Viele Schäfer in Thüringen denken ans Aufhören

Erfurt  Schafzucht rentiert sich nicht mehr: Das ist einer der Gründe, warum Schäfer über das Aufgeben ihres Berufes nachdenken.

Schafzucht rentiere sich nicht mehr. Das liege wesentlich am Wolf. Archivfoto: Inga Kjer/dpa

Schafzucht rentiere sich nicht mehr. Das liege wesentlich am Wolf. Archivfoto: Inga Kjer/dpa

Foto: Inga Kjer/dpa

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die traditionsreiche Landschaftspflege mit Schafen, die dem Natur- und Artenschutz nützt, steht in Thüringen vor dem Umbruch. „Es ist damit zu rechnen, dass es zu massiven Bestandsrückgängen kommt“, sagte der Geschäftsstellenleiter des Schafzüchterverbands, Christoph-Johannes Ingelmann, am Donnerstag unserer Zeitung.

Nicht nur aus Altersgründen würden viele Schäfer aufgeben. Ein Hauptgrund sei die Erkenntnis, dass Schafzucht sich nicht mehr rentiere und die Arbeit der Schäfer erschwert werde. Das liege wesentlich am Wolf.

Ende 2019 läuft die Förderperiode des Kulturlandschaftsprogramms (Kulap) aus. Viele Schäfer wollten sich voraussichtlich nicht für weitere fünf Jahre den Förderregeln unterwerfen, sondern lieber aufhören.

Thüringens einzige Wölfin mit festem Revier rund um Ohrdruf, die seit Mitte 2017 knapp 150 Schafe und Ziegen gerissen hat, wird wohl bald nicht mehr allein sein. Es sei mit Zuzug aus Brandenburg zu rechnen, heißt es im dortigen Umweltressort. In Deutschlands wolfsreichstem Bundesland leben aktuell 37 Rudel, elf mehr als vor einem Jahr.

Von etwa 1000 geschlechtsreifen Wölfen in Deutschland geht Niedersachsens Wolfsbeauftragter Raoul Reding aus. Da sich der Wolfsbestand alle drei Jahre verdoppelt, ist für 2025 mit 4000 Tieren zu rechnen.

Das Thüringer Umweltministerium will heute, um Schäfern zu helfen, im Jagdrevier der Wölfin von Ohrdruf einen Festpferch für den Schutz von Schafen in der Nacht einweihen.

„Das wusste ich gar nicht“, sagte Ingelmann vom Schafzüchterverband. „Hoffentlich kommt es nicht zur Verschleppung von Tierkrankheiten.“

Das könnte Sie auch interessieren:

Biss zum Morgengrauen: Der Wolf erregt die Gemüter – wieder einmal

Zum Wolfsdossier

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Kommentare sind für diesen Artikel deaktiviert.