Artern: Künftig kann auch ein Pekinese 350 Euro Hundesteuer im Jahr kosten

Artern  Artern ändert in der Steuersatzung die Definition für gefährliche Hunde. Neben Rassen nun auch Verhalten ein Kriterium

Auch ein Pudel kann Zähne zeigen. Foto: Holger John

Auch ein Pudel kann Zähne zeigen. Foto: Holger John

Foto: zgt

Was ist ein gefährlicher Hund? Diese Frage soll in der Arterner Hundesteuersatzung künftig neu beantwortet werden. In seiner jüngsten Sitzung beschloss der Arterner Stadtrat, die Gefährlichkeit von Hunden nicht mehr nur an der Rasse festzumachen. Auch Hunde, die im Sinne des Thüringer Gesetzes zum Schutz der Bevölkerung vor Tiergefahren als gefährlich eingestuft wurden, sollen in Zukunft auch bei der Hundesteuer so behandelt werden.

Für die Besitzer schlägt die Einstufung heftig aufs Portemonnaie. Während in Artern für einen normalen Hund 60 und für jeden weiteren 75 Euro Steuer im Jahr fällig werden, hat man vor zehn Jahren für gefährliche Hunde 350 Euro festgesetzt – ganz bewusst, um vom Halten solcher Tiere abzuschrecken. Für jeden weiteren gefährlichen Hund, der im Haushalt lebt, werden sogar 500 Euro Jahressteuer fällig.

Bisher beschreibt die Arterner Satzung die Gefährlichkeit von Hunden lediglich mit der Zugehörigkeit zu konkreten Rassen: Pitbull-Terrier, Staffordshire Bullterrier, American Staffordshire Terrier und Bullterrier sowie Kreuzungen, an denen diese Rassen beteiligt sind. Nun kann auch ein Pudel, Pekinese oder Rehpinscher sehr teuer werden, wenn er nach dem Tiergefahrengesetz als gefährlich eingestuft wird.

Laut Tiergefahrengesetz sind Hunde gefährlich, wenn sie „eine über das natürliche Maß hinausgehende Kampfbereitschaft, Angriffslust, Schärfe oder andere in ihrer Wirkung vergleichbare Eigenschaft entwickelt, sich als bissig erwiesen haben, in aggressiver oder gefahrdrohender Weise Menschen angesprungen haben oder durch ihr Verhalten gezeigt haben, dass sie Vieh, Katzen oder Hunde sowie unkontrolliert Wild hetzen oder reißen.“

Für Hunde, die auf diese Weise auffällig geworden sind, können die Ordnungsämter einen Wesenstest anordnen. Besteht der Hund ihn nicht, gilt er als gefährlich und rutscht in Artern in die hohe Steuerklasse.

In der Praxis spielen gefährliche Hunde in Artern allerdings kaum eine Rolle. Nur zwei sind bisher offiziell bei der Stadtverwaltung angemeldet und ihre Besitzer zahlen die teure Jahressteuer. Es handelt sich um einen American Staffordshire Terrier-Mischling und einen Staffordshire Bullterrier.

Dass mit der neuen Satzung massenhaft bissige Hunde dazu- kommen, ist nicht zu erwarten. In den vergangenen Jahren hat es in Artern keine Vorfälle in dieser Richtung gegeben, sagte Ordnungsamtsleiterin Antje Große auf TA-Anfrage.

Verschiedene Regelungen in den Kommunen

Sie kann sich nur an einen Fall von vor mehreren Jahren erinnern, bei dem allerdings die Hundehalter selbst auf das Ordnungsamt zugekommen waren. Sie hatten einen Hund aus dem Tierheim geholt – nicht aus dem in Gehofen. Sein Verhalten in der Familie und vor allem gegenüber Kindern war ihnen aber nicht geheuer. Deshalb ließen sie einen Wesenstest durchführen, der Hund wurde am Ende eingeschläfert.

Ein Blick in die anderen Kommunen im Kyffhäuserkreis zeigt, dass dort ganz ähnliche Regelungen für gefährliche Hunde in den Steuersatzungen stehen.

Bad Frankenhausen hat neben der Aufzählung der Rassen den Verweis auf die Gefahrtierverordnung bereits eingearbeitet. In der Kurstadt kostet ein gefährlicher Hund sogar 400 Euro im Jahr, jeder weitere 500 Euro. Normale Hunde kosten 50 Euro im Jahr, der zweite schlägt mit 65 Euro zu Buche und jeder weitere mit 85 Euro.

In Roßleben spielt die Rasse eines Hundes für die Einschätzung seiner Gefährlichkeit gar keine Rolle. Hier wird das nur nach dem Verhalten beurteilt. Gefährliche Hunde kosten einheitlich 350 Euro Steuern im Jahr. Ansonsten leben Hundehalter in Roßleben zurzeit noch relativ günstig. Für den ersten und zweiten treuen Vierbeiner sind jeweils 30 Euro Jahressteuer zu berappen, für jeden weiteren 50 Euro.

In Borxleben, Gehofen, Heygendorf, Mönchpfiffel-Nikolausrieth, Nausitz, Reinsdorf und Ringleben sind in der Hundesteuersatzung zu den Rassen, die Artern benennt, auch noch Bullmastiff, Mastino Napolitano, Fila, Brasilero, Bordeaux Dogge, Mastin Espanol, Staffordshire Bullterrier, Dogo Argentino, Mastiff und Tosa Inu aufgeführt.

In den Gemeinden der VG Mittelzentrum müssen Halter gefährlicher Hunde zwischen 150 und 256 Euro im Jahr zahlen, bei mehreren gefährlichen Hunden bis zu 350 Euro.