184 Lehrer sind eingestellt: Doch wie viele werden noch folgen?

Erfurt. 500 neue Lehrer pro Jahr an den Thüringer Schulen. Das klingt gut - und wurde von allen Parteien vor der Wahl beschlossen. Kaum jemand sagte dazu, dass mindestens so viele Pädagogen in Ruhestand gehen, also die Gesamtzahl der Pädagogen bestenfalls nicht sinken wird.

Ich weiß was, Frau Lehrerin: Rund 17.000 Pädagogen gibt es in Thüringen. Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Foto: zgt

Natürlich findet sich die Zahl auch im rot-rot-grünen Koalitionsvertrag. Und siehe: Ein Teil davon wurde bereits während der ersten 100 Tage umgesetzt. Doch kann die Koalition wirklich alle dazugehörigen Versprechen erfüllen?

Worum geht es?

Es war eines der großen Kampfthemen der vergangenen Wahlperiode: die Einstellung neuer Lehrer. Während jeder Haushaltsverhandlung stritten Finanzminister und Bildungsminister erbittert darüber, wie viele frisch studierte Pädagogen in den Schuldienst übernommen werden können. Während Wolfgang Voß (CDU) Stellen einsparen wollte, drängte Christoph Matschie (SPD) darauf, die überalterte Lehrerschaft (im Durchschnitt 52 Jahre) zu verjüngen und so den Unterrichtsausfall, der inzwischen auf vier Prozent (davon 70 Prozent krankheitsbedingt) angewachsen war, wieder zu senken.

Als Kompromiss wurden erstmals seit Jahren ab 2012 in nennenswertem Umfang (280) neue Lehrer einstellt. Diese Zahl erhöhte sich in den Jahren 2013 und 2014 auf jeweils 400. Da gleichzeitig etwa so viele Pädagogen in Ruhestand gingen, wurde die Zahl der Lehrer in Thüringen bei ungefähr 17.000 gehalten. Der Unterrichtsausfall ging auf etwa drei Prozent zurück.

Allerdings hat dies seinen Preis. Thüringen hat die höchsten Pro-Schüler-Ausgaben in Deutschland. Im Vergleich zu anderen vergleichbaren Ländern leistet man sich umgerechnet 2000 Pädagogen mehr.

Was wurde versprochen?

Im Koalitionsvertrag heißt es: "Pro Jahr sollen 500 Lehrerinnen und Lehrer eingestellt und zusätzlich eine Vertretungsreserve aufgebaut werden." Ziel sei es, "sowohl den Grundbedarf zur Unterrichtsabsicherung zudecken als auch Unterrichtsausfälle zu vermeiden."

Nach Aussagen aus der Koalition soll die Reserve am Ende vier Prozent der gesamten Lehrerschaft umfassen, was etwa 650 Lehrern zusätzlich zum normalen Bedarf entspräche. 2015, hieß es, plane man als ersten Schritt die Einstellung von 100 Lehrern für die Reserve.

Um genügend Bewerber anzulocken, will man Seiteneinsteigern den Einstieg erleichtern und die "Möglichkeit prüfen", die 2008 ausgesetzte Verbeamtung von Lehrern zu reaktivieren.

Was soll kommen?

Bereits mit dem zweiten Schulhalbjahr wurden vor wenigen Wochen 184 neue Lehrer eingestellt. Die restlichen gut 300 Vollzeitstellen sollen zum 1. September besetzt werden. Das Kultusministerium ist optimistisch, dass sich auch in den Mangelfächern wie Sprachen und Mathematik ausreichend Bewerber melden, da sich allein schon zur jetzigen Ausschreibung 1700 Interessenten gemeldet hätten. Die Zahl der Lehrer, die in den Ruhestand gingen, betrage auch etwa 500 - wobei nach TA-Informationen intern auch die Zahl 700 genannt wird.

Ob mit dem Aufbau der Vertretungsreserve begonnen wird, ist Thema der gerade laufenden Haushaltsverhandlungen. Hier will Finanzministerium Heike Taubert (SPD) bremsen, weil sie laut dem auch von Rot-Rot-Grün gebilligten Personalabbauplan der Vorgängerregierung spätestens ab Mitte der Legislaturperiode Hunderte Lehrerstellen abbauen muss. Angesichts der überraschend hohen Bewerberzahlen wird die Verbeamtung eher nicht wieder eingeführt.

Der Fakten-Check:

Die Koalition wird auf absehbare Zeit ihr Versprechen einhalten, 500 neue Lehrer pro Jahr einzustellen. Zu einer deutlichen Verjüngung der Lehrerschaft dürfte dies jedoch kaum führen: Schließlich wird mit diesem Tempo bis 2020 nur jeder siebte Pädagoge ausgetauscht. Zum Realitätstest wird daher der Aufbau der Vertretungsreserve. Nur sie kann wohl die Lücke füllen, die sich durch die überdurchschnittliche hohe Krankheitsquote ergibt.

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.