Angeblich rechtsextremes Netzwerk gehackt

Ein "antifaschistischer Newsletter" aus dem sächsischen Leipzig hat am Sonntagmittag dutzende Seiten eines Neonaziblogs im Internet veröffentlicht. Unter den am "Freien Netz" beteiligten Neonazis sollen sich auch zwei Thüringer befinden. Nach Angaben der Betreiber des antifaschistischen Diskussionsforums sind das ein Mann aus Altenburg und ein Mann aus Jena.

Ein antifaschistischer Internetblog hat am Sonntag angeblich ein gehacktes Neonazi-Diskussionsforum veröffentlicht, an dem sich auch zwei Thüringer beteiligt haben sollen. Archiv-Foto: Joeg Koch/dapd

Ein antifaschistischer Internetblog hat am Sonntag angeblich ein gehacktes Neonazi-Diskussionsforum veröffentlicht, an dem sich auch zwei Thüringer beteiligt haben sollen. Archiv-Foto: Joeg Koch/dapd

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Erfurt. Seit Sonntag ist das Kapitel ausgespähter Internetseiten um eine weitere Facette reicher. Die Attacke unbekannter Hacker galt diesmal dem rechtsextremen "Freien Netz".

Ein "antifaschistischer Newsletter" aus dem sächsischen Leipzig veröffentlichte am Sonntag Dutzende Seiten eines Neonazi-Forums aus dem Internet.

Unter den Freien-Netz-Kadern sollen sich auch zwei Thüringer befinden. Nach Angaben der Betreiber der antifaschistischen Diskussionsrunde handelt es sich um einen Mann aus Altenburg und einen aus Jena.

Die veröffentlichten Diskussionen aus dem Neonazi-Netz sollen aus dem Jahr 2009 stammen. Darin wird unter anderem über die Einflussnahme des "Freien Netzes" auf die NPD beim Aufstellen von Kandidaten für die Landtagswahlen 2009 debattiert.

Überlegungen, eine Polizeistation anzugreifen

"Wir haben den Einfluss dieser Kräfte gespürt, ihm aber nicht nachgegeben", sagte am Sonntag Patrick Wieschke von der Thüringer NPD unserer Zeitung. Er bestätigte, dass es bestrebungen gab, die NPD zu radikalisieren. Im Übrigen kenne er aber die Debatten aus dem "Freien Netz" nicht. Der in dem Blog genannte Jenaer Aktivist sei bereits vor Jahren aus der NPD ausgetreten.

In den veröffentlichten Dokumenten wird auch über Strategien beim Anmelden von Demonstrationen debattiert. Unter anderem lautet der Vorschlag, in Thüringen mehrere NPD-Demonstrationen zum Schein anzumelden, um die dann erfolgten Verbote für die Propaganda zu nutzen.

Zum Neonazi-Aufmarsch im Februar 2009 in Dresden heißt es auch: "Wir haben uns überlegt, eine Polizeiwache anzugreifen und abzufackeln."

Martina Renner, innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Thüringer Landtag, sieht in diesen Äußerungen Ansätze zum Rechts-Terrorismus.

Sie hält die Veröffentlichungen für authentisch. "Sie lassen womöglich auch die Ermittlungen zum ’Braunen Haus’ in Jena und einem möglichen Anschlag bei Saalfeld auf das von der Landtagsabgeordneten Katharina König genutzte Fahrzeug in einem neuen Licht erschienen", sagt die Abgeordnete.

Die Abgeordnete kritisiert das Thüringer Innenministerium, weil es auf Nachfragen dieses Netzwerk als Internetportal "heruntergespielt" habe.

Vom Innenministerium war am Sonntag zu der Veröffentlichung und den Vorwürfen keine Stellungnahme zu erhalten.

Gefährliches Neonazi-Netzwerk

Die vorliegenden Unterlagen zu internen Strukturen und Strategien würden belegen, dass dahinter eines der "gefährlichsten und aggressivsten und im Augenblick attraktivsten Neonazi-Netzwerke" stecke, so die Linke-Abgeordnete.

Im Vorjahr hatte die Polizei das "Braune Haus" in Jena - einen Neonazitreff, der auch von einem der Mitstreiter im "Freien Netz" betrieben wird - durchsucht. Die Beamten fahndeten nach Spuren von Sprengstoff. Es bestand der Verdacht eines Anschlags auf ein auch von Katharina König genutztes Fahrzeug.

Die Veröffentlichung sei ein weiterer Beleg dafür, dass die NPD von Neonazis nur als "legaler Arm" benutzt werde, um die Demokratie zu stürzen, sagt die Grünen-Landtagsabgeordnete Astrid Rothe-Beinlich unserer Zeitung. Dafür sei offensichtlich jedes Mittel recht.

Der nun bekannt gewordene Hacker-Angriff auf eine rechtsextreme Internetseite ist nicht der erste in diesem Jahr. Bereits im September wurden die Seiten der Bundes-NPD ausspioniert und seit Oktober sind nach einer Attacke die Seiten der Thüringer NPD lahmgelegt.

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