"16 Jahre für Frau Merkel"

Im TA-Gespräch: Jürgen Borchert, Sozialrichter in Hessen, und Richter eines theatralischen Bankentribunals der Globalisierungskritiker von Attac.

Aktivisten des globalisierungskritischen Netzwerks Attac werfen im Börsensaal in Frankfurt Flugblätter von der Besuchergalerie und verdecken die Kurve des DAX mit einem Protestplakat.

Aktivisten des globalisierungskritischen Netzwerks Attac werfen im Börsensaal in Frankfurt Flugblätter von der Besuchergalerie und verdecken die Kurve des DAX mit einem Protestplakat.

Foto: zgt

Richter, Ankläger, Verteidiger und Sachverständige. Die Globalisierungskritiker von Attac haben die Banken symbolisch vor den Kadi gezogen. War das Klamauk oder eine Veranstaltung mit Substanz?

Natürlich war das keine echte Gerichtsverhandlung, sondern eine Art Theaterspiel. Aber an einer Stelle, wo andere gern den Schleier des Schweigens darüber legen. Dort haben wir Theater gemacht.

Das Hauptziel war also weniger ein greifbares Urteil, sondern Aufmerksamkeit?

Zum einen ja. Es ging vor allem aber auch darum, die komplexen Zusammenhänge der Bankenkrise zu beleuchten. Wir haben das in Rollenspielen zwischen Anklage und Verteidigung erlebbar gemacht.

Hatten Politik und Banken überhaupt die Chance auf ein faires Verfahren?

Ich glaube, die Verteidigung konnte die Positionen der Banken und der Bundesregierung eins zu eins einbringen.

Aber ohne die Richterschaft überzeugen zu können . . .

. . . nun es war ein beeindruckendes Feuerwerk an Argumenten. Doch es hat mich nicht überzeugt, dass sie sich als Getriebene internationaler Sachzwänge präsentiert haben.

Zu welchem Urteil kommen Sie als einer der Richter?

Zunächst bin ich zur Erkenntnis gelangt, dass die Ministerien von sich selber sagen, nicht mehr länger die Kompetenz zu besitzen, die Zusammenhänge der Finanzmärkte zu durchschauen. Zweitens wurde gesagt, dass manche Unternehmen so groß sind, dass deren Scheitern ein Zusammenbruch des ganzen Landes bedeuten könnte. Trifft dies zu, dann wäre unsere Republik und Demokratie am Ende, weil wir ohnmächtig wären. Darum unsere Empfehlung: kein Unternehmen darf systemrelevant sein, sondern nur die Menschen.

Die Anklage forderte 16 Jahre Zwangsopposition für Bundeskanzlerin Merkel. . .

. . . Ich wäre für 16 Jahre Zwangsregierung, damit sie die Suppe wieder auslöffeln kann.

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.