AfD legt in Thüringen kräftig zu – CDU stärkste Kraft – Linke, SPD und Grüne schwach

Erfurt  Nach Auszählung von mehr als zwei Dritteln der Thüringer Wahlbezirke kommt die CDU auf 29,7 Prozent. Die AfD erreicht 23,7 Prozent und wird in vielen Wahlbezirken stärkste Kraft.

Thüringens AfD-Landeschef Björn Höcke (rechts) und der AfD-Landtagsabgeordnete Stephan Brandner jubeln.

Thüringens AfD-Landeschef Björn Höcke (rechts) und der AfD-Landtagsabgeordnete Stephan Brandner jubeln.

Foto: Martin Schutt

Die CDU bleibt trotz herber Verluste stärkste Kraft in Thüringen. Nach ersten Zwischenergebnissen der Bundestagswahl folgt die AfD bereits auf dem zweiten Platz. Die drei Parteien der rot-rot-grünen Regierungsparteien schnitten hingegen wesentlich schlechter ab als bei der Bundestagswahl 2013. Die Sozialdemokraten kassierten am Sonntag das schlechteste Ergebnis seit der Wiedervereinigung. Bei der Wahlbeteiligung zeichnete sich ein Wert etwa auf dem Niveau von 2013 ab. Damals lag sie bei 68,2 Prozent.

Nach Auszählung von mehr als zwei Dritteln der Wahlbezirke kam die CDU auf 29,7 Prozent der Stimmen, die AfD wird mit 23,7 Prozent zweitstärkste Kraft. Sollte sich dieser Trend bestätigen, würde die Partei des umstrittenen Landeschefs Björn Höcke ihr Ergebnis von der Landtagswahl 2014 mehr als verdoppeln. Die Linke von Ministerpräsident Bodo Ramelow kam auf 15,8 Prozent der Stimmen, die SPD auf 13,0, die Grünen auf 3,6. Die FDP legte dem Zwischenstand zufolge rund fünf Punkte zu und kam auf 7,7 Prozent.

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Ramelow sieht in dem starken AfD-Ergebnis einen «Gefühlsausbruch in Richtung Bundesregierung». Viele Wähler in Ostdeutschland fühlten sich missverstanden und abgehängt, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Die große Koalition habe es nicht geschafft, soziale Sicherheit als ihren Markenkern zu gestalten. Das gute Abschneiden der AfD sei eher ein Ausdruck des Protests als von politischen Überzeugungen.

CDU-Landeschef Mike Mohring sieht in dem Ergebnis der Bundestagswahl keinen Grund zum Jubeln. Seine Partei stehe bei der Regierungsbildung vor einer enormen Herausforderung «Deutschland auf einem Kurs der Vernunft zu halten». Die Wähler in den neuen Bundesländern hätten mit der AfD und der Linken Parteien an den politischen Rändern gestärkt.

SPD-Landeschef Andreas Bausewein nannte das Ergebnis seiner Partei niederschmetternd. Das Abschneiden der AfD in Thüringen habe ihn schockiert. «Das hätte ich in der Deutlichkeit nicht erwartet.» Bausewein zufolge müssten alle Parteien den Umgang mit der AfD überdenken und sich der inhaltlichen Auseinandersetzung mehr stellen. Zuletzt habe man zu oft nur über die AfD diskutiert.

AfD-Landeschef Björn Höcke sprach nach dem Bundesergebnis, das seine Partei als drittstärkste Kraft sieht, von einem historischen Ergebnis. «Ich bin überglücklich», sagte Höcke der dpa. Mit Blick auf den Einzug seiner Partei in den Bundestag sagte er: «Wir werden mehr Meinungspluralismus erleben im Bundestag, wir werden eine lebendige Demokratie erleben durch die AfD.» Die AfD wolle im Bundestag inhaltlich Fundamentalopposition betreiben.

Neben der AfD war die FDP großer Gewinner der Wahl, auch in Thüringen. Der Landesvorsitzende Thomas Kemmerich sagte, das Ergebnis habe seine Erwartungen übertroffen. Eine Koalition im Bund mit Union und Grünen könne er sich jedoch nur schwer vorstellen. «Mir fehlt dazu heute Abend tatsächlich die Fantasie.»

Auch Grünen-Fraktionschef Dirk Adams sagte, er gehe bei der sogenannten Jamaika-Koalition von schwierigen Verhandlungen aus. Seine Partei sei aber koalitionsfähig mit allen demokratischen Parteien.

Tottleben war am schnellsten

Tottleben im Unstrut-Hainich-Kreis war beim Auszählen der Stimmzettel für die Bundestagswahl schnellster Ort in Thüringen. Die kleine Gemeinde mit 117 Wahlberechtigten war laut Büro des Landeswahlleiters genau um 18.14 Uhr fertig mit der Auszählung. Die Wahlbeteiligung lag dort bei 79,5 Prozent. Hier wurde die AfD mit 33,3 Prozent stärkste Kraft vor der CDU mit 32,3 Prozent. Nur zwei Minuten länger benötigten die Wahlhelfer in Etzelsrode (Landkreis Nordhausen), der zweitschnellster Thüringer Ort beim Auszählen war. Hier gaben 57 von 75 Wahlberechtigten ihre Stimme ab.

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