Leserpost: Offener Brief an Katrin Göring-Eckhardt (Bündnis 90/Die Grünen)

Zum Beitrag "Göring-Eckardt: Bürger sollen Flüchtlinge aufnehmen" in der "Thüringer vom 7. September erreichte ein Brief von Andreas Stricker aus Erfurt unsere Redaktion.

Hallo Frau Katrin Göring-Eckhardt,

aufgrund Ihrer Aufforderung: "Bürger sollen Flüchtlinge aufnehmen" habe ich einen Leserbrief an die "Thüringer Allgemeine" geschrieben. Zu diesem Brief erreichten mich auch Telefonanrufe, die mir zustimmten. Eine dieser Damen hat nach Veröffentlichung des Beitrages gar in Ihrem Büro angerufen. Die Antwort lautete dort wohl, Sie, Frau Katrin Göring-Eckhardt hätten zu wenig Wohnraum, um Flüchtlinge aufzunehmen. Am 12. September steht nun in der "Thüringer Allgemeine", wie Sie selbst mit Ihrem Vorschlag umgehen: "Mir selbst ist das leider nicht möglich, da ich das nicht habe und es fehlt die Zeit der Betreuung." Kennen Sie den alten Spruch "Wasser predigen, Wein trinken?" Sorry, wenn ich sehe (Ihre Homepage), welche großen Mitarbeiterstab Sie haben, da wird sich doch wohl eine Möglichkeit finden, eine ordentliche Betreuungsmöglichkeit zu schaffen. Finanziell dürfte das für Sie wohl kein Problem sein und auch noch von der Kapazität her (Ihre Mitarbeiter können Sie ja gern dabei unterstützen).

Ich finde es – leider parteiübergreifend – SCHADE, dass Politiker (dazu zählen aktuell auch Sie) Dinge von den Bürgern/der Bevölkerung fordern und es selbst nicht tun oder das Gegenteil vorleben. Wenn man solche Äußerungen macht, sollte man sich wahrlich überlegen, kann ich das selbst auch tun? Wenn nicht, dann sollte man lieber ruhig sein oder es anders verkaufen. Solche Dinge sind es, welche die Bürger/Bevölkerung allgemein aufregen. Wenn ich mir so manche Talkshow ansehe, da geht es nur um verkaufen. Handeln wäre besser. Die Problematik der Flüchtlinge sehe ich sehr differenziert. Ich bin weder auf der Pro noch auf der Contra-Seite. Ich versuche, das mit meinen normalen Menschenverstand realistisch zu betrachten. Schlimm ist nur, wenn man seine Meinung sagt, dass man heutzutage den Eindruck hat, man wird in die "dunkle" Ecke gedrängt. Das beunruhigt immer mehr Menschen hier.

Ich spende regelmäßig für Flüchtlinge und werde dies auch weiter tun. Aber ich sage auch, die Kapazitäten sind jetzt wohl erreicht und es muss endlich gehandelt werden. Ein Fehler war es von der Bundeskanzlerin, die Flüchtlinge förmlich hierher einzuladen. Bereits jetzt stoßen die Kommunen an ihre Grenzen, wohl auch die Helfer. Das ist aber ein anderes Thema. Mir ging es nur mal darum aufzuzeigen, dass ich mir wünsche, dass unsere Politiker – auch Sie – mal mit einem guten Beispiel vorangehen. Das täte unserer Gesellschaft und der Glaubwürdigkeit der Politiker gut. Vielleicht bekomme ich ja eine Antwort von Ihnen.

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