Berlin. Die Nato ist das mächtigste Militärbündnis der Welt, Israel von Feinden umgeben. Doch in welchem Verhältnis steht Israel zur Nato?

Wer Mitglied der Nato ist, der hat militärisch wenig zu befürchten. So bringen es die Mitgliedstaaten des Militärbündnisses für das Jahr 2023 zusammen auf Verteidigungsausgaben in Höhe von 1,26 Billionen Dollar. Ein Angriff auf ein Nato-Land gilt bislang unter dem Schutzschirm der Atommacht USA als selbstzerstörerisch. Denn der Artikel 5 des Verteidigungsbündnisses verpflichtet die Mitglieder, jedem angegriffenen Bündnispartner beizustehen.

Eigentlich ideal für ein Land wie Israel, das seit seiner Gründung 1948 immer wieder in Kriege mit seinen arabischen Nachbarn verwickelt wird. Und auch für die Nato könnte ein Nato-Mitglied Israel von Vorteil sein. Die IDF, die israelische Armee, gilt als eine der am besten ausgerüsteten Streitkräfte der Welt. Israels Geheimdienste genießen einen hohen Respekt bei ihren amerikanischen und europäischen Gegenstücken. Zudem liegt Israel in einer Region, in der Europa und die USA gemeinsame Sicherheitsinteressen haben. Doch trotz seiner Nähe zum Westen ist und war Israel kein Mitglied der Nato. Nur warum nicht?

Israel und die Nato: Welche Gründe sprechen gegen die Mitgliedschaft?

Historisch gesehen ist die Nato als Verteidigungsbündnis auf das Gebiet des Nordatlantiks begrenzt. So ist der Name „Nato“ die Abkürzung für „North Atlantic Treaty Organization“, also die „Nordatlantikpakt-Organisation“. Ursprünglich wurde das Bündnis zu Beginn des Kalten Krieges als militärisches Gegengewicht zu den in Zentral- und Osteuropa stationierten sowjetischen Streitkräften gegründet. Artikel 10 des Vertrags legt fest, dass die Mitglieder die Möglichkeit haben, jeden anderen europäischen Staat in das Bündnis einzuladen. Das im Nahen Osten gelegene Israel war erst einmal kein Teil dieser strategischen Überlegung.

Rein geografisch ist allerdings Israels Sonderweg nicht zu erklären. Immerhin liegt das Nato-Land Türkei zum Teil noch weiter östlich als Israel. Auch das im Kaukasus, an der Grenze zu Asien gelegene Georgien gilt schon länger als potenzieller Beitrittskandidat. Und als nach dem 11. September 2001 zum ersten Mal der Nato-Bündnisfall ausgerufen wurde, kämpfte die Nato nicht im Nordatlantikraum, sondern im fernen Afghanistan.

Der Historiker Justin Dell vermutet die Gründe für das Fernbleiben Israels vor allem in der Vorsicht der Nato, zu sehr als expansionistische Macht wahrgenommen zu werden. Außerdem sei jedes weitere Mitglied der Nato ein zusätzlicher Stressfaktor für den auf Einstimmigkeit angewiesenen Aufbau der Organisation, schreibt Dell in einem Beitrag der Nato Association of Canada. So konnte beispielsweise die Türkei bisher allein den Nato-Beitritt Schwedens blockieren. Und auch die oftmals anti-israelischen Töne aus Ankara deuten auf potenzielle Konflikte zwischen dem jüdischen Israel und der muslimisch dominierten Türkei innerhalb eines Bündnisses hin.

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Weitreichende Zusammenarbeit zwischen Nato und Israel

Das wichtigste Argument gegen einen Eintritt Israels in die Nato sei jedoch die Gefahr, die Nato in einen großen Krieg im Nahen Osten zu verwickeln. So sieht sich Israel mit der Hamas im Gazastreifen, der Hisbollah im Libanon und dem Iran einer Koalition aus fanatischen Israelgegnern konfrontiert. Durch den Artikel 5 der Nato wären die Nato-Länder verpflichtet, Israel bei einem Angriff militärisch beizustehen. Doch spätestens der Afghanistankrieg und der Irakkrieg haben gezeigt, dass Konflikte in der Region sich schmerzhaft lange hinziehen.

Obwohl also Israel kein Nato-Mitglied ist, gibt es weitreichende Zusammenarbeit zwischen Israel und Nato-Ländern. In Brüssel öffnete Israel 2016 ein Verbindungsbüro im Nato-Hauptquartier. Auch an Militärübungen der Nato nehmen israelische Streitkräfte regelmäßig teil. Und nicht zuletzt sind die USA, das weitaus mächtigste Land der Nato, der wichtigste israelische Verbündete. Seit der Gründung Israels haben die USA mit mehreren Hundert Milliarden Dollar unterstützt. Sie versorgen die israelischen Streitkräfte mit Waffensystemen, die Geheimdienste der Länder befinden sich ebenfalls in engem Austausch. Solange die Vereinigten Staaten an der Seite Israels stehen, muss Israel sich nicht auf die Nato zubewegen.

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