Zwei Nordhäuser auf dem Hindernisweg zur Krim

Nordhausen  Gerald Winkler und sein Enkel erleben eine abenteuerliche Reise, um eigene Familiengeschichte aufzuarbeiten.

Der Nordhäuser Gerald Winkler und sein Enkel Moritz am Ziel ihrer abenteuerlichen Reise auf die Krim zum neuen Friedhof von Sewastopol

Foto: Gerald Winkler

Obwohl das Auswärtige Amt aktuell noch immer dringend von Reisen auf die Krim abrät, hat sich ein Nordhäuser mit seinem Enkel in einer abenteuerlichen Tour auf die Halbinsel am Schwarzen Meer begeben. Gelockt hat Gerald Winkler jedoch nicht das „Abenteuer“, eher die begrenzte Zeitspanne, die dem Mann im 75. Lebensjahr noch bleibt, und der Drang, die eigene Familiengeschichte aufzuarbeiten.

Die Vision hierfür reicht gut vier Jahre zurück, bis zum Referendum 2014, bei dem die Krimbevölkerung über die Zugehörigkeit der Krim abgestimmt hatte. Seither wird sie faktisch von Russland kontrolliert, gehört jedoch völkerrechtlich gesehen zur Ukraine.

Trotz Krim-Krise hat sich Winkler auf die Reise begeben. Sein Ziel: die Kriegsgräberstätte, 20 Kilometer außerhalb der Stadt Sewastopol, die am südwestlichen Rand der Krim liegt. Dort soll Richard Alfred Winkler begraben sein, der Onkel von Gerald Winkler. Doch bis der Nordhäuser den Friedhof erreichte, war es eine lange Reise mit einigen Hindernissen.

Die Probleme begannen gleich auf dem ersten Flug, der verspätet in Wien zwischenlandete. So verpassten Gerald Winkler und sein Enkel Moritz den Anschlussflug nach Krasnodar. Um den Zeitplan dennoch halbwegs einzuhalten, blieb ihnen nur ein Flug über Petersburg. Das Gepäck indes nahm ein anderer Flieger mit, so dass die Nordhäuser es erst drei Tage später in Empfang nehmen konnten.

Eine weitere Überraschung erlebte das Duo beim Verwenden der Geldkarte, die am Automaten verstummte. Eine Sicherheitsmaßnahme der Bank, die erst durch einen Anruf behoben werden konnte.

Auf dem Weg zur Küste lernten Gerald Winkler und sein Enkel Moritz die russische Mentalität kennen. Hotels, die der 74-Jährige so noch nicht erlebt hat, Zeltplätze ohne jegliche Infrastruktur und Essen, wobei man binnen zwei Wochen fünf Kilogramm abnehmen kann, erklärt Winkler schmunzelnd. Dennoch erlebte das Südharzer Duo herrliche Sommertage. Auch Strandbesuche mit Sonnenbrand standen auf dem Programm.

Die Landschaft auf der Krim zeigte sich abwechslungsreich. Von der Steppe führte der Weg vorbei an zahlreichen Sandstränden ins Jaltagebirge mit teils schwindelerregenden Schluchten und Serpentinen, bis die zwei schließlich Sewastopol erreichten.

20 Kilometer außerhalb der Stadt, an einem Berghang inmitten eines Eichenwaldes, fand Gerald Winkler dann endlich den Friedhof und das gute Gefühl, dass er sich nach dieser langen Reise erhofft hatte. Doch es währte nur kurz, denn über alledem schwebte der Stress der Heimreise.

Eine Reise, die der Nordhäuser nicht bereut. „Es waren neue Erfahrungen und Herausforderungen, die mich geerdet haben. Dennoch würde ich es nicht wieder machen, für kein Schmerzensgeld der Welt. Noch einmal möchte ich meine russische Seele nicht strapazieren“, erklärt der 74-jährige Nordhäuser und lächelt zufrieden.

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