25 Jahre Thüringen: Erfurt war Helmut Kohls erste Wahlkampf-Station

Erfurt. Eindeutiger konnte die Botschaft am 20. Februar 1990 nicht sein: Oben auf den Domstufen ein strahlender Bundeskanzler Helmut Kohl, der die Marktwirtschaft und die Einheit der Nation beschwor.

Am 20. Februar 1990 sprach der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) auf dem Erfurter Domplatz . Archiv-Foto: Sascha Fromm

Am 20. Februar 1990 sprach der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) auf dem Erfurter Domplatz . Archiv-Foto: Sascha Fromm

Foto: zgt

Unten ein schwarz-rot-goldenes Fahnenmeer und eine 100 000-köpfige Menge, die "Helmut"-Rufe skandierte. Drei Monate nach der Grenzöffnung zeigten die Zeichen bereits deutlich in Richtung Wiedervereinigung. Kohls Auftritt auf dem Erfurter Domplatz war der Wahlkampfauftakt der "Allianz für Deutschland" zur ersten und zugleich letzten freien Volkskammerwahl. Ursprünglich sollte der Urnengang im Mai 1990 stattfinden. Unter dem Druck der Öffentlichkeit entschied der Runde Tisch in Berlin Ende Januar, den Termin auf den 18. März 1990 vorzuverlegen.

Die Volkskammer stimmte am 5. Februar 1990 zu. Am selben Tag verbündeten sich Christlich-Demokratische Union (CDU-Ost), Deutsche Soziale Union (DSU) und Demokratischer Aufbruch (DA) zur "Allianz für Deutschland". Kohls West-CDU hatte an disem Schulterschluss wesentlichen Anteil. In Sachen Wahlsieg wollte der "Kanzler der Einheit" nichts dem Zufall überlassen. Der Plan ging auf: Auch bei den Auftritten in Cottbus und Leipzig, wo Kohl den 1:1- Währungsumtausch versprach, war der Jubel riesig. In Leipzig feierten ihn 300.000 Menschen.

Dem Erfurter Auftritt Helmut Kohls wird das Versprechen der "blühenden Landschaften" zugeschrieben. Kohl verband dies mit dem Engagement der Ostdeutschen. Wörtlich rief er damals in seiner 50-minütigen Rede den Hundertausend zu:

"Sie sind genauso fleißig, genauso intelligent und genauso einsatzbereit wie die Menschen in der Bundesrepublik. Und ich bin sicher, wenn sie mit einer harten D-Mark kaufen wollen, was sie wollen, wenn sie frei über ihr Leben entscheiden können, wenn sie ihr persönlliches Glück finden können wie sie dies wollen, dann wird auch dies Land der DDR, dann wird dies Thüringen und diese alte Stadt Erfurt genau wie alle anderen Städte in der Bundesrepublik Deutschland ein blühendes Gemeinwesen werden."

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