Vatteröder Kindergarten unter freiem Himmel

Vatterode  Elterninitiative lädt zu einem Infoabend zur Gründung eines Naturkindergartens am 23. November in Vatterode ein.

Mitglieder der Elterninitiative „Naturkindergarten Vatterode“ mit ihren Kindern. Im Foto sind von links nach rechts die Erwachsenen Gisa Zippert, Anita und Tim Moritz Koch zu sehen.

Mitglieder der Elterninitiative „Naturkindergarten Vatterode“ mit ihren Kindern. Im Foto sind von links nach rechts die Erwachsenen Gisa Zippert, Anita und Tim Moritz Koch zu sehen.

Foto: privat

„Das könnte Rotkohl sein.“ Annahme von Schülern einer 9. Klasse bei der Besichtigung von Feldern eines Gemüsegärtners. Vierjährige aus einem Natur- und Waldkindergarten hingegen waren da wesentlich besser informiert, identifizierten sie doch das Gemüse richtig als Porree.

Gisa Zippert wählt bewusst dieses nicht erfundene krasse Beispiel, spricht sie über das Anliegen der seit diesem Jahr bestehenden Elterninitiative „Naturkindergarten Vatterode“. Suchen Eltern für ihr Kind einen passenden Betreuungsplatz, ist das in Deutschland durchaus nichts Ungewöhnliches. Ungewöhnliche, weil bisher im Landkreis Eichsfeld noch wenig bekannte Wege geht die Elterninitiative. Ansprechpartnerin Gisa Zippert und ihre Mitstreiter verweisen auf Wald- und Naturkindergärten im Osten Deutschlands und in den alten Bundesländern, nennen als Thüringer Beispiele unter anderem Erfurt, Schmalkalden, Jena, Ilmenau.

In den ihnen bekannten gleichartigen Einrichtungen im westlichen Teil Deutschlands werden die Mädchen und Jungen nur halbtags betreut. Die Elterninitiative ist dabei, ihren Traum zu verwirklichen. Im Herbst 2018 wollen ihre Mitglieder – dann möglichst schon als eingetragener Verein und zahlenmäßig verstärkt – in Vatterode einen Naturkindergarten für etwa fünfzehn Kinder ab dem 3. Lebensjahr eröffnen.

Ein Kindergarten unter freiem Himmel, in dem die Kleinen im Gegensatz zur sie vielerorts umgebenden und beeinflussenden digitalen Welt die Natur an zwölf Monaten des Jahres bei jedem Wetter erleben können. Mit fantasieanregendem Spiel- und Beschäftigungsmaterial direkt aus der Natur.

Eltern, die sich für dieses Angebot interessieren, müssen nicht unbedingt im Eichsfeld, namentlich in der Verwaltungsgemeinschaft Uder leben; als Waldgäste willkommen sind ebenfalls kleine hessische Nachbarn, denn dort gibt es für solche Art der Kitas lange Wartelisten. Naturkinder kleiden sich im „Zwiebellook“ und mit festen Schuhen; Wechselsachen finden im Bollerwagen als Transportmittel Platz.

Was andere Gleichaltrige vielleicht nur stundenweise bei einem Waldspaziergang genießen, wird zum täglichen Erlebnis. Begriffe aus der Welt der Erwachsenen wie Umweltschutz, Müllvermeidung, Ökologie, verantwortungsbewusster Umgang mit Wasser gehören in kindgerechter Form zum Konzept.

Besonders interessant wird es dann, wenn die Waldkinder an Ort und Stelle Menschen bei der Arbeit beobachten können und sogar selbst mit anpacken dürfen. In der Gärtnerei sehen sie, dass Gemüse nicht im Regal des Einkaufsmarktes wächst, beim Schäfer treffen sie lebendige, keine virtuellen Vierbeiner und beim Imker stellen sie fest, wie ihr Frühstückshonig ins Glas gelangt.

Dafür haben die Erwachsenen die Thesen: „Lernen über die Natur und mit ihr“ sowie „Kreativ tätig sein im Wald und auf der Wiese“ formuliert. Ängstlichen, besorgten Müttern und Vätern verspricht die Elterninitiative: Den Kindern wird ein Dach über dem Kopf garantiert. Das ist im Freistaat Thüringen per Gesetz geregelt. Niemand muss im strömenden Regen, bei Sturm oder Schneetreiben ungeschützt im Wald ausharren. Das Immunsystem der Kinder wird durch die Zeit im Freien gestärkt und auch die Schulreife steht nicht hinten an.

Am 23. November findet um 20 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Vatterode ein Informationsabend zur Gründung eines Naturkindergartens statt. Eingeladen sind interessierte Eltern, aber auch zukünftige Mitstreiter, die ihre Ideen und Taten in das Projekt einbringen möchten. Telefon: (0178) 8 04 67 65

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