Weimars berühmter Eiszeitforscher gestorben

Weimar  Prof. Dr. phil. habil. Dr. rer. nat. Hans-Dietrich Kahlke war der Begründer der Weimarer Quartärpaläontologie. Er wurde 92 Jahre alt

Hans-Dietrich Kahlke ist am Montag nach langer Krankheit gestorben. Foto: T. Korn, Senckenberg Weimar

Hans-Dietrich Kahlke ist am Montag nach langer Krankheit gestorben. Foto: T. Korn, Senckenberg Weimar

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Hans-Dietrich Kahlke, der Begründer der Weimarer Quartärpaläontologie, ist am Montag nach langer Krankheit im Alter von 92 Jahren gestorben. Das hat sein Sohn, Prof. Dr. Ralf-Dietrich Kahlke, der Leiter der Abteilung und der Forschungsstation für Quartärpaläontologie in Weimar, gestern auch im Namen der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und der Mitarbeiter der Senckenberg-Forschungsstation mitgeteilt.

Der 1924 in Weimar geborene und aufgewachsene Hans-Dietrich Kahlke studierte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Schon während seines Studiums hatte er eine Stelle am Weimarer Museum für Ur- und Frühgeschichte Thüringens inne. Seine erste Veröffentlichung 1951 behandelt die Entstehung der Riesenhirsche und seine erste Doktorarbeit bereits im Jahr darauf beschreibt die frühmittelpleistozänen Cervidenreste von Süßenborn. Die Erforschung paläarktischer pleistozäner Hirscharten blieb zeitlebens eines seiner wichtigsten Interessen- und Forschungsgebiete.

Grabungen führten bis nach Südostasien

Die frühneolithischen Fundstellen von Sondershausen und Bruchstedt spielten im Leben von Hans-Dietrich Kahlke eine entscheidende Rolle, führte er hier doch seine ersten professionellen Flächengrabungen durch. Während er sich in der Archäologie auf Regionalkulturen konzentrierte, gingen seine paläontologischen Forschungen bald über den mitteleuropäischen Raum hinaus und reichten bis China und Vietnam.

Im Jahr 1954 begannen umfängliche Grabungen in frühmittelpleistozänen Seeablagerungen nahe Voigtstedt (Thüringen). Hans-Dietrich Kahlke gelang es hier erstmals, zahlreiche namhafte Fachvertreter aus Ost und West an der interdisziplinären Auswertung der Funde und Befunde zu beteiligen. 1963 mündeten die Kooperationen im 1. Internationalen Paläontologischen Kolloquium in Weimar. Damit war der Grundstein für eine Serie quartärpaläontologischer „Ost-West-Treffen“ in Weimar gelegt. In diese produktive Zeit fiel auch die auf seine Initiative 1962 erfolgte Gründung des Instituts für Quartärpaläontologie Weimar. Er war zudem Gründungsdirektor und Mitglied der Quartärkommission der Akademie der Wissenschaften der DDR.

Als zum Ende des Jahres 1990, nur wenige Wochen nach der deutschen Wiedervereinigung, das Weimarer Institut für Quartärpaläontologie geschlossen werden sollte, spielte Hans-Dietrich Kahlkes große internationale Reputation eine Schlüsselrolle für dessen Erhalt. Seine berufliche Laufbahn endete 1991. Seit 2000 war er ehrenamtlicher Mitarbeiter der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung.

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