Universität Erfurt empfängt Besucher mit Kunst von Lutz Gode

Erfurt  25 Jahre Uni Erfurt Sozialistische Kunst: Lutz Godes „Studenten in der Galerie“ blicken seit 1966 in das Foyer des ersten Uni-Lehrgebäudes

Das Kunstwerk von Lutz Gode.

Das Kunstwerk von Lutz Gode.

Foto: Kathleen Kröger

Zehn junge Menschen haben sich seit über 50 Jahren auf dem großen Wandgemälde im ersten Lehrgebäude der Universität platziert. Über die Jahre hat das Bild im stark frequentierten Foyer des Hörsaal 3 gerade im unteren Bereich ein paar Blessuren davongetragen. Im Ganzen hat es seine Farbgebung und damit seine Wirkung bis heute behalten.

Wer bisher glaubte, dass die Abbildung Studenten zeige, lag richtig. Doch wie richtig, weiß erst Lutz Gode aufzuklären, der als neuer Kunstlehrer kurz nach dem Studium in Dresden Mitte der 1960er -Jahre an die Pädagogische Hochschule kam: „Das war meine erste Seminargruppe. Hauptsächlich Arbeiterstudenten, also Schüler, die schon einige Jahre gearbeitet haben, bevor sie zur Hochschule kamen“, sagt der gebürtige Sachse.

Der Platz für das Wandbild wurde ihm vorgegeben, die Entwürfe lagen ganz bei ihm: „Damals musste jeder Absolvent einer Kunsthochschule einen Antrittsauftrag bekommen, um sich als Künstler zu profilieren. Bei mir war das 1966 eben dieses Wandbild“.

Für den jungen Kunstlehrer, der gerade sein Studium beendet hatte, war das ein toller Einstieg. Nicht zuletzt auch wegen des Honorars für seine Arbeit, die sich auf das monatliche Assistentengehalt von 540 Ostmark aufschlug.

Die abgebildeten stilvollen Anzüge und Kleider sind allerdings entgegen vieler zeitgenössischer Erwartungen kein Zeichen für einen besonderen Anlass, sondern bilden ein Stück des Alltags der Studierenden ab. „Die Kleidung ist realistisch für genau den Tag, an dem ich die Studenten gemalt habe“, erklärt der studierte bildende Künstler. „Nur so gestanden haben sie nie. Ich hatte von jedem ein Aktbild aus dem Unterricht auf einfachen Packpapier. Dazu habe ich dann noch Porträts gezeichnet, die ich teilweise an die Studierenden verschenkt habe.“

Ehrliche Bilder ohne Arbeiter-Ikonen

Arrangiert hat Gode die je fünf Frauen und Männer dann in dieser teils sitzenden und stehenden Komposition, wie sein Gefühl es für richtig hielt. Dabei weiß der 78-Jährige über zwei der Damen etwas Besonderes zu erzählen:

„Die Frau in der Mitte auf der Bank ist Ingrid Maut, die heute selbst Professorin für Kunst an der Uni ist. Und die Dame ganz rechts im grünen Kleid gehörte eigentlich gar nicht zu den Studenten. Die habe ich in einem Café gesehen und angesprochen, weil sie mir gut gefiel und habe sie mit in das Bild gemalt“, lacht der Künstler verschmitzt.

Der bisher nicht vermerkte Titel des Ölbildes „Studenten in der Galerie“ schafft dann auch Klarheit über die gezeigte Situation. Nicht im dekorierten Foyer stehen und warten die Studenten, sondern blicken den Betrachter direkt an: „Hier habe ich die Verhältnisse umgedreht, sodass der Betrachter als Bild von den Studenten betrachtet wird“. Damit blicken sich die Studenten von damals und heute quasi wechselseitig an.

Angesetzt war der Auftrag für eine Zeit von sechs Monaten, wobei Gode, der fast 40 Jahre als Lehrender und Dozent bis nach der Wende an der Universität blieb, deutlich schneller arbeitete. „Die Zeit, in der das Bild entstand, gehört dazu“, meint der Künstler zur Frage, ob er ein Problem mit der Bezeichnung der sozialistischen Kunst habe. Als Kriegskind, das Verfolgung, Hunger und Leid erlebte, stand er Zeit seines Lebens zu seiner Beziehung zur DDR und findet es wichtig, dabei genau diesen biografischen Hintergrund zu betrachten.

„Alle meine Bilder sind ehrlich. In ganz Erfurt gab es im Gegensatz zu heute nur fünf Künstler. Wir konnten die Aufträge so lenken, wie es uns genehm war.“

Hinzu komme, dass sich der zuständige Bezirksverband sachkundig verhalten hatte und den sozialistischen Realismus im Vergleich zu anderen Institutionen weniger stark hervorgehoben sehen wollte. „Dem Arbeiter dann noch ein Kind auf den starken Arm setzen – das hätte ich nie gemacht“, wie der ehemalige Kunstlehrer, der einst auch den heutigen Direktor der Erfurter Kunstmuseen, Kai-Uwe Schierz, unterrichtete, sagt.

Die Zeit nach der Wende bezeichnet Gode als seine Produktivste. Tausende Bilder, großformatige Werke mit Breiten von bis zu sechs Metern und zahlreiche Grafiken und Skizzen lagern in der Wohnung nebenan. Trotzdem hat Gode den Überblick nie verloren.

Da der Künstler permanent an Neuem arbeitet, bleibt ihm kaum Zeit, seine Werke neu zu sichten und zu sortieren. Zu besonderen Anlässen holt er aber auch mal ältere Werke hervor und verarbeitet diese publikumswirksam in Performances. Sein Stil hat im Laufe der Jahre nichts an seiner Vielfältigkeit verloren. Von figurativen Abbildungen bis abstrakten Farbwerken ist Lutz Gode immer noch aktiv und an der Arbeit am Besonderen.