werden. Deshalb werde man, so der Sprecher, im Ministerium noch einmal rechnen, prüfen, abwägen. Erst dann könnte das Thema ins politische Tagesgeschäft.

Das klingt nach einer langen Rechnung mit vielen Unbekannten. Doch inzwischen läuft Thüringen Gefahr, im Wettbewerb um junge Lehrer abgehängt zu werden. So akut sei die Lage nicht, widerspricht man im Kultusministerium und verweist auf die gerade vorgenommenen Neueinstellungen. Zu Beginn des neuen Halbjahres wurden in Thüringer Schulen neben 213 Referendaren 179 neue Lehrer angestellt. In Vollzeit und unbefristet. Für die Lehrerstellen habe es immerhin mehr als 1600 Bewerbungen gegeben. Dies zeige doch, dass die Verbeamtung kein alleiniges Kriterium sei, das junge Lehrer nach Thüringen lockt.

Sicher ist es das nicht. Das weiß auch Rolf Busch vom Thüringer Lehrerverband. Doch verlassen darf sich das Land darauf nicht. Berufsanfänger wollen auch Familien gründen und brauchen eine Sicherheit. Verbeamtung ist nicht das alleinige, aber eben doch ein gewichtiges Argument, so seine Erfahrung. Und im Zweifelsfall zieht dann eben so mancher weg.

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