Urwald im Keller: Reptilienfreund beherbergt über 40 Exoten

Exotische Haustiere sind in Mode gekommen. Doch die Besitzer müssen viele Vorschriften beachten. Sie sind verpflichtet, die Reptilien, Spinnen oder Vögel anzumelden und deren Herkunft nachzuweisen.

Norbert Kroß aus Falken bei Nazza züchtet exotische Tiere. Foto: Sascha Willms

Norbert Kroß aus Falken bei Nazza züchtet exotische Tiere. Foto: Sascha Willms

Foto: zgt

Eisenach. Man kennt sie aus den Dokumentarfilmen ferner Länder, aus dem Zoo und zunehmend vom heimischen Terrarium: Schlangen, Echsen, Spinnen oder Schildkröten. Vermehrt sind die Zwei- bis Achtbeiner in privaten Haushalten anzutreffen. Was macht das urzeitliche Getier im trauten Heim so interessant?

"Ich finde das lange Leben beeindruckend und beobachte meine Schildkröten sehr gerne bei ihrer Lebensgestaltung. Bedenkt man, dass die Tiere mit zu denen gehören, die unseren Planeten am längsten bewohnen, erfüllt mich das mit Ehrfurcht", begründet Thomas Thiel (31) aus Eisenach seine Zuneigung zu den zwei Landschildkröten, die er Jorgas und Elisabeth genannt hat.

Norbert Kroß aus Falken hat seinen Haustieren keine Namen gegeben. Bei über 40 Exoten müsste er auch viel Kreativität beweisen. "Ich habe eine Leidenschaft für Reptilien. Schon über 30 Jahre erfüllt dieses Hobby meine gesamte Freizeit", berichtet Kroß. Faszinierend findet der gebürtige Iftaer die Reaktion seiner Haustiere auf Klimareize. Bei Wärme werden sie aktiv, Kälte macht sie schläfrig.

In seinem privaten Zoo leben 13 verschiedene Schlangen, fünf Leopardengeckos, vier Jemen- Chamäleons, zwei Halsbandleguane, zwei Landschildkröten und ungezählte Gelbbauch-Unken, Eidechsen und Blindschleichen.

Die Frau des Reptilienliebhabers hat sich im Laufe der Jahre an die ungewöhnlichen Mitbewohner gewöhnt. "Wenn die Futtertiere, die Grillen oder Heimchen, manchmal ausbüchsen und irgendwo zirpen, dann finde ich das gräulich", gibt Jutta Kroß offen zu. Doch: Ihren Ehemann und sein Hobby kenne sie nicht anders.

Zu DDR-Zeiten besaß Norbert Kroß noch mehr Reptilien. Doch "jetzt fehlt mir die Zeit. Ich habe viele Tiere abgeschafft, und perspektivisch will ich nur die Außenanlage erhalten." Im Garten der Familie tummeln sich drei knapp zwei Meter lange Armurnattern, die ganzjährig im Gehege bleiben. "Die Schlangen füttere ich fast alle mit Mäusen. Die Armurnattern fressen alle drei Wochen sechs bis acht Mäuse, von denen nur ein kleines Häufchen Fell übrig bleibt." Nur selten nimmt der Reptilienfreund seine Haustiere aus dem Gehege. "Ich möchte sie so natürlich wie möglich halten. Ich bin kein Mann, der mit den Tieren Geld machen will und behalte alle Neugeschlüpften." Der Keller des Hauses beherbergt fünf weitere Terrarien. Zur großen Freude von Norbert Kroß ist gerade ein Leopardengecko geschlüpft und rennt nervös im Brutkasten auf und ab. Das leuchtend bunte Chamäleon beäugt seine Umgebung, wird wütend und verdoppelt seine Größe, wenn es den Rivalen erspäht. Mit den zangenförmigen Füßen klammert es sich an seinen Besitzer.

"Das eine Chamäleon ist sehr zahm, aber man kann sie nur einzeln halten, denn die Männchen würden sich totbeißen", weiß Kroß. Als Belohnung gibt es eine Grille, die das Reptil mit seiner Schleuderzunge blitzschnell im Maul versenkt. Was seinen Haustieren gefällt, weiß der Mann aus Falken ganz genau, aus jahrelanger Erfahrung und dutzenden Büchern. "Einmal im Jahr kommt die Naturschutzbehörde und prüft die Zuchtbücher und den Bestand." Kroß hat natürlich alles ordnungsgemäß angemeldet.

In Eisenach ist das städtischen Umweltamt für exotische Haustiere zuständig. Tierhalter aus dem Wartburgkreis melden ihre Exoten beim Landratsamt in der untere Naturschutzbehörde. Der Besitzer muss die Herkunft nachweisen und die Mitarbeiter von der artgerechten Haltung überzeugen. Derzeit sind in Eisenach 340 exotische Tiere gemeldet, die sich in 200 Kriechtiere und 140 Vögel aufteilen. Im Wartburgkreis sind es 880 in Privathand, davon vor allem Papageien und Schildkröten.