Wegen Vulkanasche: Gefangen auf den Azoren

Zu den Opfern des Flugverbotes gehört auch TA-Redakteur Thomas Becker, der mit seiner Frau eine Urlaubswoche auf den Azoren verbringen und am gestrigen Montag zurückfliegen wollte. Wann er in Deutschland eintreffen wird, war Montagnachmittag noch unklar.

Vom Flugverbot betroffen ist auch TA-Redakteur Thomas Becker. Er schildert seine Erlebnisse auf den Azoren. Foto: ddp

Vom Flugverbot betroffen ist auch TA-Redakteur Thomas Becker. Er schildert seine Erlebnisse auf den Azoren. Foto: ddp

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Ribeirinha. Momentan sitzen wir in unserem Haus in Sao Miguel und blicken bei strahlendem Sonnenschein auf den Atlantik und zerreiben uns den Kopf, wie es nun weitergeht. Dass auch wir von dem Flug-Chaos betroffen sind, wissen wir erst seit Sonntagabend. Bis dahin hatte „Air Berlin“ noch tapfer behauptet, unser Rückflug fände planmäßig statt. Doch gegen 20 Uhr Ortszeit stand dann fest, dass der Flug um 12.35 Uhr nach Nürnberg storniert ist.

Im Internet konnten wir zwar nachlesen, dass jedem Reisenden in unserer Lage eine Hotelübernachtung, zwei Mahlzeiten, Anruf nach Hause und Fax-Möglichkeit vom Veranstalter garantiert wird – aber in unserem Fall ist das anders. Nachdem ich lange vergeblich versucht habe, überhaupt jemanden bei „Air Berlin“ zu erreichen, wurde mir dann gestern Vormittag mitgeteilt, dass es sich schließlich um höhere Gewalt handele. Deshalb empfahlen sie uns, all diese Dinge auf eigene Kosten zu erledigen – und zu warten. Und zwar nicht, bis die Aschewolke das Fliegen überhaupt wieder zulässt, sondern mindestens bis nächsten Montag. Dann fliegt planmäßig die nächste Maschine von Ponta del Gada nach Nürnberg, da kämen wir vielleicht mit.

Aber sicher ist selbst dies nicht, so erfuhr ich von der Pressestelle von „Air Berlin“. Es könne auch sein, dass wir erst in 14 Tagen transportiert werden können. Eine Ersatzmaschine für den ausgefallenen Flug im Laufe der Woche sei jedenfalls nicht geplant.

Dabei haben wir Glück, wir könnten bis Donnerstag in dem Haus bleiben. Aber dann kommen neue Gäste – aus Kanada. Auf dieser Route gibt es bisher kein Flugverbot. Und wir müssten uns etwas anderes suchen. Freie Unterkünfte gibt es zwar, es ist ja Vorsaison. Aber die Ungewissheit, ob es nächsten Montag zurückgehen könnte, hat uns zu der Entscheidung bewogen: Wir probieren andere Wege.

Was tun in einer solchen Situation? Wir haben uns erkundigt und wollen nun versuchen, mit der portugiesischen Fluglinie „Sata“ zunächst nach Lissabon zu fliegen. Der dortige Flughafen ist, wie auch Kanzlerin Angela Merkel erfahren durfte, noch offen. Dann sind wir wenigstens auf dem Festland. Und es besteht Hoffnung, dort in den Zug nach Paris zu kommen und dann weiter nach Deutschland – wahrscheinlich auch per Zug. Ob das klappt und vor allem wann wir wieder zu Hause ankommen, ist derzeit überhaupt nicht absehbar.

Hierzubleiben ist ein Risiko. Abgesehen davon, dass Kosten entstehen, von denen „Air Berlin“ sagt, wir müssten sie selbst tragen, ist das Wetter alles andere als toll. Alle sagen, es sei seit Menschengedenken nicht vorgekommen, dass das Wetter auf den Azoren so schlecht war im April. Wir hatten in der einen Woche vier Tage Regen und Sturm – und das in einem Haus, das auf kühle Temperaturen nicht eingerichtet ist. Den Kamin kann man bei Sturm nicht benutzen, weil dann der ganze Rauch im Haus bleibt. Das haben wir im Selbstversuch erfahren dürfen. Es riecht jetzt noch nach Qualm. Zum Glück hat uns der Vermieter mit Heizgeräten geholfen – sonst hätten wir es bei Temperaturen um 15 Grad nicht ausgehalten. Für Montag war schlechtes Wetter vorausgesagt – und wie zum Hohn scheint endlich die Sonne.

Eine Alternative für die Heimfahrt, so hatte ich gedacht, wäre vielleicht, von Lissabon einen Mietwagen nach Deutschland zu nehmen. Aber die Angebote dazu gehen so bei 1800 Euro los. Wir wollten das Auto doch nicht kaufen...

Andere Urlauber, die wir getroffen haben, sehen die Sache noch entspannt, denn ihr Rückflug ist erst in einer Woche geplant. Wir hoffen natürlich, dass wir vorher zu Hause sind.

Aber man weiß ja nie, was noch für Überraschungen auf uns zu kommen...

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