An diesen Stellen wurde der Grenzzaun im Eichsfeld vor 25 Jahren löchrig

Eichsfeld. Der 9. November 1989 ist der Tag, an dem sich die Berliner Mauer öffnete, die Menschen auf dem Bauwerk tanzten und an der Bornholmer Straße nichts mehr blieb, wie es war. Aber die Öffnung der Berliner Mauer blieb nicht die einzige Stelle, an der sich in den kommenden Tagen der Eiserne Vorhang öffnen sollte.

Grenzöffnung Hohengandern am 12. November 1989. Am Anfang stand nur ein Armeezelt, die Piste aus Sand wurde provisorisch glattgeschoben, um den Fahrzeugverkehr in Richtung Witzenhausen zu gewährleisten, später kam eine Schotterpiste, dann die Bundesstraße. Foto: Grenzmuseum Schifflersgrund

Grenzöffnung Hohengandern am 12. November 1989. Am Anfang stand nur ein Armeezelt, die Piste aus Sand wurde provisorisch glattgeschoben, um den Fahrzeugverkehr in Richtung Witzenhausen zu gewährleisten, später kam eine Schotterpiste, dann die Bundesstraße. Foto: Grenzmuseum Schifflersgrund

Foto: zgt

Im Eichsfeld setzte diese Kettenreaktion bereits in derselben Nacht ein. Die Menschen setzten sich in ihre Trabis, Wartburgs oder Ladas und machten sich zu dem einzig möglichen Grenzübergang in der Region auf.

Nachfolgend ein Überblick über die Öffnung der Grenzübergänge im Landkreis Eichsfeld:

  • Teistungen, 9./10. November 1989: Die Menschen machten sich in der Nacht auf, um zu sehen, ob es auch wirklich wahr sein konnte, dass die Grenze zwischen den beiden deutschen Staaten und zwischen Ost- und Westeuropa wirklich gefallen sein sollte. Erst in der Nacht, um 0.35 Uhr am 10. November 1989, wurde der Schlagbaum in Teistungen tatsächlich geöffnet und die DDR-Bürger konnten - für viele war es das erste Mal - in den Westen fahren.
  • Hohengandern, 12. November 1989: Am Morgen des 12. November 1989 ging die Grenze zwischen Hohengandern und Eichenberg auf. Dort bildeten sich fast so lange Autoschlangen wie am Grenzübergang Teistungen, er war ja erst der zweite. Noch gab es keine richtige Straße. "Die Stelle bot sich an, weil es an den Kfz-Sperranlagen keine Minen gab", erklärt Rainer Fiebich, pädagogischer Mitarbeiter des Grenzmuseums Schifflersgrund. Auch sei dort die alte Straße verlaufen, die nach 1945 stillgelegt wurde und deren Trasse von den Grenzern benutzt wurde. Mit Schotter wurde die Piste hinunter zur B 27 auf hessisches Gebiet ausgestattet, auf genau dem Verlauf, dem heute noch die alte Bundesstraße folgt. Je eine Fahrspur für Autos sowie eine Bus-Abfertigungsstelle wurden eingerichtet. Zwei Bungalows als Kontroll- und Dienstraum wurden in Windeseile aufgestellt, eine Versorgungseinrichtung war schon im Bau, Selbst ein Elektroanschluss wurde schnellstens realisiert. Die Wasser- und Abwasserverlegung war von bundesdeutscher Seite aus vorgesehen.
  • Wahlhausen, 18. November 1989: Am Morgen des 18. November 1989 öffnete gegen 6 Uhr eine besondere Grenzübergangsstelle - zwischen Wahlhausen und Bad Sooden-Allendorf. Über Jahrzehnte hinweg lagen beide Orte in Sichtweite zueinander, aber durch die Grenzanlagen getrennt. Wolfgang Ruske, Leiter des Grenzmuseums Schifflersgrund in Asbach-Sickenberg kann sich noch so gut an diesen Tag erinnern, als sei es erst gestern gewesen. "Auf der einen Seite stand eine Kirmeskapelle aus dem Eichsfeld und spielte ,Großer Gott wir loben dich", erzählt Ruske, immer noch tief bewegt von der Stimmung, die an dem Grenzzaun herrschte. Auf der anderen Seite stand der Bundesgrenzschutz aus Bad Sooden-Allendorf mit einer Reiter-Parforce-Gruppe. Selbst der ADAC war vor Ort mit kostenlosen Faltplänen und Straßenkarten der näheren Region für die DDR-Bürger. "In den Straßenatlanten der DDR war ja hinter der Grenze alles weiß", so Ruske. Für Fußgänger war ab der Öffnung durchgehend passierbar, ein Bungalow war im Bau, der zukünftig als Dienst- und Kontrollraum diente, der Straßenbau von 2,5 Metern Breite wurde von der bundesdeutschen Seite aus vorangetrieben. Die beiden Kontrollhütten von diesem Grenzübergang stehen heute im Grenzmuseum Schifflersgrund. "Sie wurden uns von der Zollverwaltung übertragen", so Ruske. Schon am 17. April 1990 wurden sie abgerissen, die Kontrollen gab es nicht mehr. "Die Währungsunion am 1. Juli 1990 war schon beschlossene Sache. Da war klar, dass es die DDR nicht mehr lange geben wird", sagt auch Rainer Fiebich. "Von den Grenzanlagen war da schon nicht mehr viel zu sehen."
  • Großtöpfer, 18. November 1989: Ebenfalls am 18. November öffnete der Übergang Großtöpfer nach Frieda um 6 Uhr.
  • Kirchgandern, 18. November 1989:Erst nur für Fußgänger, später auch für Autos ging am 18. November die Grenze zwischen Kirchgandern und Reckershausen auf. Eine Raumzelle "Treffurt" diente als Kontroll- und Dienstraum, eine einigermaßen befestigte Straße mit 2,5 Metern Breite war wenig später nutzbar.
  • Ecklingerode, 18. November 1989: Am gleichen Tag öffnete die Grenze zwischen Ecklingerode und Duderstadt. Dort waren die Einwohner bereits ganz zeitig noch in den frühen Morgenstunden zu einem Gottesdienst gelaufen, die Zollstelle war anfangs werktags von 8 bis 23 Uhr und am Wochenende von 8 bis 18 Uhr geöffnet, es gab hier einen gemeinsamen Aufenthaltsraum für die Zöllner in einem Wohnwagen, eine Standkasse diente als Dienst- und Kon­trollraum, eine Einzelzelle "Treffurt" als Kontrollraum und eine Versorgungseinheit wurden bestellt. Zwar gab es einen Elektroanschluss, doch die Wasser- und Abwasserverlegung war lange nicht geklärt.
  • Neuendorf, 9. Dezember 1989: Am 9. Dezember 1989 wurde der Zaun zwischen Neuendorf und Etzenborn aufgeschnitten. Am Anfang war dieser Übergang nur für Fußgänger nutzbar, zu Beginn auch nur an den Wochenenden von 8 bis 20 Uhr.
  • Bockelnhagen, 10. Dezember 1989: Zwischen Bockelnhagen und Bartolfelde öffnete sich der Eiserne Vorhang am 10. Dezember um 8 Uhr. Laut Unterlagen der damaligen Zollverwaltung zum Stand 15. Dezember 1989 wurde diese "GÜst" erst für Fußgänger geöffnet, doch sei von Anfang an ein Straßenübergang geplant worden.
  • Bischhagen, 10. Dezember 1989: Der 10. Dezember 1989 war auch der Tag, an dem die direkte Verbindung von Bischhagen aus nach Göttingen möglich wurde.
  • Böseckendorf, 17. Dezember 1989: Eine Woche später wurde der Zaun noch löcheriger. Um 8 Uhr am 17. Dezember wurden die Grenzanlagen zwischen Böseckendorf und Nesselröden geöffnet, anfangs nur für Fußgänger und auch nur am Wochenende von 8 bis 20 Uhr.
  • Zwinge, 17. Dezember 1989: Ähnlich war die Situation zwischen den Dörfern Zwinge und Brochthausen. Nach Demonstrationen der Bürger öffnete auch dort am 17. Dezember die Grenze, anfangs nur am Wochenende von 8 bis 20 Uhr, schließlich durchgehend offen bereits mit einer Straßenplanung für das erste Halbjahr 1990.
  • Jützenbach, 22. Dezember 1989: Die Öffnung des Übergangs zwischen Jützenbach und Fuhrbach erfolgte am 22. Dezember 1989, allerdings nicht für den Straßenverkehr, sondern nur als schmaler Regionalweg für die Anwohner.
  • Döringsdorf, 26. Dezember 1989: Die Öffnung der Grenze zwischen Döringsdorf und Wanfried datiert auf den 26. Dezember 1989.
  • Volkerode, 28. Dezember 1989: Der Zaun zwischen Volkerode und Hitzelsrode öffnete sich am 28. Dezember 1989.
  • Kella, 30. Dezember 1989: Eine Grenzübergangsstelle zwischen Kella und Grebendorf wurde am 30. Dezember 1989 geschaffen.
  • Glasehausen, 30. Dezember 1989: Zwischen Glasehausen und Beienrode konnten Fußgänger ab dem 30. Dezember zu den Wochenenden von 8 bis 20 Uhr pendeln.
  • Asbach-Sickenberg, 20. Januar 1990: Der Zaun zwischen Asbach-Sickenberg und Bad-Sooden Allendorf ging für Fußgänger mit einer großen Feier am 21. Januar 1990 auf.
  • Siemerode, 20. Januar 1990: Die Grenzöffnung zwischen Siemerode und Weißenborn erfolgte an diesem Tag.
  • Bornhagen, 20. Januar 1990: Zwischen Bornhagen und Werleshausen war das Passieren der Grenze jetzt möglich.
  • Rohrberg, 20. Januar 1990: Der 20. Januar 1990 war auch der Stichtag der Grenzöffnung zwischen Rohrberg und Ischenrode.
  • Kella, 10. April 1990: Am 10. April 1990 öffnete sich der Zaun zwischen Kella und Schwebda.
  • Weilrode und Silkerode, 12. April 1990: Als letzte beide Übergänge im Eichsfeld öffneten am 12. April 1990 die Übergänge zwischen Weilrode und Osterhagen sowie zwischen Silkerode und Barbis.
  • Lindewerra, 17. Juli 1999 - der letzte Lückenschluss: Zur 700-Jahr-Feier wird die 1945 gesprengte Werra-Brücke nach dem Wiederaufbau eingeweiht. Ihre Überreste gelten bis heute als Symbol der Teilung - und die neue Brücke als Symbol der Einheit.

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