Erfurt. Die CDU schlägt vor, dass junge Menschen nach Abschluss ihrer Schulausbildung ein Jahr für die Gesellschaft arbeiten sollen. Das kommt in der Landespolitik überwiegend nicht gut an.

Die Thüringer CDU-Landtagsfraktion stößt mit ihrem Vorschlag zur Einführung eines verpflichtenden Gesellschaftsjahrs bei anderen Fraktionen vor allem auf Ablehnung. Von Pflicht- oder Zwangsdiensten hielten die Grünen „grundsätzlich nichts“, sagte die Fraktionsvorsitzende Astrid Rothe-Beinlich am Freitag im Landtag in Erfurt. Deshalb lehnten sie auch die Forderung der CDU ab. Schon in der Vergangenheit seien zum Beispiel im Rahmen des Zivildienstes junge Menschen zum Einsatz in der Altenpflege verpflichtet worden, obwohl diese dafür keinen inneren Antrieb gehabt hätten. Das habe weder den Zivildienstleistenden noch den zu Pflegenden wirklich etwas gebracht.

'Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Auch aus den Reihen der FDP-Gruppe und der Linke-Fraktion kam Kritik an dem Vorschlag. Er sieht nach Angaben des CDU-Fraktionsvorsitzenden Mario Voigt vor, dass junge Menschen nach dem Ende ihrer Schulzeit verpflichtend ein Jahr Dienst für die Gesellschaft leisten sollen – etwa in Sport- oder Kulturvereinen oder auch bei der Bundeswehr. „Das ist ein Dienst für unser Land.“ Auf diese Weise könne auch der gesellschaftliche Zusammenhalt wieder gestärkt werden.

Mit ihrem Antrag wollte die CDU die Landesregierung per Landtagsbeschluss auffordern, sich auf Bundesebene für die Einführung eines solchen Pflichtjahres für alle Schulabgängerinnen und Schulabgänger einzusetzen. Es gehe dabei um die Bereiche Wehrdienst, Feuerwehr, Katastrophen- und Zivilschutz, Technisches Hilfswerk, Gesundheit und Pflege, Ökologie, Daseinsvorsorge oder europäische Zusammenarbeit und Beziehungen. Der Antrag fiel durch. Voigt sprach von einer verpassten Chance.

Rothe-Beinlich wie auch andere Vertreter von Rot-Rot-Grün und FDP erklärten, statt auf ein Pflichtdienstjahr zu setzen, sollten die vorhandenen Freiwilligendienste attraktiver gemacht werden, damit sich dort mehr junge Menschen engagierten. „Freiwilligendienste muss man sich im Moment leisten können, das kann nicht sein“, sagte die Grünen-Politikerin. Sie müssten besser bezahlt werden und nötig seien auch Stellen in Teilzeit. Es gebe auch junge Menschen, die bereits eigene Kinder versorgen müssten oder Angehörige pflegten.