Tote Berberäffin Heidi aus Erfurter Zoopark: Gemobbt, geflüchtet, abgestürzt

Erfurt. Bei einem Rettungsversuch im Erfurter Zoopark ist am Mittwochmorgen die 8-jährige Berberäffin Heidi gestorben. Von einem Narkosepfeil getroffen, stürzte die Äffin von einer Kiefer, auf die sie sich geflüchtet hatte, auf eine Voliere. Sie starb kurz nach dem Aufprall.

Im Erfurter Zoo ist ein Berberaffen-Weibchen gestorben, als es von einem Baum gerettet werden sollte. Archiv-Foto: Jens König

Im Erfurter Zoo ist ein Berberaffen-Weibchen gestorben, als es von einem Baum gerettet werden sollte. Archiv-Foto: Jens König

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Heidi war bereits am Freitag aus dem Gehege geflüchtet, offenbar, weil das rangniedrige Tier aus der 27-köpfigen Berberaffen-Gemeinschaft ausgeschlossen worden war.

"Sie war verunsichert und verängstigt", schildert die Zoopark-Tierärztin Christiana Hensel Heidis Verhalten vor der Flucht. Der feindliche Druck der Gruppe muss so groß gewesen sein, dass Heidi sogar die Stromschläge am Elektrozaun in Kauf nahm, der die Affen eigentlich am Verlassen des einen Hektar großen Geheges hindern sollten.

Seit ihrer Flucht hielt sich Heidi zumeist auf der Kiefer auf. Sie unternahm aber zunehmend Exkursionen über das Zoopark-Gelände und wurde bereits an den Müllbehältern auf dem Plateau gesichtet. Die Zoopark-Leitung befürchtete daher, dass sich die Äffin zur Flucht aus dem Gelände entschließen könnte. Daher entschloss sich die Leitung zu der Narkose.

Ein erster Versuch am Sonntag scheiterte. "Heidi zeigte sich gegenüber der Dosierung resistent", sagte Hensel. Für den Versuch am Mittwoch sei die Dosierung daher leicht erhöht worden.

Die Dosis sei "für flüchtende Affen" berechnet gewesen, sagte die Tierärztin. Normalerweise würden die Tiere, wenn sie schläfrig werden, sich am Baum sichern und einschlafen. Die Feuerwehr stand für die Bergung aus der Kiefer schon mit der Drehleiter bereit.

Doch hat laut Hensel die Wirkung schneller als erwartet eingesetzt. Statt sich abzustützen, stürzte Heidi von der Kiefer. Die Voliere schwächte den Sturz nur zum Teil ab. Als Hensel die Äffin erreichte, schlug Heidis Herz nicht mehr.

"Hätten wir die Chance auf den Schuss nicht genutzt, wäre Heidi über alle Berge gewesen", sagt Hensel.

Die Planungen sahen vor, nach einer gelungenen Einfangaktion Heidi zunächst in Quarantäne zu schicken. Ins Gehege hätte sie nicht zurückkehren können, sagte Hensel. Das Gehege sei zwar groß genug, dass mehrere Affen-Cliquen dort leben könnten. Heidi wurde aber offenbar so beharrlich von ihren Mit-Affen gemobbt, dass sie in der Flucht den einzigen Ausweg sah.

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