„Tier-KZ im Eichsfeld“: Warum wurde nicht früher eingeschritten?

Weilrode  Der Bericht aus Weilrode „geht unter die Haut“, sagt der SPD-Grünen-Fraktionschef im Kreistag, Heinz Funke, und fragt, ob nicht engmaschigere Kontrollen und ein früheres Einschreiten hätten erfolgen müssen. „Warum existierte ein solches Tier-KZ im Eichsfeld weiter?“

Über 30 Hunde und andere Tiere wurden aus der Kaserne geholt.

Über 30 Hunde und andere Tiere wurden aus der Kaserne geholt.

Foto: Eckhard Jüngel

Zu der Familie, die in der alten Kaserne in Weilrode (Landgemeinde Sonnenstein) zahlreiche Hunde und weitere Tiere unter grauenvollen Bedingungen gehalten hat, gehören auch drei minderjährige Kinder. Diese wurden vom Allgemeinen Sozialen Dienst des Jugendamtes in Obhut genommen, wie das Eichsfelder Landratsamt gestern mitteilte. Beim von der Polizei und weiteren Institutionen begleiteten Einsatz des Veterinäramtes am Mittwoch war auch das Jugendamt dabei.

Die stellvertretende Amtsleiterin Heike Grimm berichtet, dass es den Kindern gut gehe. "Die Eltern der Kinder arbeiten inzwischen mit dem Jugendamt zusammen, so dass perspektivisch eine Rückführung der Kinder zu den Eltern angestrebt werden kann", erklärt Heike Grimm. 38 Hunde verschiedener Rassen waren im Ergebnis eines Großeinsatzes ins Heiligenstädter Vereinstierheim gebracht worden. Die Tiefenkontrolle mit Amtshilfe durch die Polizei war vom Amtsgericht Heiligenstadt angeordnet worden. Zuvor hatte der Halter bereits Auflagen erhalten. Die Haltungsbedingungen der noch lebenden, schlecht ernährten Reptilien - wie Kornnattern, Bartagame, Boa constrictor, Leopardgeckos, Königspython - "entsprachen bei weitem nicht den Mindestanforderungen einer artgerechten Reptilienhaltung", erklärt Veterinäramtsleiter Dr. Uwe Semmelroth. Die Reptilienhaltung wurde von einem Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde eingeschätzt, der über spezielles Fachwissen verfügt. "Neben toten Reptilien fanden die Beamten auch zum Teil mumifizierte Teile von Kleinsäugern", und insgesamt sei das sofortige Einschreiten nach dem Tierschutzrecht nötig gewesen. Alle Hunde, zwei Katzen und die Reptilien waren beschlagnahmt worden, insgesamt etwa 50 Tiere. Dabei wirkte das Veterinäramt mit Polizei, Ordnungsbehörden, Feuerwehr, Hundestaffel und Tierheim zusammen. Semmelroth betont, dass die Arbeit diesem Fall "noch lange nicht beendet ist, da gegen den Tierhalter vor Ort und gegen bekannte Halter bzw. Eigentümer beschlagnahmter Hunde und Reptilien entsprechende Verfahren, einschließlich des Verbotes zum Halten von Tieren eingeleitet werden müssen".

Der Bericht aus Weilrode "geht unter die Haut", sagt der SPD-Grünen-Fraktionschef im Kreistag, Heinz Funke, und fragt, ob nicht engmaschigere Kontrollen und ein früheres Einschreiten hätten erfolgen müssen. "Warum existierte ein solches Tier-KZ im Eichsfeld weiter, obwohl bereits eine frühere Durchsuchung Hinweise auf die katastrophale Haltung ergab?"

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