Episode 3

Freche Fragen: Dicke, schwere Beine im frühen Stadium behandeln

Im Sommer leiden viele Menschen, besonders Frauen, unter „dicken, schweren Beine“. Dr. Reginald Weiß, Chefarzt der Klinik für Angiologie, an der Zentralklinik Bad Berka über Vorbeugung, Diagnose, und Therapien. 

Dr. Reginald Weiß.

Dr. Reginald Weiß.

Dicke, schwere Beine haben verschiedene Ursachen, es können die Venen, das Herz, aber auch Stoffwechselerkrankungen sein – was ist die gefährlichste Ursache?

Das ist nicht einfach zu beantworten. Dicke schwere Beine sind ein Symptom und man muss die Ursache finden. Es gibt die generalisierte Form der Flüssigkeitsansammlung, das betrifft Patienten mit Herz-, Nieren- oder auch Leberinsuffizienz. Es gibt natürlich auch endokrinologische Ursachen, bei manchen Patienten sind bestimmte Medikamente schuld. Klassisch sind auch schwere Beine in der Schwangerschaft. Die zweite Gruppe sind regionale Ödeme und dann gibt es noch vaskuläre Ödeme. Die Ursache muss immer abgeklärt werden.

Gilt auch bei schweren Beinen die LL-Regel, also lieber Liegen und Laufen statt Sitzen oder Stehen?

Ja, das ist immer noch so. Bewegung spielt bei der Therapie eine große Rolle, man muss die Muskelvenenpumpe anregen und das Wasser mit der Venenpumpe abtransportieren.

Helfen die berühmten Stützstrümpfe?

Richtige Kompressionsstrümpfe, die vom Arzt verschrieben werden, sind das Mittel der Wahl, in Kombination mit Bewegungstherapie.

Sind Frauen häufiger betroffen?

Ja, das ist keine gute Nachricht. Die Ödemhäufigkeit ist bei Frauen höher. Das liegt zum einen an der Verteilung des Fettgewebes, Frauen haben hier einen höheren Anteil. Bei der Muskelmasse dagegen liegen Männer vorn. Hinzukommen auch noch hormonelle Gegebenheiten. Das Lipödem z. B. kommt fast nur bei Frauen vor. 99 % der Betroffenen sind weiblich. Beim Phlebödem, also eine Stauung im Venenbereich, sind die Geschlechter paritätisch verteilt. Auch bei Krampfadern sind Frauen öfter betroffen als Männer.

Wie stellen Sie die Diagnose?

Es gibt viele Untersuchungsmöglichkeiten, um die Ödemformen zu differenzieren. Erfahrene Ärzte können sehr schnell eingruppieren. Nach der klinischen Untersuchung gibt es noch eine Vielzahl von besonderen Diagnostiken: z. B. Licht-Reflex, Dopplersonografie, Duplex-Sonografie, weitere Bildgebungsverfahren, z.B. die Angiographie, Lymphszintigrafie.

Wie werden Lympherkrankungen behandelt?

Der Patient muss selbst aktiv werden und erhält spezielle Übungen zum Trainieren. Das Tragen von Kompressionsstrümpfen und auch Lymphdrainage, ob manuell oder im Lymphomaten, helfen ganz klassisch weiter.

Es ist wohl bei allen Erkrankungen so, dass eine frühzeitige Behandlung besser ist. Was kann passieren, wenn man seine schweren Beine nicht behandeln lässt?

Im schlimmsten Fall entwickeln sich solche Schwellungen, die chronische Geschwüre bilden und dann sehr schlecht zu behandeln sind. Es gibt keinen Grund, 20 Jahre lang, mit offenen Beinen leben zu müssen.

Vorbeugend schwören viele auf bewährte Heilmittel aus Weinlaub oder Roßkastanienextrakt – was halten Sie von dieser Selbstmedikation?

Selbstmedikation ist generell nicht so gut. Ich halte es für wichtig, die Ursache zu kennen. Die genannten Substanzen sind in ihrer Funktionalität nur in geringer Weise belegt. Für Menschen, die eine kleine Venenschwäche haben, geht das. Alle anderen sollten zum Arzt gehen, das ist wichtiger und effizienter.

Es gibt auch Cremes mit diesen Wirkstoffen…

Sie schaden nicht. Der kühlende Effekt entlastet, das ist wie bei einem Fußballer, der sich verletzt hat. Der Schmerz geht, wenn gekühlt wird. Diese Cremes behandeln allerdings nicht die Ursache, nur die Wirkung.

Welche Rolle spielt die Veranlagung?

Der genetische Aspekt ist zu beherrschen. Wenn man etwas tut, kann man auch die Verläufe umgehen. Es gibt wenige Erbkrankheiten im angiologischen Bereich, denen man hilflos ausgesetzt ist.

Gibt es eine Diät für gesunde Beine?

Das wäre schön. Leider gibt es die nicht. Eine gesunde Lebensweise gehört dazu, auch adäquat kalorisch, denn Übergewicht befördert diese Erkrankungen.

Interview: Anke Geyer