An Thüringens Schulen lernen mehr als 5000 Flüchtlingskinder

Erfurt. Wie erwartet ist die Zahl der Flüchtlingskinder an den Thüringer Schulen in den vergangenen Monaten stark angestiegen. Erhielten zu Beginn des Schuljahres im vorigen September noch 3339 Schüler Unterricht in „Deutsch als Zweitsprache“, waren es zum Jahreswechsel bereits 5111 – ein Anstieg um etwa die Hälfte.

Die Zahl der Flüchtlingskinder an Thüringer Schulen nahm seit Schuljahresbeginn um etwa 50 Prozent zu. Symbolfoto: Marijan Murat/dpa

Die Zahl der Flüchtlingskinder an Thüringer Schulen nahm seit Schuljahresbeginn um etwa 50 Prozent zu. Symbolfoto: Marijan Murat/dpa

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Damit gibt es erstmals belastbare Zahlen. Die besondere Sprachförderung erhielten zurzeit nahezu ausschließlich Kinder von Asylbewerbern oder Flüchtlingen, hieß es vom Kultusministerium. Damit sei diese Statistik zielgenauer als die Gesamtzahl aller Schüler mit Migrationshintergrund. Diese ist mit 10.500 etwa doppelt so hoch.

Knapp 600 Flüchtlinge an Berufsschulen

Der Anteil der Flüchtlingskinder an den allgemeinbildenden Schulen liegt damit laut Ministerium bei knapp drei Prozent. In den Berufsschulen stieg die Zahl der Flüchtlinge nur moderat von 515 auf 586. Dies entspricht einem Anteil von einem Prozent.

Die freien Schulen in Thüringen halten laut ihres Verbandes etwa 520 Plätze für Flüchtlingskinder frei. Davon sei bisher aber nur ein Bruchteil besetzt worden, sagte Koordinator Marco Eberl. Es gebe immer noch kein praktikables System der Verteilung, da die Behörden bislang Kinder nicht einfach Privatschulen zuweisen könnten.

Mehr als 110 Willkommensklassen wurden eingerichtet

Das Kultusministerium geht von weiterhin steigenden Zahlen aus, gab aber keine Prognose ab. Das Land hat inzwischen mehr als 110 sogenannte Willkommensklassen im Land eingerichtet. Dort lernen Flüchtlingskinder Deutsch, bevor sie in den normalen Unterricht integriert werden können.

Das Land hatte bereits im vergangenen Jahr zusätzlich 50 Lehrer für „Deutsch als Zweitsprache“ verpflichtet. In diesem Jahr sollen nochmals ebenso viele hinzukommen.

Zudem sind im Landeshaushalt 2016/17 Gelder für 300 zusätzliche Lehrer eingeplant, die befristet eingestellt werden sollen. Wie Kultusministerin Birgit Klaubert (Linke) sagte, belege dies die „hohe Priorität“ einer guten Personalausstattung der Thüringer Schulen. Dies gelte auch angesichts der steigenden Zahlen von Flüchtlingskindern.

Der Lehrermarkt ist so gut wie leergefegt

Der Thüringer Lehrerverband hält hingegen die Einstellungen für keinesfalls ausreichend. „5000 Flüchtlingskinder und 50 zusätzliche Sprachlehrer – das passt nicht zusammen“, sagte Landeschef Rolf Busch unserer Zeitung. Zudem sei der Lehrermarkt so gut wie leergefegt. „Mit befristeten Einstellungen haben da die Schulämter gar keine Chance“, sagte er.

Busch beklagte, dass die meisten Pädagogen mit den Herausforderungen auf sich allein gestellt seien. „Es fehlt fast überall an Lehrmaterial und geeignetem Personal“, sagte er. „Ich habe nicht das Gefühl, dass man im Ministerium weiß, was an den Schulen wirklich los ist.“

Ähnlich formulierte es die CDU. „Auch die neuen Zahlen sind nicht verlässlich“, sagte der Landtagsabgeordnete Christian Tischner. „Es ist mir unerklärlich, warum das Ministerium es nicht schafft, aktuell den tatsächlichen Bedarf zu ermitteln.“

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatte zuletzt 1000 zusätzliche Lehrer verlangt.

Leitartikel: Das reicht nicht

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