Opfer weiter in Angst – Jugendbande treibt in Heiligenstadt ihr Unwesen

Heiligenstadt/Mühlhausen.  Ein 18-Jähriger ist in Heiligenstadt überfallen worden, lebt nun in Angst. Vor der Gerichtsverhandlung erreichen ihn Zettel, auf denen ihm gedroht wird.

Schmierereien im Kurpark in Heiligenstadt gab es in der Vergangenheit immer wieder. Im Sommer 2019 hingegen wurden erstmals zahlreiche Überfälle registriert, die für Aufsehen sorgten. Gegen einen Tatverdächtigen wird am 17. Januar in Mühlhausen verhandelt.

Schmierereien im Kurpark in Heiligenstadt gab es in der Vergangenheit immer wieder. Im Sommer 2019 hingegen wurden erstmals zahlreiche Überfälle registriert, die für Aufsehen sorgten. Gegen einen Tatverdächtigen wird am 17. Januar in Mühlhausen verhandelt.

Foto: Fabian Klaus

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Steven J. * geht nicht mehr alleine vor die Tür. Der 18-Jährige lebt, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet, seit Monaten in Angst. Die Sommerferien im Jahr 2019 haben viel verändert für den jungen Mann - denn er gehört zu den Opfern, die im Heiligenstädter Kurpark überfallen wurden.

Wochenlang hatte eine mutmaßliche Jugendbande dort ihr Unwesen getrieben. Immer wieder musste die Polizei eingreifen. „Smartwatch geraubt“ lautete eine Überschrift über einer Pressemeldung. „Drei Mal Jugendliche beraubt“ eine andere. Die Polizei schien machtlos.

Erst ein Brief von Bürgermeister Thomas Spielmann (Bürgerinitiative) brachte Bewegung in die Sache. Innenminister Georg Maier (SPD) schaltete sich ein, kam sogar ins Eichsfeld, um zu besprechen, wie es weitergehen sollte. Wenig später verkündet die Polizei, dass ein Haftbefehl gegen einen 21-jährigen jungen Mann mit venezolanischen Wurzeln vollstreckt worden sei. Der sitzt seither in Untersuchungshaft.

Er gilt als Kopf der Überfälle im Heiligenstädter Kurpark und soll auch für die Tat verantwortlich sein, die Steven J. widerfahren ist. Deshalb ist S. von der Staatsanwaltschaft angeklagt worden. Gegen ihn wird am 17. Januar am Amtsgericht in Mühlhausen verhandelt. Das bestätigt ein Sprecher des Gerichts auf Nachfrage. Außerdem werden ihm weitere Taten zur Last gelegt. Am schwersten wiegt laut Anklageschrift nach Informationen dieser Zeitung der Tatvorwurf „gemeinschaftlich begangener Raub“.

Auf das Wort „gemeinschaftlich“ kommt es im Fall von Steven J. besonders an. Denn das legt nahe, dass neben dem nun Angeklagten weitere Personen im Spiel gewesen sein könnten. Aus Sicht des Opfers bestehen daran keine Zweifel. „Ich werde bedroht“, sagt er dieser Zeitung und zeigt im Gespräch zum Beweis zwei DIN A4-Zettel. Auf einem steht: „Wenn du bei Gericht irgendwas sagst, dann passiert dir was Schlimmes!!!!!!! Wir wissen, wer du bist und auf welche Schule du gehst. Ich sage es kein zweites mal !!!!“

Vier Monate nach der Attacke im Kurpark, Steven J. wurde zusammengeschlagen und ihm wurde seine Smartwatch geraubt, hat der Jugendliche im November 2019 diesen Zettel erhalten. Er steckte im Briefkasten. „Ich habe nicht geglaubt, dass die Ernst machen“, sagt er im Gespräch.

Hat er sich getäuscht? Wenige Tage nach dem Brief soll der Jugendliche auf dem Heiligenstädter Friedensplatz mit einem Messer attackiert worden sein und eine Stichwunde am Bauch davongetragen haben . „Der Täter hat gesagt, dass das die letzte Warnung ist“, sagt J. Wieder erstattet er Anzeige bei der Polizei und bekommt im Dezember den nächsten Drohbrief. Er zeigt den zweiten Zettel. Darauf steht diesmal nur: „Beim nächsten mal bringen wir dich um!!!!“

Polizei zweifelt an der Version von Steven J.

Dass beide Zettel von ein und der selben Person erstellt worden sind, dafür spricht ihre identische Aufmachung.

In Polizeikreisen werden indes Zweifel an der Version von Steven J. laut. Hat er sich die Angriffe nach dem Raub im Kurpark ausgedacht? Zwischenzeitlich wird sogar kolportiert, er habe alle Anzeigen zurückgezogen. „Das stimmt nicht“, beteuert er auf Anfrage. Aus der Landespolizeiinspektion Nordhausen bleibt eine Anfrage dieser Zeitung mit Verweis auf die Staatsanwaltschaft unbeantwortet. Nach tagelangem Nachfragen an verschiedenen Stellen ist schließlich zu erfahren, dass tatsächlich keine seiner Anzeigen zurückgezogen worden ist. Das schließe aber, heißt es aus Polizeikreisen, dennoch nicht aus, dass an der Version des Geschädigten etwas nicht stimme.

Die Polizei ermittelt nach wie vor wegen der Überfälle im Heiligenstädter Kurpark. Nach der Festnahme des 21-Jährigen, die von der Polizei medienwirksam verkündet wurde, ist es wieder still geworden. Hatte der Haupttäter, der zwar einen deutsch klingenden Namen trägt, aber laut Anklageschrift nur die venezolanische Staatsbürgerschaft haben soll, Komplizen? Die Frage ist bisher unbeantwortet.

Solange das nicht geschieht, wird auch Steven J. weiter Angst haben und sich bei Wegen in die 17.000-Einwohner-Stadt immer von mindestens einem seiner Freunde begleiten lassen. „Alleine geh ich zurzeit nicht mehr raus“, sagt er.

*Name von der Redaktion geändert

Das könnte Sie auch interessieren:

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Kommentare sind für diesen Artikel deaktiviert.