Weniger Platte, mehr Leben: Nordhausen-Nord wird umgestaltet

Nordhausen  Bis 2023 soll der Stadtteil ein neues Gesicht bekommen. Erster Entwurf wird nun ausgestellt. Bürger sollen mitwirken

Wie sich das Berliner Architekturbüro „Teleinternetcafe“eine Quartiers-Terrasse im sogenannten Stadtloop – einem Rundkurs durch das Viertel – vorstellt, präsentierte Jurymitglied und Architekt Florian Köhl nach der Jurysitzung im Nordhaus.Fotos: Marco Kneise (2)

Wie sich das Berliner Architekturbüro „Teleinternetcafe“eine Quartiers-Terrasse im sogenannten Stadtloop – einem Rundkurs durch das Viertel – vorstellt, präsentierte Jurymitglied und Architekt Florian Köhl nach der Jurysitzung im Nordhaus.Fotos: Marco Kneise (2)

Foto: Marco Kneise (2)

Wer die Stolberger Straße in Richtung Norden fährt, wird Zeuge eines auffälligen architektonischen Übergangs: Überwiegend sanierten Altbauten und hübschen Villen schließen sich hochgeschossige Überbleibsel aus Vorwendezeiten an. Doch das könnte sich bald ändern. Den Plattenbauten von Nordhausen-Nord steht künftig eine städteplanerische Frischzellenkur ins Haus.

Angestoßen wurde die bauliche Verjüngung von der Stadt Nordhausen und der Internationalen Bauausstellung Thüringen (IBA). Im Rahmen der „Klimagerechten Quartiersentwicklung Nordhausen-Nord“ soll in den kommenden Jahren das Potenzial des Viertels besser ausgenutzt, die Wohn- und Lebensqualität deutlich erhöht werden.

Bereits im März hatten Stadtverwaltung und IBA drei Planungsbüros beauftragt, sich eines solchen Stadtumbaus konzeptionell anzunehmen. Am Dienstag fand nun in Nordhausen die Jurysitzung über die drei Rahmenstudien statt. Und der Gewinner steht fest: Die Architekten von „Teleinternetcafe“ aus Berlin konnten sich gegen „De Zwarte Hond“ im niederländischen Groningen sowie „Topothek“, ebenfalls aus Berlin, durchsetzen.

„Ich bin sehr froh, dass wir durch die Entscheidung so schnell im energetischen Stadtumbau weitergekommen sind“, lobte Bürgermeisterin Jutta Krauth (SPD) nach der Sitzung. Das Projekt mit der IBA sei der Stadt sehr wichtig, ebenso wie die Meinungen der Bürger zum Projekt, erklärte Krauth und wies in diesem Zusammenhang auf eine heute beginnende Ausstellung im Nordhaus hin. Hier werden alle drei Konzepte gezeigt. Bürger können sich so ein Bild von den geplanten Veränderungen machen und mit einer Stimmzettelbox aktiv am weiteren Planungsverfahren mitwirken. Ein solches Großprojekt funktioniere schließlich nur ganzheitlich, erklärte Jurymitglied und Architekt Florian Köhl.

IBA-Geschäftsführerin Marta Doehler-Behzadi entschärfte dann jedoch die Sorge vor all- zu extravaganten architektonischen Experimenten. „Die Idee der Berliner Planer hat Nordhausen als Stadt richtig verstanden“, sagte sie. Obwohl die Menschen im Stadtteil sehr zufrieden seien, gebe es einen Umgestaltungsbedarf. Der Wunsch zur Erneuerung und danach, Nordhausen-Nord zukunftsfähig aufzustellen, drücke sich im Credo der Berliner Architekten aus. Sie betitelten ihren Entwurf mit „Mehr Stadt, mehr Landschaft, mehr Siedlung“.

Das markige Motto heißt nichts anderes als, dass dem Quartier demnächst ein Stadtteilzentrum ins Haus stehen könnte. „Ohne jedoch dem eigentlichen Nordhäuser Stadtzentrum zu große Konkurrenz zu machen“, so Doehler-Behzadi. Zudem sehen die Berliner einen Rundweg durch das Viertel vor, der die Einkaufsmöglichkeiten miteinander verbindet und zum Flanieren einlädt.

Auch ein Aldi-Neubau steht auf der Agenda. Aus den großen Garagenhöfen, in denen der IBA-Chefin zufolge meist schon keine Autos mehr stünden, könnten sogenannte „Hobbyhimmel“, also Plätze für Heimwerkerwerkstätten und Freizeitgestaltung werden.

Den besseren Draht zur Landschaft im Norden und Osten des Stadtteils soll ein dichtes Wegenetz gewährleisten. Für all diese Pläne seien teilweise Neubauten nötig, Hochhäuser würden gesenkt, erklärte Doehler-Behzadi, die damit rechnet, das bis 2023 etwas Vorzeigbares entstanden ist. Dafür sollen nun bis zum Herbst die nächsten Schritte abgesteckt werden.

„Ich kann mit das schon sehr gut vorstellen.“ So komme wieder Leben in die Platte, beschied die Bürgermeisterin dem Projekt, während auch die Geschäftsführer der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft (SWG) sowie der Wohnungsbaugenossenschaft Südharz (WBG) ihr Wohlwollen aussprachen. Sie alle hoffen nun auf eine höhere Wohnqualität.

Die Entwürfe werden ab heute bis zum 3. Juli im Begegnungszentrum „Nordhaus“ ausgestellt.

Kommentare sind für diesen Artikel deaktiviert.