Wolf attackiert Schafherde im Ilm-Kreis – bereits fünf Mal ist Halter betroffen

Espenfeld  Auf einer Weide zwischen Siegelbach und Espenfeld (Ilm-Kreis) hat erneut der Wolf zugeschlagen. Diesmal starben sechs Schafe. Der Schäfer musste diesen Anblick schon zum fünften Mal ertragen.

Diesmal fielen sechs trächtige Mutterschafe dem Wolf zum Opfer.

Diesmal fielen sechs trächtige Mutterschafe dem Wolf zum Opfer.

Foto: Britt Mandler

Sanft streift eine Sommerbrise über die Buschlandschaft in Sichtweite des Espenfelder Denkmals. Doch idyllisch ist die Szenerie nicht: Inmitten der halb abgegrasten Wiese liegen vier Schafe, die Augen erloschen, teils komplett ausgeweidet, zum Teil von Bisswunden übersät. Innereien hängen aus den Bäuchen.

Der Espenfelder Schäfer, dessen fast hundert Tiere fassende Herde hier seit einigen Wochen unbehelligt stand, musste diesen Anblick schon zum fünften Mal ertragen. In der Nacht zum Samstag schlug der Wolf erneut zu – so wie zuvor schon bei Gossel, direkt an seinem Stall in Espenfeld und in Wölfis.

Diesmal fielen sechs trächtige Mutterschafe dem Wolf zum Opfer. Zwei der Tiere fand der Schäfer schwer verletzt. Sie überlebten den Transport zurück in den Stall nicht.

Wie in solchen Fällen üblich, wurde ein Rissgutachter hinzugezogen. Auf den ersten Blick schien die Attacke tatsächlich auf Wölfe zurückzugehen. Dass es ein Einzeltier war, glaubt der Gutachter indes nicht. Dann wären nicht sechs Schafe getötet worden. Entnommene Proben werden nun analysiert – um herauszufinden, welcher Wolf (oder Wolfshybrid) zugebissen hat. Und um den Schäfer seitens des Landes zu entschädigen.

Ganz so schnell und unkompliziert, wie es das Land verspricht, erfolgt die Entschädigung aber nicht, so die traurige Erfahrung des Schäfers. Bislang musste er in der Regel monatelang auf die Überweisung warten. Zudem ersetzen die Zahlungen den tatsächlich entstandenen Schaden nicht. Das tote Tier wird zwar bezahlt. Doch erleidet der Schäfer weitere Verluste, weil die Lämmer der tragenden Schafe nicht zur Welt kommen. Andere Tiere in der Herde, die das Gemetzel mit ansehen mussten, sind traumatisiert. Mitunter sind Früh- und Totgeburten die Folge – Schäden, für die kein Freistaat aufkommt.

Mittlerweile macht sich der Betroffene Sorgen um seinen Berufsstand. Gehe das so weiter, könnten nur noch Schäfer mit Großherden überleben – die wiederum kleinflächige Buschlandschaften, die sich wie bei Espenfeld zwischen die Felder schmiegen, nicht beweiden können. Früher oder später, befürchtet er, mache sich das auch in der Landschaft bemerkbar. Die aus Schafmangel weiter verbusche oder eben maschinell freigeschlagen werde.

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