Lehrervertreter sind skeptisch gegenüber schneller Schulöffnung

Erfurt.  Thüringer Lehrervertreter stehen einer baldigen Schulöffnung skeptisch gegenüber. Als Voraussetzung fordern sie einen konsequenten Gesundheitsschutz.

In der Frage nach Schulabschlüssen stellt sich die GEW Thüringen hinter die Bundesposition: Keine Prüfungen „auf Teufel komm raus“, wie es GEW-Vorsitzende Marlis Tepe formuliert.

In der Frage nach Schulabschlüssen stellt sich die GEW Thüringen hinter die Bundesposition: Keine Prüfungen „auf Teufel komm raus“, wie es GEW-Vorsitzende Marlis Tepe formuliert.

Foto: Bodo Schackow/dpa (Symbolfoto)

Thüringer Lehrervertreter sehen die Diskussionen um eine baldige schrittweise Schulöffnung mit Skepsis. Bei allen vorstellbaren Szenarien müsse der Gesundheitsschutz von Schülern und Lehrern oberste Priorität haben, macht Rolf Busch, Vorsitzender des Thüringer Lehrerverbandes (tlv), klar. So sieht es auch die Bildungsgewerkschaft GEW. Schulen dürften erst wieder öffnen, wenn die Voraussetzungen erfüllt seien: Von hygienischen Bedingungen wie warmem Wasser in allen genutzten Räumen, genügend Seife und Einweghandtüchern sowie der häufigen Reinigung der Schulen bis hin zu ausreichend großen Räumen und Personal für geteilte Klassen. Schutzausrüstung wie Masken und Handschuhe müssten ebenfalls gestellt werden. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Er zweifle, dass die nötigen Voraussetzungen in den kommenden zehn Tagen zu schaffen sind, bemerkt tlv-Chef Rolf Busch. Allein die Frage, woher das Personal für die notwendige aufwendige Reinigung der Schulräume kommen soll, sei unbeantwortet. Er verweist auch auf offene Haftungsfragen. „Wer achtet auf die Einhaltung von Hygienemaßnahmen, wer auf den Abstand im Schulbus, und wer wird gegebenenfalls haftbar gemacht, wenn es in der Schule trotzdem zu einer Ansteckung kommt“, fragt Busch. Er fürchtet, dass am Ende die Schulen und Träger bei konkreten Entscheidungen auf sich gestellt sein werden.

Müssen Schulen als „Versuchslabore“ herhalten?

Fast jeder fünfte Lehrer sei 60 Jahre und älter, hinzu kämen Kollegen mit Vorerkrankungen. Viele Lehrer machten sich Sorgen, dass die Schulen bei der landesweiten Lockerung der Maßnahmen „als Versuchslabore“ herhalten müssten, so Busch. Für ihn gebe es genügend Gründe, in der Schulfrage jetzt nicht aus Druck heraus zu entscheiden.

In der Frage nach Schulabschlüssen stellt sich die GEW Thüringen hinter die Bundesposition: Keine Prüfungen „auf Teufel komm raus“, wie es GEW-Vorsitzende Marlis Tepe formuliert. Es müsse möglich sein, Abschlüsse und Noten auf Grundlage der im Schuljahr bereits erbrachten Leistungen zu vergeben, einschließlich eines „Corona-Bonus“, also im Zweifel für den Schüler. Darüber müsse es eine Entscheidung der Kultusministerkonferenz geben.

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