Waschen wie zu Omas Zeiten am Eichenberg in Hohenfelden

Hohenfelden  Freilichtmuseum baut im Ferienprogramm auf sauberes Infotainment und kann zudem Minister Hoff begrüßen

Mit Waschbrettern und Kernseife schrubbten die jungen Gäste die Wäsche auf dem Güglebener Hof.

Mit Waschbrettern und Kernseife schrubbten die jungen Gäste die Wäsche auf dem Güglebener Hof.

Foto: Jens Lehnert

Um die große Wäsche zu machen, hätten sich die Hohenfeldener Ahnen wohl nicht gerade den gestrigen Mittag ausgesucht. Zwar sagt man einem Schauer nach, dass er Textilien weich spülen kann. Um sie an der Luft zu trocknen, sind Regenwolken überm Eichenberg aber denkbar ungeeignet.

Trotzdem räumte Dagmar Goike im Thüringer Freilichtmuseum Zinkwannen, Waschbretter, Eimer, Kernseife, eine Wäscheleine und Klammern aus Holz nach draußen. Mitten auf dem Güglebener Hof bereitete sie wie zu Großmutters Zeiten ihren Waschtag vor. Denn der gehört im Hohenfeldener Museum zum Ferienprogramm.

„All-inclusive-Waschmaschinen, wie sie heute üblich sind, gab es damals natürlich noch nicht“, sagt die Museumsmitarbeiterin. Schon am inzwischen längst selbstverständlichen Dreh am Wasserhahn haperte es noch vor gut hundert Jahren im Dorf. Die Hohenfeldener Wasserleitung stammt aus dem Jahr 1914. Davor mussten sich die Einwohner aus privaten und öffentlichen Brunnen versorgen.

Den Luxus, eine Waschküche mit beheizbarem Kessel sein eigen zu nennen, konnte sich seinerzeit auch nicht jeder leisten – und wenn, wurden die Mühen dadurch nicht wirklich geringer. „Allein, den Waschkessel sauber zu halten, konnte eine sehr anstrengende Arbeit sein. Schließlich wurden darin nicht selten auch Pflaumenmus oder nach dem Schlachten Wurst gekocht“, erläuterte Dagmar Goike.

Und schließlich fehlte es bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts an modernen Waschmitteln – 1907 wurde das erste in Deutschland produziert. Um ihre Wäsche nicht nur sauber, sondern auch möglichst blütenweiß zu bekommen, behalfen sich die Ahnen bis dahin mit der bleichenden Kraft der Sonne. Die Hohenfeldener Bleichwiese, auf der die Dorfbewohner ihre Wäsche ausbreiteten, befand sich gleich unterhalb des heutigen Museumsgeländes am Eichenberg.

Nicht nur die technische Seite des Waschens, auch das Rollenverständnis darüber, wer die Hausarbeit übernimmt, hat sich seit Omas Zeiten gewandelt. Gestern etwa versuchte sich in Hohenfelden auch der elfjährige Linus aus Ilmenau im Umgang mit Waschbrett und Seifenstück. Zurzeit ist er bei seinen Großeltern in Stadtilm zu Besuch. Und den Großvater freute es besonders, dass der Enkel am Morgen zu Hause schon beim Geschirrspülen geholfen hatte.

Nicht des Ferien-Waschtages wegen hatte sich gestern prominenter Besuch in Hohenfelden angesagt. Thüringens Kulturminister Benjamin-Immanuel Hoff begann im Freilichtmuseum seine Sommer-Kulturtour – und das mit dem Fahrrad. Gegen 9 Uhr war er in Erfurt losgeradelt. Sein Ziel, um 10 Uhr in Hohenfelden zu sein, verfehlte er allerdings um gut eine halbe Stunde. „Ich habe die Strecke über den Riechheimer Berg etwas unterschätzt“, räumte der Minister ein.

Er kam aber schnell genug wieder zu Puste, um sich mit Leiterin Franziska Zschäck über das Museum, dessen Zukunft und auch die zur Debatte stehende Erweiterung zu unterhalten. Den Nachmittag reservierte sich Hoff unter anderem, um in Hohenfelden die Künstler Hans-Peter Mader und Ulrike Drasdo zu besuchen und später am Stausee den Intendanten des Rudolstädter Theaters, Steffen Mensching, zu treffen.

Zu den Kommentaren