Nur wenige Frauen in Führungspositionen in Thüringen

Erfurt.  Frauen sind in Führungspositionen des Landes weiterhin unterrepräsentiert. „Die Situation ist nicht akzeptabel“, sagt Linke-Gleichstellungspolitikerin Karola Stange.

Unter den 161 A16-Positionen finden sich den Angaben der Thüringer Staatskanzlei zufolge gerade mal 49 Frauen (Symbolbild).

Unter den 161 A16-Positionen finden sich den Angaben der Thüringer Staatskanzlei zufolge gerade mal 49 Frauen (Symbolbild).

Foto: Soeren Stache / dpa

Nachdem Karola Stange die Daten aus der Staatskanzlei studiert hat, steht ihr Urteil fest. „Natürlich ist diese Situation nicht akzeptabel und die Zahlen zeigen, dass es in den Ministerien, Hochschulen und Behörden hier deutlichen Handlungsbedarf gibt“, sagt die gleichstellungspolitische Sprecherin der Linke-Landtagsfraktion. Das Thüringer Gleichstellungsgesetz bedürfe einer Novellierung, um zum einen verpflichtende Anforderungen an die Verwaltung festzuschreiben und zum anderen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte in die Lage zu versetzen, verbindliche Handlungsoptionen zu haben.

Frauen haben bei Führungsjobs das Nachsehen

Die Statistik der Landesregierung verdeutlicht, dass Frauen, wenn es um gut bezahlte Führungsjobs geht, in den Behörden des Freistaats das Nachsehen haben. Die 161 A16-Stellen, die in den Ministerien in der Regel Referatsleiter bekleiden, sind mit gerade mal 49 Frauen besetzt. Noch schlechter sieht die Quote eine Stufe darüber aus. Die besonders lukrative B-Besoldung (B3 sind stellvertretende Abteilungsleiter, B9 Staatssekretäre) ist ebenfalls überwiegend in Männerhand. 99 Stellen gibt es, 21 davon sind mit Frauen besetzt. In beiden Besoldungsgruppen sind ostdeutsche Frauen in Relation zur Gesamtzahl höher in der Leitungsebene anzutreffen als ihre Kolleginnen aus dem Westen.

Etwas besser sieht das Verhältnis bei den 613 Richtern (darunter 274 Frauen) und den 210 Staatsanwälten (105 Frauen) aus. Bei den Staatsanwälten mit Ostbiografie sind Frauen ausnahmsweise sogar in der Mehrheit (66:48).

Die Polizei wird ihrem Ruf als Männerbastion bei den Chefposten gerecht. Nicht mal ein Drittel ist in weiblicher Hand. Auch hier gibt es mehr Frauen aus dem Osten im Leitungsstab als aus dem Westen.

„Es braucht klare Zielsetzungen, Quoten und Maßnahmen“

„30 Jahre nach der friedlichen Revolution ist die geringe Zahl von Ostdeutschen in Führungspositionen nicht mehr hinnehmbar. Wir brauchen dringend mehr Ostdeutsche und insbesondere mehr ostdeutsche Frauen in Führungsverantwortung. Dabei ist es Aufgabe der Landesregierung, in ihrer Berufungspolitik nachzubessern“, sagt der Gleichstellungspolitiker der CDU-Fraktion, Henry Worm.

Die Landesgleichstellungsbeauftragte Gabi Ohler sieht das ähnlich. „Es bedarf weiterer Anstrengungen, um strukturelle Hürden abzubauen“, sagt sie.

Stange indes macht deutlich, dass mit Lippenbekenntnissen und Freiwilligkeit keine Änderung erfolgen wird. „Es braucht klare Zielsetzungen, Quoten und Maßnahmen zur Personalentwicklung, um den Frauenanteil zu erhöhen“, betont sie.

Mehrere Faktoren spielen eine Rolle

Häufig spielten mehrere Faktoren eine Rolle, meint Ohler: So seien es nach wie vor mehrheitlich die Frauen, die sich neben ihrem Beruf um Kinder kümmern und somit nicht in der gleichen Geschwindigkeit die Karriereleiter hinaufklettern können. Hinzu komme, dass männliche Vorgesetzte häufig männliche Bewerber bevorzugen.

Männer und Frauen seien gleichermaßen gefordert, um die Chancen von Frauen zu verbessern und Verdienstunterschiede auszugleichen, ist Christdemokrat Worm überzeugt.

Ohler, in Mainz geboren und von Dezember 2014 bis März dieses Jahres Bildungsstaatssekretärin in Thüringen, glaubt, dass es für Frauen eher ein Vorteil war, aus der DDR zu sein, „weil sie ganz selbstverständlich einen Beruf ergreifen und Karriere machen konnten, während die Kinder tagsüber betreut waren“.

 

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