Zwei Initiativen aus dem Ilmkreis wollen auf die Welterbeliste

Ilmkreis. Gräfenrodaer und Großbreitenbacher gaben ihre Bewerbung beim Land ab. Bratwurstfreunden fehlen noch Unterlagen.

Jana Wollenhaupt ist Fleischermeisterin und würde sich freuen, wenn die Thüringer Wurst ins Welterbe aufgenommen würde. Foto: Christoph Vogel

Jana Wollenhaupt ist Fleischermeisterin und würde sich freuen, wenn die Thüringer Wurst ins Welterbe aufgenommen würde. Foto: Christoph Vogel

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Wenn die alten Gräfenrodaer ins Plaudern kommen, müssen Besucher gehörig die Ohren spitzen. "Graweredersch ist eine ganz eigene Mundart", erklärt Jochen Ehrhardt. Sie hat nur wenig mit dem Mittelthüringischen zu tun. Sie gleicht allerdings auch nicht dem Fränkischen, das jenseits des Rennsteigs gesprochen wird.

Allerdings gibt es in Gräfenroda neben den sprachlichen auch kulturelle Besonderheiten. Ein Teil der Bräuche wird noch gepflegt - in der Region ebenso wie in den USA. Dort fanden im 18. Jahrhundert etliche Bewohner eine neue Heimat.

Geht es nach Jochen Ehrhardt und Karl-Heinz Gran, weiß bald die gesamte Welt über die Gräfenrodaer Besonderheiten Bescheid. Denn sie reichten dieser Tage einen Antrag beim Land ein, damit das "Graweredersch" auf der Liste des immateriellen Weltkulturerbes landet. Ob das Aussichten auf Erfolg hat? "Wir lassen uns überraschen", sagt Jochen Ehrhardt gelassen. Seit Jahren schon forschen er, Gran und andere Einheimische zu diesem Thema, haben alte Schriften gesammelt. Zwei Bücher entstanden und eine Mundart-CD.

Die bei den Recherchen gesammelten Unterlagen sollen die Fachjury überzeugen, die aus den 13 Thüringer Einsendungen zwei Favoriten aussuchen wird. Diese werden an den Bund weitergeleitet, wo erneut ein Auswahlverfahren ansteht. Lediglich zwei deutsche Bewerbungen werden an die Unesco weitergeleitet, die 2016 entscheiden wird, ob diese auf die Welterbeliste kommen oder nicht.

Hoffnungen auf eine gute Bewertung machen sich auch die Mitglieder des Vereins "Olitätenwege im Thüringer Kräutergarten" aus Großbreitenbach. "Wir haben uns nicht mit einer lokalen Tradition oder einem Fest beworben, sondern mit einem Handwerk, das weit über die Region hinaus ausgestrahlt hat", erklärt Vereinschef Heinz Liebermann. Der Verein meldete das laienpharmazeutische Olitätengewerbe im Thüringer Wald an - und das quasi in letzter Minute. "Der Antrag ist schnell ausgefüllt", sagt Liebermann. Allerdings muss mindestens ein Experte ein Empfehlungsschreiben beifügen. Und der sollte nach Möglichkeit keine Berührungspunkte mit dem Antragsteller haben. "Ein solches Gutachten zu bekommen ist gar nicht so einfach", weiß Liebermann. Erst vor wenigen Tagen flatterten dem Verein zwei Empfehlungen ins Haus. Die eine stammt vom Hohenfeldener Museumschef Rüdiger Helmboldt und Oberpharmazierat Christian Jaekel. Das zweite Gutachten stammt von Apotheker Rainer Wildner, der zum Olitätengewerbe in der Region bereits geforscht hat. Beide Briefe erhöhen nun die Chance der Großbreitenbacher, in die engere Auswahl zu kommen.

Ursprünglich hatten auch die Freunde der Thüringer Bratwurst geplant, eine Bewerbung auf den Weg zu bringen. Die Thüringer Wurst, finden sie, die Fleischerinnung Nordthüringen und der Landesinnungsverband, gehört ebenso ins immaterielle Welterbe. Das unterstützten bereits tausende Thüringer mit ihrer Unterschrift. "Uns fehlen aber noch die nötigen Empfehlungsschreiben", erklärte Vereinschef Uwe Keith. Die Bratwurstfreunde wollten nicht riskieren, dass ihr Antrag deshalb ausgesiebt wird. "Uns geht es um die Wurst", sagt Uwe Keith und lacht. Daher verzichten die Bratwurstfreunde lieber auf Schnellschüsse und reichen ihren Antrag in der nächsten Bewerbungsrunde ein.

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