Wo sich Wolf und Bär in Thüringen gute Nacht sagen

Worbis  Worbis bereitet sich auf die Ankunft von sechs Hybridwölfen vor. Ob die wirklich kommen, ist noch ungewiss.

Wölfe und Bären leben in den riesigen Gehegen friedlich nebeneinander. Und auch die Thüringer Wolfshybriden sollen auf dem Areal in Worbis eine neue Heimat finden – vorausgesetzt, man fängt die Tiere auch ein. Sonst droht ihnen der Abschuss. Fotos: Eckhard Jüngel

Wölfe und Bären leben in den riesigen Gehegen friedlich nebeneinander. Und auch die Thüringer Wolfshybriden sollen auf dem Areal in Worbis eine neue Heimat finden – vorausgesetzt, man fängt die Tiere auch ein. Sonst droht ihnen der Abschuss. Fotos: Eckhard Jüngel

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Fütterungszeit. In hohem Bogen fliegen Leckerlis in das Gehege. Wolf und Bär gleichermaßen verfolgen das Spektakel in respektvollem Abstand. Die Äpfel kullern den Hang hinab, direkt in die Tatzen von Max. Die Hundepellets bleiben erst einmal unbeachtet im Laub liegen. Später wird sie sich das Wolfsrudel holen.

Im Alternativen Bärenpark in Worbis besteht seit vielen Jahren eine friedliche Koexistenz – zwischen Wolf und Bär. Und beide Arten profitieren von der unmittelbaren Nähe zueinander. „Es ist eine Situation wie in der Natur, deshalb bleiben die Instinkte der Tiere erhalten“, erklärt Parkleiter Ralf Wettengel. Beide Raubtiere hätten gehörigen Respekt voreinander, vermutlich auch, weil der eine stärker und der andere flinker ist.

In Worbis an der Duderstädter Allee rüstet man sich derzeit für die Ankunft einer ganz besonderen Gästeschar – den Thüringer Hybriden. Die sechs Tiere, nicht Hund, nicht Wolf, hatten jüngst die Emotionen im Freistaat hochkochen lassen. Mit dem Einzug in den Bärenpark soll das vergessen sein.

Wettengel ist ein eher unaufgeregter Mensch. Für die aufgeladene Diskussion um die Hybriden hat er nur ein Schulterzucken übrig. „Wir müssen halt lernen, mit solchen Tieren zu leben“, ist der 55-Jährige überzeugt. Denn mit dem weiteren Anwachsen der Wolfs-Population in Deutschland wird es auch häufiger zu solchen Liebeleien zwischen Raub- und Haustier kommen. „Wir brauchen aber keine fanatischen Wolfskuschler, wir brauchen Respekt vor den Kreaturen.“

Männliche Tiere werden sterilisiert

Nach geltenden Regeln müssen die Hybrid-Nachkommen aus der Natur verschwinden. Im Fall der Thüringer Mischlinge hatte die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf sogar einen Abschuss empfohlen. Doch nach heftiger Kritik entschied sich das Thüringer Umweltministerium, den Tieren das Leben zu schenken.

Das sächsische Wolfsinstitut „Lupus“ soll nun die Rückzugsorte der Tiere aufspüren und sie einfangen. „Für den Transport haben wir unsere Hilfe angeboten“, so Wettengel. Vorausgesetzt, die Tiere tappen auch in die Schlingfallen, die man ihnen stellen will. „Ein schwieriges Unterfangen.“

Die 15 Mitarbeiter im Bärenpark verfügen über umfangreiche Erfahrungen im Umgang mit Wölfen. „Unsere bisherigen Tiere stammen aber aus Gefangenschaft – mit Hybriden aus freier Wildbahn betreten auch wir absolutes Neuland.“

Im bisher einzigen ähnlich gelagerten Fall aus dem Jahr 2004 in Sachsen wurden zwei Hybridwölfe in der Gefangenschaft derart gestresst, dass sie qualvoll starben. „Sollten bei uns eines der Tiere leiden, dann würden wir es einschläfern“, erklärt Wettengel ohne Umschweife.

Doch erst einmal geht man davon aus, dass die sächsischen Fänger ihr Handwerk verstehen. In Worbis wartet dann auf die Hybriden ein 1,5 Hektar großes Areal plus ein 1500 Quadratmeter großes Rückzugsgebiet. Die männlichen Tiere werden bei ihrer Ankunft sterilisiert.

„Ein Ausbruch ist fast unmöglich“

Ein perfekter Ort. Das Gelände ist leicht ansteigend, große Bäume und dichtes Gestrüpp bieten jede Menge Deckung. Ein kleiner Teich liegt versteckt zwischen Laubbergen. „Für uns steht das Wohl der Wölfe immer im Vordergrund, wenn sie Ruhe brauchen, dann bekommen sie diese auch“, erklärt der Parkchef. Nur ein Drittel der Anlage sei von den Besuchern direkt einsehbar. „Das neue Rudel wird auch keinen direkten Kontakt mit den vorhandenen Wölfen haben – denn die Tiere würden sich gegenseitig angehen.“

Auch beim Thema Sicherheit gibt es keine Kompromisse. Ein vier Meter hoher Zaun verhindert, dass die Jungwölfe ausbüxen. Zusätzlich gibt es Stromdrähte, die mit 10 000 Volt aufgeladen sind. „Ein Ausbruch ist fast unmöglich“, ist der Parkchef überzeugt.

Für sein spontanes Engagement erhält der Worbiser Park, der zur „Stiftung für Bären“ gehört, finanzielle Unterstützung. Schließlich fallen einige Investitionen für das Areal und die Sicherheit an. Und die zusätzlichen Wolfsmäuler müssen ebenfalls gestopft werden. Pro Woche verspeist Canis Lupus rund 20 Kilogramm Fleisch. Mit Vorliebe Kälber.

Bleibt zu hoffen, dass das Ohrdrufer Muttertier nicht wieder seine Liebe zu einem streunenden Hund entdeckt. Denn mit den sechs Hybriden ist der Alternative Bärenpark Worbis erst einmal ausgebucht. „Aber wir als Stiftung haben eine Option auf eine Flächenerweiterung“, verrät Wettengel zum Abschied.

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