Über 2000 Bewerber für 260 Plätze: Ansturm auf die Polizeiausbildung in Thüringen

Erfurt  Die Thüringer Polizei erlebt einen Bewerberansturm, von dem weite Teile der Wirtschaft nur noch träumen können. Gewerkschaft fordert mehr Einstellungen.

Polizeianwärter werden in Meiningen vereidigt. Archiv-

Polizeianwärter werden in Meiningen vereidigt. Archiv-

Foto: Kai Mudra

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Davon können weite Teile der Thüringer Wirtschaft nur noch träumen. Die Polizei erlebt einen anhaltenden Bewerberansturm und kann so eine Besten-Auswahl treffen. Um die 210 Ausbildungsplätze zum Polizeimeister und die 50 Studienplätze zum Polizeikommissar bewarben sich in diesem Jahr insgesamt 2158 junge Frauen und Männer, erklärt Sara Michaelis vom Bildungszentrum der Thüringer Polizei.

Das Auswahlverfahren ist inzwischen abgeschlossen. 260 Zusagen entweder zum dreijährigen Bachelor-Studium oder für die zweijährige Polizeiausbildung wurden verschickt. Mehr als die Hälfte von ihnen hat Abitur. Das neue Ausbildungsjahr startet im Oktober.

Erneut erhöhte dieses Jahr das Innenministerium die Zahl der Ausbildungsplätze für die Polizei. Vergangenen Oktober starteten insgesamt 200 Anwärter.

Die Polizeigewerkschaften, aber auch die Opposition im Landtag, kritisieren seit Jahren, dass die Polizei im Freistaat nach wie vor Personal verliere, weil die Zahl der Beamtinnen und Beamte die in den Ruhestand gehen, größer ist, als die der neu ausgebildeten. Mit den 260 Anwärtern soll nun die Wende geschafft werden. Für kommendes Jahr hat Innenminister Georg Maier (SPD) bereits das Ziel angekündigt, 300 Bewerber einstellen zu wollen.

Denn die Polizei plagt ein weiteres Problem. Entscheidend für den Personalbestand ist nicht die Anzahl der Anwärter, die mit ihrer Ausbildung beginnen. Was wirklich zählt, sind diejenigen, die sie auch beenden, erklärt Kai Christ, Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP).

So sind nach Angaben des Bildungszentrum vor zwei Jahren 113 Anwärter für den Polizeimeister gestartet. Von ihnen wurden noch 90 in diesem Jahr zu den Abschlussprüfungen zugelassen. Hinzu kommen sechs weitere Anwärter, die im Vorjahr die Prüfungen nicht bestanden haben oder nicht ablegen konnten und nun eine zweite Chance erhalten.

Die GdP fordert daher nachdrücklich einen Einstellungsüberschuss von etwa zehn Prozent, um die Ausfälle während der Polizeiausbildung oder des Studiums zu kompensieren.

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