Pisa-Studie: Leistungsabfall und viel Luft zur Spitze

Minister Holter sieht in den Ergebnissen der Pisa-Studie eine Warnung vor Länderegoismen in der Bildung.

Die Ergebnisse der Pisa-Studie attestieren Deutschland einen Leistungsabfall und viel Luft zur Spitze. (Symbolfoto)

Die Ergebnisse der Pisa-Studie attestieren Deutschland einen Leistungsabfall und viel Luft zur Spitze. (Symbolfoto)

Foto: Marijan Murat / dpa

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Erfurt Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) betrachtet die Ergebnisse der aktuellen Pisa-Studie als Warnsignal an diejenigen Bundesländer, die auf Egoismus statt auf Zusammenarbeit in der Bildungspolitik setzen. „Der Wettbewerb zwischen den Ländern muss auf hohem gemeinsamen Bildungsstandards aufbauen, aber die Standards dürfen nicht selbst Teil des Wettbewerbs sein.“

Der internationale Schüler-Vergleichstest Pisa attestiert Deutschland einen Leistungsabfall in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften und einen deutlichen Abstand zur Spitze. Die Analyse verweist auch auf einen nach wie vor engen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg. Die Bildungsgewerkschaft GEW sieht darin eine Aufforderung zum längeren gemeinsamen Lernen, dabei dürften auch Debatten um Schulstrukturen nicht länger tabuisiert werden. Thüringens Lehrerverband mahnte mit Blick auf die Pisa-Ergebnisse die seit Jahren geforderten multiprofessionellen Teams an den Schulen an. Ohne sie und ausreichend Lehrerpersonal sei der Abwärtstrend nicht mehr aufzuhalten, befürchtet der Landesvorsitzende Rolf Busch.

Mangelnden Einsatz digitaler Medien im Unterricht

Die Studie konstatiert auch mangelnden Einsatz digitaler Medien im Unterricht. Das verwundere nicht, so GEW-Landeschefin Kathrin Vitzthum. „Viele Schulen sind auf einem technischen Stand des vorherigen Jahrzehnts.“ Die Gewerkschaft erwartet eine zügige Freigabe der Gelder aus dem Digitalpakt. Damit dürfe sich aber nicht die Arbeitsbelastung der Lehrer noch mehr erhöhen, eine moderne Ausstattung der Schulen müsse mit zusätzlichem Personal und Weiterbildung einhergehen.

Für den Bildungsminister ist der Befund ein Symptom, dass Deutschland generell bei der Digitalisierung hinterherhinkt. Die Bundesregierung habe das Thema über viele Jahre nur halbherzig vorangetrieben. Viele Lehrer würden in ihrem Bemühen um eine stärkere Einbindung digitaler Medien am Fehlen schneller Internetanschlüsse scheitern.

„Schulen werden auf Verschleiß gefahren“, kommentiert Landeselternsprecher Roul Rommeiß die Pisa-Ergebnisse. Sorge bereitet ihm auch der festgestellte Zusammenhang zwischen Schulausstattung und Lernerfolg. Alle Schulen brauchen vernünftige Rahmenbedingungen, so der Elternvertreter mit Blick auf Schulen in sozialen Problemlagen.

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