Verbot von Wildtieren in Ilmenau mit deutlicher Mehrheit abgelehnt

Ilmenau  Ilmenauer Stadtrat stimmt in großen Teilen gegen Stefan Sandmanns Antrag. Thema soll auf Bundesebene geklärt werden

Auch Tiger dürfen bei Zirkusgastspielen weiter in Ilmenau zu sehen sein, unser Foto zeigt einen Auszug aus dem Programm vom Zirkus Manuel Weisheit.Archiv-

Auch Tiger dürfen bei Zirkusgastspielen weiter in Ilmenau zu sehen sein, unser Foto zeigt einen Auszug aus dem Programm vom Zirkus Manuel Weisheit.Archiv-

Foto: Christoph Vogel

Das Verbot von Zirkusgastspielen mit Wildtierauftritten ist in Ilmenau endgültig vom Tisch. Eine deutliche Mehrheit im Stadtrat lehnte einen entsprechenden Antrag am Donnerstag ab. Zuvor hatte der Tierschutzerein Ilmenau und Umgebung Unterschriften für das Vorhaben gesammelt.

In der von Stadtratsmitglied Gunther Kreuzberger (Pro Bockwurst) beantragten namentlichen Abstimmung votierten lediglich sieben Kommunalpolitiker für den Antrag von Stefan Sandmann (parteilos).

Thomas Fastner als Vorsitzender der CDU-Fraktion, deren Mitglieder den Antrag geschlossen ablehnten, sah die Zuständigkeit für das Thema klar auf Bundesebene. „Natürlich können wir Dressur und Haltung von Tieren in einem Zirkus hinterfragen. Aber hier ist der Gesetzgeber gefordert.“ Er selbst bezweifle nicht, dass es Handlungsbedarf gebe. Allerdings hätten Zirkusse auch eine Tradition, die man nicht von heute auf morgen zerschlagen dürfe.

Der Fraktionschef von Die Linke, Klaus Leuner, verwies auf die ungeklärte rechtliche Lage. „Wenn wir das beschließen, müsste der Oberbürgermeister den Beschluss wieder kassieren. Denn die meisten Verfahren in anderen Kommunen hatten keinen Bestand vor Gericht“, erklärte er und kündigte im Vorfeld an, dass seine Fraktion ohne Zwang über die Angelegenheit abstimmen werde. Denn in den Reihen der Linken gab es auch Befürworter eines Auftrittsverbots für Wildtiere.

Reinhard Schramm, Vorsitzender der SPD-Fraktion, lobte den Vorstoß im Grundsatz, verwies aber darauf, dass man mit dem Verbot Zirkusfamilien und damit „das schwächste Glied in der Kette“ bestrafe. Ein Wildtierverbot müsse langfristig über zwei Generationen in die Wege geleitet werden. „Wir schaffen ja auch nicht die Braunkohle von heute auf morgen ab“, fand er. Nicht ausgeschlossen sei, dass Zirkusbetriebe auf diese Weise in den Zwang kommen könnten, ihre Tiere ins Ausland zu verkaufen, gab Karl-Heinz Mitzschke (Die Linke) zu bedenken. „Damit helfen wir ihnen bestimmt nicht“, meinte er und riet dazu, für eine Regelung mehr Druck auf die Mitglieder im Bundestag zu machen.

Wie der Fraktionschef der Freien Wähler, Bernd Frankenberger, einschätzte, müsse ein Zirkus schon von sich aus großes Interesse an einer ordentlichen Tierhaltung haben. „Jeder, der was auf sich hält, hat gepflegte Tiere“, fand er. Andernfalls wirke sich das schlecht auf das Image eines Betriebs aus. Reinhard Mahlendorf (CDU) fand, dass auch Nutztiere bessere Lebensbedingungen erhalten müssten.

Hannelore Nastoll (Bürgerbündnis) zeigte sich vom Diskussionsverlauf enttäuscht. „Gerade bei einer Partei, die das C im Namen trägt, wundere ich mich, dass der Schutz des Lebewesens nicht bedacht wird“, sagte sie in Richtung CDU.

Gunther Kreuzberger als Befürworter des Antrags stellte die rechtlichen Bedenken nicht in Frage. Er fand aber, dass die Stadt bei einer Annahme des Vorschlags zumindest ein Zeichen gesetzt hätte.