Thüringer Universitäten bauen mindestens 300 Stellen ab

Erfurt. Die stärksten Einschnitte seit zwei Jahrzehnten drohen an einigen Thüringer Hochschulen. So sollen nach Informationen unserer Zeitung in Thüringen 50 Professuren wegfallen, allein 40 an den Universitäten in Weimar und Jena. Insgesamt fallen 300 Stellen weg, um bis zu zehn Prozent der Kosten einzusparen.

Studenten in einem Hörsaal der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Archivfoto: Jan-Peter Kasper

Studenten in einem Hörsaal der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Archivfoto: Jan-Peter Kasper

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Die Hochschulen in Erfurt, Ilmenau und Nordhausen sind jedoch weniger betroffen. Besonders die einzige Thüringer Volluniversität in Jena steht vor dramatischen Kürzungen. Fünf Studiengänge sind gestrichen oder fallen noch weg. Zwei weitere stehen laut einem internen Papier, das unserer Zeitung vorliegt, "auf dem Prüfstand".

Insgesamt sollen vor allem in den Geisteswissenschaften bis zu 30 Professuren auslaufen, darunter Fächer wie Wirtschafts- und Kulturgeschichte, Allgemeine Pädagogik oder Politische Theorie. Die Politikwissenschaft könnte mit Erfurt fusioniert werden. Insgesamt dürften 125 Stellen abgebaut werden.

Die Gremien der Friedrich-Schiller-Universität sollen den sogenannten "Struktur- und Entwicklungsplan" im November beschließen. Ein Hochschulsprecher wollte den "Arbeitsstand" nicht kommentieren, bestätigte aber, dass etwa zehn Prozent der Kosten gesenkt werden müssten. Grund seien die Vorgaben des Landes.

Bildungsminister Christoph Matschie (SPD) wies dies zurück. Sein Sprecher erklärte, dass den Universitäten fortlaufend mehr Geld gezahlt werde. So bekomme Jena in diesem Jahr 145 Millionen Euro überwiesen - drei Millionen mehr als 2012. Nächstes Jahr steige die Summe um weitere vier Millionen.

Der Ministerium räumte aber ein, dass die Hochschulen im Rahmen der Entwicklungspläne, die bis ins Jahr 2020 reichten, "auch unpopuläre Entscheidungen" treffen müssten. Man lege Wert darauf, dass die Universitäten ihr Profil schärften und mit anderen Hochschulen kooperierten. Es gehe dabei aber nicht in erster Linie um Abbau.

In der Realität erscheint dies aber anders. So hat die Bauhaus-Universität Weimar ein entsprechendes Papier bereits beim Bildungsministerium eingereicht. Es sieht den Wegfall von mindestens zwölf Professuren vor - das wäre jede siebte Stelle.

Bauhaus-Rektor Karl Beucke wollte sich zu Details nicht äußern, bezeichnete die Kürzungen aber als "schmerzlich". Um so wichtiger sei es nun, dass das Land die Hochschulen von künftigen Sparrunden ausnehme und vielmehr zusätzliche Gelder entsprechend der Inflation zur Verfügung stelle. Hier sei man "in einem guten Gespräch" mit Matschie, sagte Beucke, der auch Chef der Landesrektorenkonferenz ist.

Tatsächlich ist die Situation nicht überall schlecht. So sieht der Erfurter Universitätspräsident Kai Brodersen nach harten Kürzungen vor zwei Jahren nun eine "stabile Entwicklung". An der Technischen Universität Ilmenau, wo intern die Budgets um fünf Prozent gekürzt wurden, will man "die Auswirkungen auf Forschung und Lehre gering halten". Die Fachhochschule Nordhausen hat sogar neue Studiengänge eröffnet. "Wir waren eben immer schlank aufgestellt", sagte Präsident Jörg Wagner.