Weltpolitischer Appell auf lokalem Parkett

Nordhausen  Matthias Platzeck nutzt Diskussion zu Russland-Beziehungen in Nordhausen für eine flammende Rede auf den Frieden

Von links: Steffen-Claudio Lemme, Sergej Lochthofen und Matthias Platzeck boten am Montag in Nordhausen einen packenden Polit-Talk.

Von links: Steffen-Claudio Lemme, Sergej Lochthofen und Matthias Platzeck boten am Montag in Nordhausen einen packenden Polit-Talk.

Foto: Peter Cott

„Russland kontrovers diskutiert: Wie erfolgreich sind die Sanktionen?“ Unter diesem Motto verfolgten am Montag über 100 Gäste im Nordhäuser Ratssaal eine Diskussion der Friedrich-Ebert-Stiftung. „Ich bin überwältigt, wie voll der Saal ist“, stellte Moderator Sergej Lochthofen fest. Mit „Sie wissen aber: Wir diskutieren hier nicht die Gebietsreform“, sorgte der frühere TA-Chefredakteur für den ersten Lacher des Abends. Die folgende Debatte geriet jedoch ernst. Matthias Platzeck (SPD), Vorsitzender des Deutsch-Russischen Forums und früherer Ministerpräsident in Brandenburg, sowie der SPD-Bundestagsabgeordnete Steffen-Claudio Lemme widmeten sich den Folgen der Sanktionen, die die EU 2014 infolge der Krim-Annexion verhängt hatte. Zwar habe sich die Stimmung im Bundestag Russland gegenüber unter dem Einfluss der derzeit turbulenten Weltpolitik bereits verbessert, stellte Lemme fest, und würdigte als SPD-Poltiker dabei gar den Einfluss der CSU. Dennoch sei die Situation selten so explosiv gewesen wie heute, hielt Platzeck dem entgegen. „Es gibt keine Marktlücke an Russland-Kritik.“ Zu viele Missverständnisse und kein Agieren auf Augenhöhe verschlechtere die Beziehungen zwischen den Westmächten und Russland immens, so Plat­zeck, der unter dem Beifall des Publikums eine Annäherung an das von Wladimir Putin geführte Land forderte.

Platzecks leidenschaftlichen Friedensappell hielt Lochthofen entgegen, ob die Sanktionen vielleicht keine Wirkung erzielt hätten, weil sie nicht hart genug seien. Ob Russland nicht gar an einer Augenhöhen-Psychose leide. Platzeck wie auch weite Teile der Zuhörer ließen sich in ihrer Meinung aber nicht beirren: „Die Sanktionen wirken in die falsche Richtung! Wir machen es europafeindlichen und nationalistischen Politikern in Russland zu leicht. Annäherung muss sein.“ Das Schlusswort der lebhaften Debatte gehörte dann wieder Lochthofen, der einlenkte, gleichzeitig aber warnte: „Annäherung: ja. Aufpassen aber ebenfalls“, so sein Credo.

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