Weimarer Musikstudentin erobert die großen Bühnen mit Rapper Marteria

Weimar  Madeleine Rauch hat noch vor kurzem in Weimar Gesang studiert – jetzt gibt sie Konzerte an der Seite von Marteria.

Fast verloren wirkt die Sängerin auf der riesigen Bühne, wenn sie mit Rapper Marteria vor Menschenmassen auftritt.

Fast verloren wirkt die Sängerin auf der riesigen Bühne, wenn sie mit Rapper Marteria vor Menschenmassen auftritt.

Foto: Chris Schwarz

Es ist noch gar nicht so lange her, da spazierte Madeleine Rauch durch den Weimarer Ilmpark, saß in Cafés wie dem ACC oder traf sich spontan mit Freunden zu Jam-Sessions in Clubs – inzwischen aber ist sie auf großen Bühnen zuhause. Auf den ganz großen Bühnen: Denn die gebürtige Freiburgerin, die an der Weimarer Musikhochschule Gesang studiert hat, ist seit anderthalb Jahren als Sängerin mit Marteria unterwegs, einem der erfolgreichsten Rap-Künstler Deutschlands. Allein bei einem Konzert im Ostseestadion Rostock trat Madeleine Rauch vor wenigen Wochen an der Seite von Marteria vor 32.000 Menschen auf – und bei riesigen Festivals wie „Lollapalooza“ oder „SonneMondSterne“ vor weiteren Hunderttausenden von Fans.

Das hätte sich die 28-Jährige, für die angesichts der geringen Aufnahmequote an deutschen Musikhochschulen schon der Studienplatz in Weimar so etwas wie ein Lottogewinn war, nie träumen lassen. „Naja, geträumt habe ich davon schon, aber dass es wirklich passiert, hätte ich einfach nicht geglaubt“, korrigiert sie lachend. Dabei hatte sie auch schon davor etliche Auftritte, die sie „aufregend“ fand, die meisten, noch dazu sehr erfolgreichen mit ihrer Smoke-and-Soul-Band – Madeleine Rauch denkt zum Beispiel an jenen beim Opernball am Deutschen Nationaltheater zurück.

Aber dass sie als RnB-, Soul- und Jazz-Sängerin sofort in die erste Liga katapultiert würde, nein, das war dann doch nicht abzusehen.

Sie ist froh, dass sie in Weimar war

Wie so oft im Leben war der Zufall im Spiel, als der Deutschrapper sie engagierte: Madeleine Rauch kennt den Bassisten von Miss Platnum, die zusammen mit Marteria den Mega-Hit „Lila Wolken“ hatte – und als Miss Platnum auf der Suche nach einer neuen Sängerin für Marteria war, rief sie kurzerhand Madeleine Rauch an und lud sie zu einer Probe mit den anderen Sängern ein. Von da an war sie dabei.

Madeleine Rauch ist sich sicher, dass die profunde Ausbildung, die sie in Weimar genoss, dazu ganz entscheidend mit beigetragen hat. Professoren wie Jeff Cascaro, der unter anderem schon bei Stefan Raab auftrat und Coach bei „Deutschland sucht den Superstar“ war, oder Michael Schiefel haben ihr geholfen, ihre soulige, etwas rauchige Stimme behutsam zu entwickeln. „Ich bin froh, dass ich in Weimar war“, sagt die junge Sängerin. „Es war toll, wir waren da wie eine kleine Familie.“

„Total lieb“ sei sie aber auch von Marteria und Kollegen aufgenommen worden. Rapper pflegen zwar gern ein hartes Image, doch das hat eben oft nicht viel mit dem Menschen hinter dem Künstler zu tun: „Es war sofort ein sehr herzliches Miteinander“, sagt Madeleine Rauch.

Neben den Touren schreibt sie eigene Songs

Die Erfahrung, vor vielen Tausenden von Menschen zu singen, sei für sie „surreal“: „Am Anfang habe ich mich so darauf konzentriert, gut zu performen, dass ich die Menge ausgeblendet habe. Aber irgendwann wird man lockerer und schafft es, das Publikum wahrzunehmen.“ Längst kann sie das genießen: Menschenmassen bis zum Horizont, die mitsingen und -tanzen, den Applaus, das Licht aus vielen Scheinwerfern. „Manchmal habe ich dann ein totales High – so sehr freue ich mich über das alles“, sagt sie.

Um auf Tour fit zu bleiben, eine lange Festival-Saison stimmlich und körperlich gut zu überstehen, versucht Madeleine Rauch viel zu schlafen – ob im Nightliner, der die Künstler von einem Veranstaltungsort zum anderen bringt, oder in Hotels. Auch ein Mittagsschläfchen legt sie, wenn es gerade passt, ganz gerne ein. „Außerdem trinke ich viel Tee und bin auch nie ohne jede Menge Hals- und Nasensprays unterwegs“, sagt sie schmunzelnd. Und dass sie nicht raucht, auch verrauchte Kneipen meidet, sei ja sowieso klar. Das Tourleben, sagt Madeleine Rauch, sei in gewisser Weise schon anstrengend, aber es mache vor allem sehr viel Spaß.

Im Moment verbringt Madeleine Rauch, die inzwischen in Berlin lebt, ein paar Tage Urlaub in den USA. Dort trifft sie Freunde, die sie noch aus ihrer Zeit am Berklee College oft Music in Boston kennt, wo sie ein Jahr studiert hat. Daneben aber arbeitet sie in jeder freien Minute an ihrer Solo-Karriere: Madeleine Rauch interpretiert nicht nur Songs beispielsweise von Größen wie Aretha Franklin und Billie Holiday, sie schreibt auch ihre eigenen. Das Leben indes könnte sich für sie gerade keine schönere Geschichte ausgedacht haben.

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