Zentralschlachthof in Heiligenstadt meldet Insolvenz an

Heiligenstadt  Ziel ist die Sanierung des Eichsfelder Zentralschlachthof in Heiligenstadt.

Der Eichsfelder Zentralschlachthof.

Foto: Eckhard Jüngel

„Wir sind der Grundwarenlieferant für die Warmverarbeitung“, sagt Geschäftsführer Michael Wagner von der Eichsfelder Zentralschlachthof GmbH. „Das ist und bleibt unsere Kernkompetenz“, sagt Michael Wagner, der jetzt für das Heiligenstädter Unternehmen Insolvenz beantragt hat – um es zu sanieren.

Beantragt hat Wagner eine Sanierung im sogenannten Insolvenzplanverfahren. Dafür bestellte das Amtsgericht Mühlhausen am vergangenen Montag Kai Dellit zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Der sanierungserfahrene Rechtsanwalt, Partner bei der bundesweit tätigen Kanzlei „hww hermann wienberg wilhelm“ führe den Geschäftsbetrieb uneingeschränkt fort, wie die Kanzlei mitteilt. Wie Michael Wagner dieser Zeitung sagte, ist er zwar weiterhin Geschäftsführer, aber in Abstimmung mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter. Das Insolvenzplanverfahren werde wohl im Dezember oder Januar beginnen. Kai Dellit erklärt das Verfahren auf Anfrage dieser Zeitung so: „Die Gesellschaft wird von ihren Verbindlichkeiten befreit, die Gläubiger erhalten eine Quote und die Gesellschaft wird saniert aus dem Insolvenzverfahren entlassen. Die Übernahme von Anteilen an der Gesellschaft durch Investoren ist hierbei eine Option.“

Die Verarbeitung des noch warmen Schweinefleisches ist die Voraussetzung für die Eichsfelder Wurstspezialitäten. Nachts wird geschlachtet, am frühen Morgen an die Fleischereien ausgeliefert, die das Fleisch sofort verarbeiten. Aber das habe seinen Preis, den immer mehr Kunden nicht zu zahlen bereit seien, sagt Wagner und fügt hinzu, dass der hoch moderne Betrieb beste Qualität liefere. Viele Metzgereien seien wegen Preisdrucks „auf die Niedrigpreis-Schiene aufgesprungen“, würden zunehmend Fleisch von außerhalb beziehen und kalt verarbeiten.

Der Eigenantrag „bleibt ohne Einfluss auf das Tagesgeschäft, der Geschäftsbetrieb läuft uneingeschränkt weiter“, sagt Dellit. Alle Aufträge würden mit der bekannten Qualität, Zuverlässigkeit und termintreu ausgeführt. „Bislang haben sowohl die Kunden als auch die Lieferanten signalisiert, dass sie das Unternehmen weiter begleiten wollen.“ Möglichst schnell soll nach dem Willen von Michael Wagner das Insolvenzplanverfahren durchlaufen werde. Wie Wagner berichtet, soll das Unternehmen nicht nur Verbindlichkeiten loswerden, sondern auch neu aufgestellt werden, um der aktuellen Marktentwicklung besser gerecht zu werden. Und er ist sich schon jetzt sicher: „Die Weichen sind auf Zukunft gestellt.“

Der Eichsfelder Zentralschlachthof schlachtet, zerlegt und vermarktet jährlich rund 90 000 Schweine. Er ist einer der modernsten Schlachthöfe in Thüringen. Bei der Warmauslieferung hält der Schlachthof, wie Kai Dellit betont, die höchsten Standards des Tierschutzes ein und verfügt über eine Zulassung für Bio-Produkte.

„Die Insolvenzantragstellung war notwendig geworden, da das Unternehmen zahlungsunfähig wurde“, so Dellit, weil das Unternehmen unter dem steigenden Preisdruck in der Fleischbranche leide. Und immer mehr Kunden würden sich für die preiswertere Kaltverarbeitung entscheiden, da sie wegen des Preiskampfes im Lebensmitteleinzelhandel unter wachsendem Druck stünden.

Lohnzahlung wird vorerst für drei Monate gesichert

Aktuell hat der Schlachthof etwa 40 Mitarbeiter. Ihre Löhne und Gehälter seien für drei Monate über das Insolvenzgeld durch die Bundesagentur für Arbeit gesichert. Er habe die Vorfinanzierung des Insolvenzgeldes über eine Bank in die Wege gleitet, „damit die Gehälter ohne größere Verzögerungen ausgezahlt werden können“. Kündigungen seien derzeit nicht beabsichtigt. Zurzeit ist laut Wagner der Anteil der Lohnschlachtung erhöht, bei insgesamt etwa 1200 bis 1500 Schweinen pro Woche. In Spitzenzeiten waren es pro Woche bis zu 1800. Geplant sei aber, den Anteil des normalen gewerblichen Geschäftsmodells gegenüber der Dienstleistung wieder zu erhöhen. Wie Kreishandwerksmeister Jürgen Kratzer von Eichsfelder Fleischermeistern hörte, hatte sich in jüngster Zeit deren Zusammenarbeit mit dem Schlachthof bei Organisation und Verteilung schwierig gestaltet. Sie wünschten sich, dass es wieder so wie vorher werde. Seien doch die kurzen Wege sehr wichtig.

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