Leser fragen – Experten antworten: Für wen wird die Covid-19-Impfung empfohlen?

Erfurt.  Müssen Angestellte im medizinischen Bereich auch mit positivem Coronatest arbeiten? Welchen Zusammenhang gibt es zwischen der Zahl der Tests und den Neuinfektionen? Experten beantworten Fragen unserer Leser.

Eine Virologin untersucht Proben auf das Coronavirus.

Eine Virologin untersucht Proben auf das Coronavirus.

Foto: dpa

Mit den wieder steigenden Zahlen an Corona-Fällen in Thüringen und den verschärften Infektionsschutz-Regelungen in mehreren Landkreisen und kreisfreien Städten ergeben sich auch für viele Leserfragen rund um die Pandemie. Wir beantworten sie zusammen mit Experten. Alle aktuellen Infos im kostenfreien Corona-Liveblog.

Stimmt es, dass Angestellte im medizinischen Bereich zum Dienst erscheinen müssen, obwohl sie positiv auf das Coronavirus getestet wurden und in Quarantäne sein sollten?

Es antwortet Silke Fließ aus dem Gesundheitsministerium: Besteht in einer medizinischen Einrichtung akuter Personalmangel, etwa durch Krankheit oder Quarantäne des Personals, können die Gesundheitsämter unter sorgfältiger Risikoabwägung Ausnahmen von der Quarantäne zulassen, damit die Funktionsfähigkeit der Einrichtung und damit die Betreuung der Patienten sichergestellt werden kann. Dabei sind hohe Schutzmaßnahmen einzuhalten. Grundsätzlich sollten positiv getestete Personen nicht zur Patientenversorgung eingesetzt werden. In absoluten Ausnahmefällen ist die Versorgung ausschließlich von Covid-19-Patienten denkbar. Anhand bestimmter Werte kann im Rahmen einer PCR-Untersuchung recht genau festgestellt werden, ob eine „langzeitpositive“ Person tatsächlich noch infektiös ist oder nicht. Auch auf Grundlage dieser Laborwerte kann ein Gesundheitsamt in solchen Fällen Ausnahmen zulassen.

Wann kommen Corona-Patienten auf die Intensivstation?

Eine neue Leitlinie, die am Montag veröffentlicht wurde, definiert, wann eine stationäre und wann eine intensivmedizinische Betreuung erforderlich ist. „Bei Patienten mit ausgeprägter Atemnot, deutlich erhöhter Atemfrequenz und Abfall der Sauerstoffsättigung ist eine Verlegung auf die Intensivstation angezeigt“, erklärt Christian Karagiannidis von der Lungenklinik Köln-Merheim. Im Verlauf der Covid-19-Erkrankung kann es zu Problemen beim Gasaustausch in der Lunge kommen. „Das Hauptziel der Therapie besteht darin, eine ausreichende Sauerstoffversorgung zu sichern, wofür verschiedene Methoden wie Sauerstofftherapie oder eine Maskenbeatmung zur Verfügung stehen“, ergänzt Michael Pfeifer, Chefarzt in Regensburg und Präsident der Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin. Die Leitlinie regelt, wann welche Form der Atemunterstützung und wann eine Intubation und mechanische Beatmung zum Einsatz kommt. „Die invasive Beatmung und wiederholte Bauchlagerung sind dabei wichtige Elemente“, so Pfeifer.

Für wen wird die Covid-19-Impfung empfohlen?

Dazu erklärt das Robert-Koch-Institut: Sollte ein sicherer und wirksamer Impfstoff verfügbar sein, müssen Wege der Verteilung in der Bevölkerung gefunden werden, die den bestmöglichen Schutz für besonders anfällige Gruppen ermöglichen und gleichzeitig die Weiterverbreitung des Virus möglichst effektiv verhindern. Bei vermutlich eingeschränkter Verfügbarkeit wird der Impfstoff zu Beginn wahrscheinlich Menschen mit einem besonderen Infektionsrisiko, etwa medizinisches Personal, oder Personen mit dem Risiko für einen schweren Verlauf, etwa Patienten mit Grunderkrankungen, angeboten werden. Eine genaue Empfehlung ist noch nicht bekannt. Die Ständige Impfkommission ist auch während der Covid-19-Pandemie mit der Entwicklung von Impfempfehlungen beauftragt. Eine spezielle Arbeitsgruppe arbeitet an Impfstrategien. Dabei wird sie sich unter anderem auf mathematische Modelle stützen, die unter Berücksichtigung aller wichtigen Faktoren den effizientesten Einsatz bei begrenzten Impfstoffressourcen abbilden.

Ich habe in der Zeitung von „aktiv Infizierten“ gelesen. Wie erklärt sich der Begriff?

Die Antwort gibt Susanne Glasmacher vom Robert-Koch-Institut: Der international übliche Begriff „aktive Fälle“ wird im Situationsbericht wie folgt erläutert: „Die aktiven Fälle ergeben sich aus der Zahl der übermittelten Fälle abzüglich der Todesfälle und der geschätzten Zahl der Genesenen.“ Daten darüber, ob ein Patient wieder genesen ist, werden nicht offiziell erhoben. Die Erhebung ist auch nicht gesetzlich vorgesehen. Allerdings kann man zumindest bei den Fällen, bei denen die meisten Angaben ermittelt wurden, die keine schweren Symptome hatten und die nicht in ein Krankenhaus eingewiesen wurden, davon ausgehen, dass sie spätestens nach 14 Tagen wieder genesen sind. Das RKI schätzt die Zahl der Genesenen und stellt sie täglich auf dem RKI-Dashboard und im Situationsbericht zur Verfügung.

Noch mal zusammengefasst: Die Zahl der aktiv Infizierten ergibt sich aus der Gesamtzahl der Infizierten abzüglich der genesenen sowie der gestorbenen Personen.

Schützen die Gesichts-Visiere genauso gut wie die üblichen Mund-Nasen-Masken?

Das Robert-Koch-Institut erklärt dazu: Die Verwendung von Visieren anstelle der Mund-Nase-Bedeckung (MNB) wird von verschiedenen Herstellern beworben, ohne dass Belege für die Äquivalenz dieser Ersatzmaßnahme vorliegen. Die Maske muss richtig über Mund, Nase und Wangen platziert sein und an den Rändern möglichst eng anliegen, um das Vorbeiströmen von Luft an den Seiten zu minimieren.

Zusätzlich wird darauf hingewiesen, dass fest gewebte Stoffe in dem Zusammenhang besser geeignet sind als leicht gewebte Stoffe. Durch das Tragen einer solchen Maske können Geschwindigkeit des Atemstroms oder des Speichel- und Schleim-Tröpfchenauswurfs reduziert werden. Visiere können in der Regel maximal die direkt auf die Scheibe auftretenden Tröpfchen auffangen. Die Verwendung von Visieren kann nach gegenwärtigem Kenntnisstand nicht als Alternative zur MNB angesehen werden. Aktuelle Studien weisen darauf hin, dass die Rückhaltewirkung von Visieren deutlich schlechter ist.

Muss ich wegen Kurzarbeit eine Steuererklärung machen – und eine Nachzahlung fürchten?

Darauf antwortet Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Bundesverbands Lohnsteuerhilfevereine: Ja, Bezieher von Kurzarbeitergeld müssen in der Regel eine Steuererklärung abgeben. Und: Ja, obwohl Kurzarbeitergeld steuerfrei ist, droht unter Umständen eine Steuernachzahlung. Denn durch das Kurzarbeitergeld steigt der Steuersatz und damit die Steuerbelastung für das übrige Einkommen. Bezieht ein Arbeitnehmer für einen gewissen Zeitraum zu 100 Prozent Kurzarbeitergeld, ohne noch stunden- oder tageweise die Woche zu arbeiten, ergibt sich fast immer eine Erstattung. Das Kurzarbeitergeld erhöht nachträglich zwar auch hier den Steuersatz, gleicht aber in der Regel nicht das fehlende Einkommen aus. Der Grund liegt darin, dass in den Monaten mit normaler Beschäftigung zu viel Lohnsteuer einbehalten wird. Anders sieht es aus, wenn beispielsweise nur zu 50 Prozent Kurzarbeitergeld bezogen wird. Wer dann zusätzlich zum Lohn steuerfreie Leistungen bekommt, wird häufig Steuern nachzahlen müssen.

Der Mann meiner Kollegin wurde positiv getestet. Ich habe zwar keine Symptome, bin aber verunsichert – was soll ich tun?

Dazu erklärt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung: Wenn Sie Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus Sars-CoV-2 nachgewiesen wurde, sollten Sie zu Hause bleiben und sich telefonisch an das Gesundheitsamt wenden. Die weiteren Maßnahmen hängen davon ab, wie eng der Kontakt zur infizierten Person war. Für Kontaktpersonen der Kategorie I (15 Minuten enger Kontakt unter 1,5 Metern, direkter Atem-Kontakt durch Küssen, Anniesen oder Anhusten sowie ein längerer Aufenthalt ab 30 Minuten in einer relevanten Konzentration an Aerosolen, etwa bei Feiern oder Sport in Räumen) ordnet das Gesundheitsamt üblicherweise eine Quarantäne an. Zudem wird bei engen Kontaktpersonen, auch wenn sie keine Krankheitszeichen zeigen, ein Corona-Test durchgeführt. Für Kontaktpersonen der Kategorie II (kürzerer Kontakt, korrektes Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes) wird meist keine Quarantäne angeordnet, aber empfohlen, Kontakte zu reduzieren.

Führen vor allem intensivere Corona-Tests zu einer höheren Zahl an gemeldeten Infektionen?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Dass mit mehr Tests zuvor unentdeckte, weil symptomfreie Corona-Erkrankungen verstärkt erkannt werden, bestätigt das Robert-Koch-Institut, betont allerdings: „Das heißt nicht, dass umgekehrt die beobachteten steigenden Fallzahlen nur mit dem vermehrten Testaufkommen zu erklären wären.“ Denn würden mehr Test automatisch auch mehr erkannte Corona-Infektionen bedeuten, müsste seit Juni dieses Jahres die Zahl der Neuinfektionen im Verhältnis zu den Tests ansteigen. Das ist allerdings nur bedingt geschehen. In einigen Wochen wurden trotz intensiverer Tests sogar weniger Neuerkrankungen entdeckt. Andererseits ist die Zahl der Tests seit August bundesweit relativ stabil – und trotzdem erhöhen sich die Corona-Zahlen in Deutschland derzeit rasant.

Die Experten des Robert-Koch-Instituts sehen als Ursache dafür viele kleine Ausbrüche von Infektionen beispielsweise bei Familienfeiern, am Arbeitsplatz, in Gesundheitseinrichtungen oder bei Reiserückkehrern. Steigenden Fallzahlen lassen sich daher nicht allein auf intensivere Tests zurückführen. Diese sind nur einer von vielen Gründen.

Angeblich führt eine Grippeimpfung zu einem positiven Corona-Test und damit zu steigenden Fallzahlen – stimmt das?

Für diese These gibt es keine Belege. Dem Robert-Koch-Institut liegen keine Hinweise vor, dass eine Grippeimpfung das Risiko erhöhe, an Corona zu erkranken. Auch für die Behauptung, dass die aktuellen Corona-Tests positiv reagierten, wenn zuvor jemand gegen Grippe geimpft worden sei, fehlen belastbare Erkenntnisse.

Grippeerreger und das neuartige Coronavirus seien unterschiedliche Viren. Darauf weist das Science Media Center (SMC) gegenüber der Tagesschau hin. Wer gegen Grippe immunisiert wird, werde nicht automatisch für Corona anfälliger. Der zum Nachweis des Coronavirus verwendete PCR-Test sei bei korrekter Anwendung so präzise, dass dieser nicht auf Grippeviren reagiere, heißt es.

Haben auch Sie Fragen? Mailen Sie uns: corona@thueringer-allgemeine.de

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