TA-Phon: Rechnung einer Erotik-Hotline

Anita Grasse kümmert sich um Geld, das an ein Postfach geschickt werden soll: Ein Leser soll über 100 Euro für erotische Anrufe vom November 2008 zahlen, die er nie getätigt hat.

Lothar P. besitzt ein Handy, aber eines ohne Vertrag. Er hat sich für ein sogenanntes Pre-paid-Handy entschieden, das er jeden Monat mit 15 Euro auflädt. Umso erstaunter war er, als er vor Kurzem eine Rechnung von einem Unternehmen aus Pilsen in Tschechien erhielt. Darin werden ihm Gespräche über 90 Euro aus dem November 2008 in Rechnung gestellt. "Ich wüsste doch aber, wenn ich meine Karte so oft aufgeladen hätte", sagt Herr P. und ignoriert diese erste Rechnung aus dem Juni. Zwei Wochen später flattert ein neues Schreiben ins Haus - diesmal eine Mahnung. Nun geht es bereits um 125 Euro und das Unternehmen wird konkreter: Für das Geld habe Herr P. eine Sexhotline angerufen. Das streitet Lothar P. allerdings vehement ab und glaubt nun, dass ihn eine dubiose Firma abzocken wolle. Dafür spricht auch, dass Herr P. das Geld an ein Postfach schicken soll. "Welche seriöse Firma fordert denn sowas?", fragt er aufgebracht am TA-Phon.

"Keine", lautet die knappe Antwort von Ralf Reichertz von der Verbraucherzentrale Thüringen. Tatsächlich sei die Tatsache, dass das Unternehmen keine richtige Adresse angebe, ein Indiz dafür, dass es sich um einen unseriösen Anbieter handelt. "Wollte man gerichtlich gegen so eine Firma vorgehen, geht das nur mit einer ladungsfähigen Adresse. Das wissen die Unternehmen und geben deshalb keine solche Anschrift heraus", erklärt der Experte.

Zahlen solle Lothar P. auf keinen Fall, einfach ignorieren dürfe er die Sache aber auch nicht weiter, so Reichertz. "Herr P. muss das Unternehmen anschreiben und es zunächst mal auffordern, zu beweisen, dass er die Hotline angerufen hat und dabei ein gültiger Vertrag entstanden ist", sagt der Verbraucherschützer. Genau das sei nämlich anzuzweifeln. "Wenn man nur kurz – also weniger als eine Minute – eine solche Hotline wählt, zum Beispiel, weil man einen entgangenen Anruf auf dem Handy hatte und zurückrief, ist unserer Meinung nach kein Vertrag entstanden." In dieser Zeit habe man nämlich gerade mal per Bandansage erfahren, dass der Spaß Geld kostet und noch keine gültige Willenserklärung abgegeben.

In dem Brief soll Herr P. den Vertrag, den er bestreitet, außerdem gleich auch anfechten und vorsorglich kündigen. Optimal wäre es außerdem, wenn er noch den Einzelverbindungsnachweis für den November 2008 hat und damit belegen könnte, dass er die Hotline nie angerufen oder schon nach kurzer Zeit wieder aufgelegt hat.

Die hohen Summen können übrigens auch mit einem Pre-paid-Handy entstehen, weil man oft ein Paket bucht: So soll man für 90 Euro eine Sex-Hotline beispielsweise 30 Tage lang jederzeit nutzen können.

Von 9 bis 10 Uhr Hilfe am TA-Phon: 361 / 2 27 55 55

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