Wolfgang Spickermann im Gespräch mit unserer Zeitung

Am Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt ist ein Disput um den angedachten Umzug, das Profil und die Präsenz der Einrichtung entbrannt. Mit dem Interimsleiter und Professor für Religionswissenschaften Wolfgang Spickermann (52) sprach Angelika Reiser-Fischer.

Am Wochenende wurde Streit zwischen dem Max-Weber-Kolleg und der Universitätsleitung öffentlich. Dabei ging es um Umzug des Kollegs auf den Campus. Ist es ausgestanden?

Nein. Im Grunde geht es dabei auch um etwas anderes: um unsere Eigenständigkeit als selbstverwaltete Einrichtung. Diese zu erhalten ist unsere Hauptforderung.

Redet man miteinander?

Ja, erst in dieser Woche gab es Kontakte der Leitung des Kollegs unter anderem mit dem Präsidenten der Universität. Ich denke, wir sind auf gutem Weg.

Wieso steht die Eigenständigkeit des Max-Weber-Kollegs überhaupt zur Debatte?

Nach dem Weggang des bisherigen Leiters des Kollegs Hans Joas gab es maßgebliche Stimmen in der Universität, uns unseren Status als selbstverwaltete Einrichtung zu nehmen. Aber das funktioniert so nicht.

Was hieße die Aufgabe der Eigenständigkeit konkret?

Vor allem würden wir den Status eines Institutes erhalten, welches jederzeit aufgelöst werden kann, und damit das Promotionsrecht verlieren. Gerade dieses macht aber unser besonderes Profil als Wisenschaftszentrum in Verbindung mit dem Graduiertenkolleg aus. Wir brauchen Schutz durch die Grundordnung der Universität. Bei uns gibt es interdisziplinäre Forschungen und damit interdisziplinäre Promotionen. Das ist etwas anderes als Forschung und Promotion an einer Fakultät. Und das hatten die Väter des Kollegs auch so gedacht.

Die Universitätsleitung argumentiert, dass die Nähe zum Campus Vorteile brächte, so eine einfachere Bibliotheksbenutzung. Überzeugt das nicht?

Der Rat des Kollegs hat einen Umzugs bereits einstimmig abgelehnt. Unsere Büros wurden teilweise erst 2008 renoviert. Wir haben einen Hörsaal, den wir uns mit den Kunst-Kollegen teilen. Das funktioniert gut. Ohnehin sollten wir nach diesen Plänen nicht direkt auf den Campus ziehen, sondern in Gebäude auf dem Gelände des Helios-Klinikums. Ich denke vielmehr, dass es großes Interesse daran geben sollte, die Verbindung zwischen der Stadt und der Universität in der City zu zeigen - unter anderem mit unserem Standort Am Hügel. Zumal wir stets Wissenschaftler und Kollegiaten aus etwa zehn Ländern bei uns haben. Und die sollten in der Stadt präsent sein.

Gibt es vielleicht Probleme mit der Immobilie?

Sie gehört dem Land. Das dürfte kein Grund für das Drängen der Universitätsleitung sein.

Ein Streit zwischen Max-Weber-Kolleg und Uni lässt aber aufhorchen. Schließlich gehören Sie zur Universität.

Wir sind Teil der Universität, dazu stehen wir. Solch öffentlicher Disput macht mich auch in der Tat nicht froh. So etwas sollte man nicht öffentlich austragen. Andererseits haben wir in den vergangenen Tagen viel Solidarität und Interesse zu spüren bekommen, auch durch einen öffentlichen Brief an Universitätsleitung und Kultusministerium, den rund 200 Wissenschaftler unterschrieben.

Nun sind Sie ja nur Interimschef . . .

. . . und das macht die ganze Sache nicht einfacher. Seit 3. Mai 2011 stehe ich jetzt an der Spitze des Max-Weber-Kollegs und bin froh, dass jetzt noch bis 29. Februar die so genannte Findungsfrist für einen Leiter des Kollegs läuft. Die externe Kommission, die den Neuen dann berufen soll, wird noch im März tagen. Ich hoffe, dass noch in diesem Jahr die Wege für einen neuen Kopf an der Spitze des Kollegs geebnet werden. Und ich finde, er sollte dann auch das letzte Wort über solch prinzipielle Überlegungen haben.

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.