„Lehrer können das kaum abfangen“ - 22 Millionen Euro für „Mutmacher“

Jena.  Lernprobleme, Konflikte zu Hause - Lehrer haben kaum Zeit, all das abzufangen. 22 Millionen Euro für Schulsozialarbeit sollen nun im Haushalt festgeschrieben werden.

Alina Schicketanz (r.) und Janine Apmann sind Sozialarbeiterinnen an der Gemeinschaftsschule in Stadtilm.

Alina Schicketanz (r.) und Janine Apmann sind Sozialarbeiterinnen an der Gemeinschaftsschule in Stadtilm.

Foto: Elena Rauch

Es gibt sie in jeder Schule: Die Stillen, die Unsicheren, die Schüler die schnell überhört, oder die gemobbt werden. „Sie wollten wir besonders in den Blick nehmen“, erklären Janine Apmann und Alina Schicketanz ihr Projekt. Sie sind Sozialarbeiterinnen an der Gemeinschaftsschule in Stadtilm, seit 2015 bieten sie dort Schülern der 5. bis 7. Klasse diese wöchentliche Stunde an. Es geht um Selbst-und Fremdbilder, um Erwartungshaltungen, um Selbstbewusstein.

Das Angebot trifft offensichtlich einen Nerv, wenn sie es bei den Elternabenden zum Schuljahresbeginn vorstellen, ist die Gruppe schnell voll. „MamMut“ heißt ihr Projekt, die beiden jungen Frauen stellten es bei der Jahrestagung der Schulsozialarbeit am Mittwoch vor.

Jede Schule braucht planbare Sozialarbeit

„Demokratische Schulkultur“ war der besondere Fokus, ein weites Feld, das von Mitbestimmung der Schüler bis zu der Frage reicht: Wie gehen wir miteinander um? Und gleichzeitig ein Schulbereich, dessen personellen Lücken in den Schulen von Lehrerverband und Gewerkschaft mit Blick auf die Überlastung der Lehrer immer wieder beklagt werden. Peter Lange, Schulleiter an der Regelschule in Warza beschreibt es so: „Es gibt Schüler, die haben Lernprobleme, Sorgen zu Hause, Konflikte mit anderen. Sie brauchen Aufmerksamkeit, aber Lehrer haben kaum Zeit, das abzufangen.“ Hinzu komme, dass sich Schüler mit ihren Problemen einem Menschen eher öffnen, der nicht im Lehrerzimmer sitzt. Er ist froh, dass es an seiner Schule eine Sozialarbeiterin gibt, aber das haben längst nicht alle.

Aus den Mitteln des 2013 aufgelegten Landesprogramms kann die Schulsozialarbeit an 285 Schulen bestritten werden. Für das laufende Jahr wurde die Summe auf 22,3 Millionen Euro aufgestockt. Die soll, kündigte Bildungsminister Helmut Holter (Linke) an, im Haushalt verstetigt werden. Das Ziel sei eine flächendeckende Schulsozialarbeit. Das wäre auch dringend notwendig, bemerkt Ines Morgenstern, Leiterin von „Orbit“, dem Institut das die Schulsozialarbeit fachlich begleitet. Derzeit bestimmten die Jugendämter, welche Schulen einen Sozialarbeiter bekommen. Oft Schulen, wo Problemlagen besonders auffallen, doch zweifellos braucht jede Schule planbare Sozialarbeit.