Holungen (Eichsfeld). Josef Kistner aus Holungen zieht ein schlichtes Blatt Papier aus seinem dicken Aktenordner. Namen darauf sind geschwärzt. Außer dem einen an oberster Stelle. Es ist sein Name.

Er steht als Erstes auf einer Liste von Menschen, die für den Abtransport in ein Isolierungslager des Ministeriums für Staatssicherheit vorgesehen waren. Das war 1987. "In diesen Tagen begehen wir den 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers in Auschwitz-Birkenau", sagt Kistner. "Aber", so sagt er, "dabei darf man nicht vergessen, dass der ach so friedliebende und demokratische Staat DDR ebenfalls Isolierungs- und sogar Internierungslager geplant hatte." Dass Josef Kistner auf dieser Liste stand, hat er erst 1990 erfahren, als die DDR schon Geschichte war. Aber diese Liste selbst mit eigenen Augen zu sehen, das gelang ihm erst 2012.