50 Millionen Euro Fördergelder für Erfurter Plattenbaugebiete

Erfurt  Oberbürgermeister Andreas Bausewein kündigt eine Liste mit möglichen Maßnahmen an. Der Moskauer Platz wünscht sich ein Gebietscafé. Am Herrenberg wird der Abriss eines Schandflecks erwogen.

Das altes Einkaufszentrum „Großer Herrenberg“ ist ein Schandfleck im Stadtteil Herrenberg. Laut Oberbürgermeister Andreas Bausewein könnte es mit Hilfe der Fördergelder vom Bund abgerissen werden.

Das altes Einkaufszentrum „Großer Herrenberg“ ist ein Schandfleck im Stadtteil Herrenberg. Laut Oberbürgermeister Andreas Bausewein könnte es mit Hilfe der Fördergelder vom Bund abgerissen werden.

Foto: Holger Wetzel

Die von einem Bundes-Förderprogramm erhofften 50 Millionen Euro sollen vollständig in den Plattenbaugebieten eingesetzt werden. Darauf habe sich die Stadtverwaltung verständigt, sagte Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) bei einem Neujahrsempfang am Moskauer Platz. Bei einer entsprechenden Beschlussvorlage rechne er fest mit der Zustimmung des Stadtrates.

„Die Infrastruktur in den Plattenbaugebieten ist gut“, sagte Bausewein. „Aber wir wollen die Lebensqualität weiter fördern.“

Erfurt wurde im Herbst für ein Bundesprojekt ausgewählt, das bis zum Jahr 2026 die soziale Infrastruktur der Stadt fördern will. Die 50 Millionen Euro sollen zur Hälfte vom Bund und zur knappen Hälfte vom Land fließen. Der Erfurter Eigenanteil beträgt 2,5 Millionen Euro.

Eine Liste mit Maßnahmen, die mit dem Geld umgesetzt werden könnten, werde das Stadtentwicklungsamt noch im Januar als Diskussionsgrundlage vorlegen, sagte Bausewein. Nach Beispielen befragt, nannte er das Ortsteilzentrum am Johannisplatz und das frühere Einkaufszentrum am Herrenberg. „Am Herrenberg haben wir ein Riesen-Problem“, sagte Bausewein.

Café-Idee für den Moskauer Platz

Der gewaltige Gebäudekomplex, in dem sich zuletzt rechte Gruppierungen eingemietet hatten, ist ein Schandfleck im Südosten. Sollten private Pläne für den Umbau des Gebäudes etwa für betreutes Wohnen nicht konkret werden, könne mit Hilfe der Fördergelder ein Abriss durch die Stadt erwogen werden, sagte Bausewein. Danach könne das Areal entweder vermarktet, selbst bebaut oder durch eine Grünfläche gestaltet werden.

Die dritte Schwimmhalle im Rieth werde voraussichtlich nicht auf der Liste stehen, sagte Bausewein. „Die Schwimmhalle im Norden kommt, aber über welche Quellen sie finanziert wird, ist noch nicht entschieden“, meinte er. Auch, ob es eine reine Schul- und Vereinsschwimmhalle oder eine öffentliche Einrichtung werden soll, müsse in den nächsten Wochen noch diskutiert werden.

Bausewein begrüßte aber eine Investitions-Idee, die der Ortsteilbürgermeister vom Moskauer Platz, Torsten Haß, vorstellte. Haß, Gastgeber des Neujahrsempfangs am Samstag, möchte an der Geraaue ein Gebietscafé mit einem Saal einrichten.

Als Ort hat er das Gebäude des Jugendclubs auserkoren, das nur zur Hälfte von dem Club belegt wird. Die andere Hälfte dient als Lager für das Gartenamt. Für die Bundesgartenschau (Buga) 2021 soll diese Hälfte aber geräumt und zu einem Buga-Café umgebaut werden. Vor dem Gebäude ist bis zur Buga ein Teich geplant.

Haß setzt sich für eine dauerhafte Lösung ein. Er möchte das Gebäude durch einen Anbau erweitert sehen, so dass es als geräumiges Gebietscafé genutzt werden kann. Es soll vor allem für Veranstaltungen etwa der Wohnungsbaugenossenschaften (WBG) oder des Ortsteilrates genutzt werden, könnte etwa an Wochenenden aber auch regulär geöffnet sein.

Die WBG betrieben zwar eigene Treffs am Moskauer Platz. „Aber für große Veranstaltungen reicht dort der Platz nicht aus“, sagte Haß. Das gelte auch für Veranstaltungen des Ortsteilrates. „Unsere Frauentagsfeier müssen wir bisher auf zwei Tage aufteilen“, nannte der Ortsteilbürgermeister ein Beispiel.

Umsetzung bis zum Sommer prüfen

Fruchtbare Gespräche habe er schon mit der Buga GmbH sowie mit den im Stadtteil aktiven WBGs „Zukunft“ und „Erfurt“ geführt. „Die WBGs haben bereits signalisiert, die Investition und den Betrieb unterstützen zu wollen“, sagte Haß.

Als Betreiber komme der Mitmenschen-Verein in Frage, der bereits den Jugendclub und Angebote im Ortsteilzentrum betreut. Auch vorbereitende Gespräche mit den Vereinsvertretern seien positiv verlaufen, bestätigte Torsten Haß.

In der Ortsteilratssitzung am Montag, 7. Januar, solle das Projekt mit einem Stadtrats-Antrag auf den Weg gebracht werden. Damit soll die Verwaltung beauftragt werden, die Umsetzung bis zum Sommer zu prüfen. Der Bau könne dann im nächsten Jahr erfolgen, sagte Haß.

Er rechnet mit einer Investitionssumme „im sechsstelligen Bereich“, sagte er.

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