Von Hopfgarten nach Hohenfelden: Alte Scheune geht auf Wanderschaft

Hopfgarten  Der Abbau einer 140 Jahre alten Scheune auf einem Hof im Grammetal läuft. Im Freilichtmuseum soll das Gebäude von 1875 wieder auferstehen.

René Wiesel (r.) und Praktikant Robert Kanzler von der Klettbacher Firma Bennert waren gestern beim Abbau in Aktion. Foto: Hannsjörg Schumann

René Wiesel (r.) und Praktikant Robert Kanzler von der Klettbacher Firma Bennert waren gestern beim Abbau in Aktion. Foto: Hannsjörg Schumann

Foto: zgt

Eine 140 Jahre alte Scheune zieht um, vom Grammetal in den Westkreis: Bis zum 24. Juni, dem Freitag der kommenden Woche, sollen Arbeiter der Firma Bennert drei Viertel des Bauwerkes an der Alten Schulstraße in Hopfgarten abgetragen haben. Die Balken und Steine bringen sie nach Hohenfelden, wo sie am Südhang des Eichenbergs zwischengelagert werden. Denn in einem bis zwei Jahren soll die Scheune dort wieder auferstehen, als ein wichtiger Teil des Thüringer Freilichtmuseums.

Die bisherigen Eigentümer der Scheune sind mit dieser Lösung glücklich: "Die Kosten zur Erhaltung wären für uns einfach nicht tragbar gewesen", bekennt Martin Linsenbarth. Der knapp 32-Jährige, der als Projektmanager im MDC-Motorenwerk in Kölleda arbeitet, und seine Frau Anja, die für ein Frankfurter Pharma-Unternehmen tätig ist, haben schon rund 90 000 Euro in die Sanierung des alten Hofes gesteckt. Das Grundstück misst stolze 4118 Quadratmeter, es ist der größte Dreiseitenhof in Hopfgarten und steht deshalb seit den frühen 90er-Jahren unter Denkmalschutz.

Die alte Scheune war ursprünglich 37 Meter lang, 11,5 Meter breit und 11,3 Meter hoch. "Allein wenn man die riesige Dachfläche sieht, war eine Sanierung für uns nicht finanzierbar", so Linsenbarth. "Wir haben schließlich noch drei andere Gebäude auf dem Hof." 2014 beantragten die Eheleute deshalb beim Denkmalpflegeamt des Landkreises eine Abbruch-Genehmigung. Die Behörde schlug ihnen daraufhin vor, Kontakt zum Freilichtmuseum Hohenfelden zu suchen.

Museum begeistert: Wir wollen diese Scheune

Dort mussten sie nicht lange Überzeugungsarbeit leisten. Museumsleiterin Franziska Zschäck und der Museumsbeirat waren sich schnell einig: Wir wollen diese Scheune. Das 1875 errichtete Gebäude sei "ein typisches Beispiel für die Bautätigkeit in dieser Zeit, als überall auf den Dörfern große Scheunen für große Mengen Bergegut entstanden", schwärmt Zschäck. Außerdem passt ein Gebäude dieser Größe perfekt in ihre Planungen. In den Bansen, den einstigen Lagerräumen für Stroh und Getreide, sieht sie den perfekten Platz, um die Landtechnik-Sammlung des Museums, die bisher noch in einem Hohenfeldener Depot schlummert, endlich öffentlich zu machen. Die Tennen der Scheune will sie möglichst frei halten, damit sie bei schlechtem Wetter als Ausweich-Ort für größere Veranstaltungen bereitstehen.

Die Scheunen-Bestandteile werden mit einem Blechdach und Bauzäunen vor der Witterung und Störenfrieden geschützt. Noch sind sie nicht komplett: Der Abbau passiert in drei Abschnitten von Süden nach Norden. Der zweite Abschnitt endet, wie erwähnt, nächste Woche, der dritte folgt im kommenden Jahr. Das Freilichtmuseum trägt alle Kosten und bekommt dafür Fördermittel vom Freistaat, die zeitlich gestaffelt fließen. Allein der Abbau koste rund 70 000 Euro, so Franziska Zschäck – für den Wiederaufbau veranschlagt sie noch einmal ungefähr dieselbe Summe. Den Platz haben sie und ihr Team schon ausgewählt – es ist die Ecke an der Bus-Wendeschleife des Eichenberges.

Im letzten Viertel der Scheune, das noch in Hopfgarten steht, lagert übrigens ein Nachbar der Linsenbarths ebenfalls eine Sammlung alter Landmaschinen. Die braucht dann spätestens im nächsten Jahr ein neues Quartier – die Hohenfeldener haben daran keinen Bedarf.

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