Wetterballon mit Kamera über Erfurt

Erfurt  Edith-Stein-Schüler sammeln bei physikalischem Experiment Daten und Bilder in 35 Kilometer Höhe – falls alles klappt

Gleich geht‘s los. Einen Wetterballon schickten 20 Schüler aus den Klassen 7 bis 11 Uhr mit ihren beiden Physiklehrern David Hagedorn und Katharina Krusche gestern vom Klostergarten der Ursulinengen Himmel. Am späten Nachmittag spürten sie ihn in der Nähe von Schweinfurt auf.

Gleich geht‘s los. Einen Wetterballon schickten 20 Schüler aus den Klassen 7 bis 11 Uhr mit ihren beiden Physiklehrern David Hagedorn und Katharina Krusche gestern vom Klostergarten der Ursulinengen Himmel. Am späten Nachmittag spürten sie ihn in der Nähe von Schweinfurt auf.

Foto: Marco Schmidt

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Als es spannend zu werden drohte, ging der frisch erworbenen Heliumflasche vorfristig das Gas aus. Der Wetterballon war noch nicht einmal zur Hälfte gefüllt.

„Achtung Wetterexperiment!“ und eine Telefonnummer stehen auf der Styroporkiste mit Messgeräten, Sonden, Kamera, ein paar guten Wünschen und einem Foto, die der Ballon tragen sollte.

Im Klostergarten der Ursulinen – mitten in der Altstadt – schickten 20 Schüler der Edith-Stein-Schule und zwei Physiklehrer gestern einen Wetterballon auf die Reise. Nachdem zuvor alle Hindernisse umschifft waren. Die leere Heliumflasche sollte nicht das einzige bleiben.

„Wir haben ein Zeitfenster vorgegeben“, bangte Physiklehrer David Hagedorn, nachdem der Ballon nicht wie geplant halb zwölf gen Himmel stieg. Genehmigungen mussten vorher beim Luft- und Raumfahrtamt und der Deutschen Luftsicherung eingeholt werden. Unmittelbar vor dem Start sollte noch der Tower vom hiesigen Flughafen sein Okay geben. Der Verkäufer der fast leeren Heliumflasche war nicht greifbar. Nach einigem Telefonieren war klar, das Geschäft „Ballonidee“ in der Paul­straße hilft aus der Patsche. Physiklehrerin Katharina Krusche sprang ins Auto und kam mit einer Flasche zurück.

Diesmal füllte sich der Ballon schnell. Das Anbringen des Fallschirms, der die angehängte Fracht nach dem Platzen des Ballons sanft landen lässt, und das Testen der Technik brauchten etwas Zeit. Kein Problem. Der Mann vom Tower hatte angewiesen, noch ein Flugzeug durchzulassen und auf seinen Anruf zu warten. 12.33 Uhr war alles angebracht und die Schüler ließen los. – Doch die Last war zu schwer oder der Ballon nicht genügend aufgepumpt, wie man es nimmt.

Neuer Versuch: Die mit Panzerklebeband gut gesicherte Montage musste noch einmal auseinandergefummelt und Helium nachgefüllt werden. Zwischendurch ein Anruf vom Tower: „Wo bleibt denn euer Ballon?“ Knapp zwanzig Minuten später der nächste Versuch nach dem neuerlichen Okay.

Um 12.52 Uhr klappte alles. Bei Schülern und Lehrern fiel die Anspannung ab, als der Wetterballon immer höher stieg und zwischen den Wolken und vor dem Hintergrund der Sonne verschwand. Bilder von der Kamera oder Messdaten gibt es erst, wenn der Ballon geborgen und die Daten ausgelesen sind. Theoretische Berechnungen, die Wetterdienstmeldungen und angekündigten Windgeschwindigkeiten ließen erwarten, dass der Ballon irgendwo auf der Linie zwischen Würzburg und Sindelfingen niedergeht. Über dem Ursulinengarten zog er aber erst einmal ostwärts, bevor im Bogen nach Süden abdrehte. Für die Lehrer und ihr Projektteam blieb es spannend, auch als der Aufstieg geglückt war. So weit wie berechnet musste die Truppe von acht Schülern und zwei Lehrern dem Ballon nicht hinterherfahren, aber die Richtung stimmte. Das Signal lotste sie am späten Nachmittag zu einem Feld in der Nähe von Schweinfurt.

Das Foto in der Kiste zeigte übrigens die Edith-Stein-Schüler beim Formen einer 25, von oben aufgenommen. In diesem Schuljahr beging das katholische Gymnasium mit Regelschulteil sein 25-jähriges Bestehen. Davon sollte ein eventuell fremder Finder erfahren.

In der letzten Woche jedes Schuljahres sind an der Schule Projekttage angesagt. Die Angebote reichen vom täglichen Kochen eines Drei-Gang-Menüs über gemeinsames Pilgern, Skat und Schach spielen bis zum Kreieren einer Zaubershow. Im Jubiläumsjahr durfte es auch aufwendiger sein. Denn einen Wetterballon steigen zu lassen, ist nicht nur aufwendig, sondern auch kostspielig. Der Förderverein unterstützte das Projekt sehr großzügig. Ballon und technisches Equipment hatte Lehrer Hagedorn online erworben. Wenn es viele Messdaten gibt, werden sie auch im künftigen naturwissenschaftlichen Unterricht von Belang sein.

Wo die Ballonfahrt wirklich endete und ob die Bergung kompliziert war, kann heute an dieser Stelle nicht vermeldet werden. Wir bleiben dran.

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